Indie rock'n'roll is what I need,
It's in my soul, it's what I need,
It's indie rock and roll for me
Indie... „als Indie (Engl.: independent = unabhängig) bezeichnet man in der Musik eine Person, eine Gruppe oder ein Werk, die bewusst Künstlerisches abseits des gerade herrschenden Mainstreams schaffen“...
Aber wer war dieser Indie eigentlich??
Play me some from 1954... before Rock’n’roll…
Das genaue Geburtsdatum des Indie ist nicht bekannt, jedoch dürfte er seinen Ursprung bereits in den 20er Jahren gehabt haben, als Underground und Mainstream noch Fremdworte waren. Obwohl er damals noch in den Babyschuhen steckte, war er schon der Überbegriff für einige wenige Plattenlabels, die hauptsächlich afroamerikanischen Blues produzierten.
Sein großes Coming Out hatte er erst gut 30 Jahre später. Die damaligen Major Plattenfirmen waren zu konservativ um an das revolutionäre Potential des Rock’n’Roll zu glauben. Doch der Indie glaubte daran. Das Ergebnis zeigte sich in den Charts: gute 2 Drittel der R’n’R-Hits in den Top Ten waren von Indie-Labels produziert worden. Es schien tatsächlich einen Markt für diesen unmoralischen Krach zu geben: Teenager. Der Indie erkannte dies und stellte nebenbei fest, dass Trends nicht so kontrollierbar waren, wie es sich die Majors erträumt hatten.
In the summer of 69...
Anfang der 60er hatten auch endlich große Plattenfirmen realisiert, dass nicht alles, was man aufnahm und als „neue“ Musik in die Läden stellte, unbedingt auch gekauft wurde. Sich der zunehmenden Beliebtheit des Indie bewusst, kauften sie kurzerhand Indie-Künstler ein oder stellten unbekannte Musiker ein, denen sie das nötige künstlerische Potential und eine gewisse kreative Unabhängigkeit zutrauten: Die Kommerzialisierung hatte begonnen.
Beim Woodstock-Festival 1969 hatte der Indie erneut seine Finger im Spiel: Zu dem für 50.000 Besucher konzipierten Ereignis erschienen letztlich stolze 500.000 Hippies. Das Festival war ein Spektakel von Schlamm, Drogen und musikalischen Highlights; zahlreiche Künstler wurden erst später kommerziell so richtig erfolgreich.
Und nur 77 ist echt gewesen...
Am Anfang war der Punk – und wieder mal kein Interesse an diesem unmoralischen Krach bei den Majors. Neue Medien verbreiteten das neue Kind des Indie und lösten eine Lawine von Kleinstlabels, Fanzines und Empörung unter der Bevölkerung aus. Punk stellte die Musikwelt auf den Kopf: Auf einmal war es nicht mehr nötig, sein Instrument wirklich zu beherrschen, Songstrukturen wurden auf das Wesentlichste reduziert und Johnny Rotten ist der Beweis dafür, dass sich ein Sänger auch Sänger nennen darf, ohne die Töne zu treffen.
Doch so schnell wie er plötzlich da war, war er auch schon wieder weg. Und hinterließ den Hinterbliebenen Berge von musikalischer Infrastruktur, den letzten Hauch von Rebellion und einen Idealismus, durch den schließlich noch weitere Musikgattungen den Stammbaum des Indie um ein Vielfaches erweiterten...
Remember the 80's? They were something…
In den goldenen 80ern ließ der Indie einen Stamm nach dem nächsten aus dem fruchtbaren Boden des Underground wachsen: Hardcore, New Wave, aber auch im Bereich des Hip Hop und Techno machte er sich bemerkbar, und nicht zuletzt im Indie-Rock bzw. Indie-Pop, denen er seinen Namen gab. Mittlerweile waren auch größere Plattenfirmen auf die Nachfahren des Punk aufmerksam geworden, und vor allem darauf, dass man mit unmoralischem Krach auch Geld machen konnte. Es war, als hätten sie entdeckt, was Malcolm McLaren (seines Zeichens Manager der Sex Pistols) schon längst wusste.
Zig Labels waren geboren, „Do It Yourself“ lautete die neue Devise. Jeder konnte im Eigenvertrieb produzieren, nichts war mehr unmöglich. Während Major Labels mit dem Phänomen der ersten Raubkopierer zu kämpfen hatten, wusste der Indie geschickt mit der Möglichkeit, Platten auf Kassette zu überspielen, umzugehen. Copy kills music? Indie ließ sie aufleben.
We're tied to the nineties...
Mittlerweile war der Indie sowohl zum Inbegriff von Unabhängigkeit und Freiheit geworden, als auch zu einer populären Musikgattung, die kaum mehr von der Popmusik, die von EMI, BMG und Co produziert wurde, zu unterscheiden war. Die Grenzen zwischen Mainstream und Underground waren mehr als fließend, Kultur und Kommerz längst kein Widerspruch mehr. Grunge und Alternative Rock hielten Einzug in die Musikwelt, während leicht verdauliche und verträgliche Formen des Techno und Hip Hop den Markt überströmten.
Die Musik wurde zu Tode produziert und ausverkauft, dem Indie fiel es immer schwerer sich am Leben zu halten.
"None of us went to university, none of us went to college, none of us played in a different band before, none of us done anything. We were the last great band to come out of nowhere, on an indie label. We've sold 50 million records. That's still the benchmark. Until someone does what we've done, I'll always consider myself the last big songwriter" Noel Gallagher
Today is gonna be the day...
Heute sieht die Sache nicht viel anders aus: Immer mehr Bands wechseln zu Major Plattenfirmen, der Kapitalismus siegt. Kommerzieller Erfolg hat einen höheren Stellenwert als Authentizität. Der letzte Unterschied besteht darin, dass Majors allein der wirtschaftliche Aspekt wichtig ist, während Indie Labels immer noch wert auf die Qualität der Musik legen. Der Indie hat einst versucht aus gesellschaftlichen Widersprüchen neue Innovationen zu schaffen; jetzt scheint es als wäre das Potential an Widersprüchen erschöpft.
Der Indie verliert seine Kultur und wird immer mehr zur Marke; Chucks und ein Emo-Haarschnitt genügen, um Anspruch auf den Titel Indie zu stellen.
Ja, der Indie hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Er wird missbraucht, das Wort wird ihm im Mund umgedreht. Manche halten ihn überhaupt schon für tot. „We buried indie rock years ago“, singen sie. Aber hörst du mich, Indie? Ich glaube an dich!
Es hätte noch schlimmer ausgehen können. Meine letzten Worte, um dem Indie noch einmal Tribut zu zollen, hätten genauso R.I.P. sein können. Sind sie aber nicht.
In diesem Sinne,
es lebe der Indie!
Ausgezeichnet
Hallo Kathrin! Du hast hier einen wirklich sehr feinen Artikel erstellt. Besten Dank!
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edel edel dein artikel.. es lebe der indie.. und zum glück gibts ja genügend bands die trotz einer menge geld noch ihrem stil und ihrer authenzität treu bleiben..
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