Wenn man nachdenkt - und das tut man ja sehr oft - erstellt man intuitiv Listen. Von denen gibt es viele: Listen über Dos und Dont's, über die besten Bücher jeher, über die genialsten Alben und viele andere. Spätestens seit Nick Hornbys Liebeserklärung an solch ein „Ranking“ („31 songs“) ist es das Um und Auf jedes Mediums mit Stil.
...oder jene, die es noch werden wollen
Wo anfangen bei einer Liste, die zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber trotzdem den Eindruck erwecken sollte, unerweiterbar zu sein? Nach dem Alphabet in chronologischer Reihenfolge oder gar quer durch den Gemüsegarten?
Beim Nachdenken erstellt man oft Listen, und das im Kopf. Zum Beispiel Listen über coole und uncoole Dinge, über Sachen, die „in" sind und die man sich vielleicht schleunigst zulegen sollte. Aber natürlich bringt der Mensch nicht nur Sachen hervor, die unbedingt zu besitzen sein müssen. Die folgende ist so eine. Eine persönliche Liste über die „Ins" und „Outs" – nicht nur für dieses Jahr. Meistens konstruieren sich beim Gehen in der Stadt solche Charts ganz von alleine…
IN:
Der iPod:
Unverzichtbar! Der iPod, nicht zuletzt eine wichtige Erfindung des weisen Steve Jobs, sollte nicht nur urbanen Menschen als musikalischer Wegbegleiter dienen. Ob in schwarz, in rosarot, in hellblau, in grün oder nur in weiß: Dieses Ding ist obligat und färbt den ohnehin tristen Alltag. Am besten hat man dieses Gerät den ganzen Tag - Nacht inklusive! - auf "on" und griffbereit. Überhaupt bei Ausflügen in Mutter Natur schadet es ganz und gar nicht, als verkabeltes Wesen zu erscheinen. Because it's even better with music…
Die Schallplatte:
Gerade sie erlebt in den letzten Jahre eine wahrhaftiges Revival und kommt ganz retro daher: Die einst von Emil Berliner im Jahre 1887 erfundene schwarze, mit Rillen durchtränkte Schallplatte. Sie weiß es besser! Denn so sind wir dieser Tage – formell: Im 21. Jahrhundert – wieder mit dem Ding, dessen Tod immer wieder Beobachter der Musik herbeiredeten, konfrontiert. Es ist total „in", einen Plattenspieler bei sich zuhause herumstehen zu haben! Außerdem ist dies für Musik-Junkies wie das Gras für die Kuh: Das Auspacken und Betrachten des Vynils. Während bei einer CD das Booklet durchschnittlich klein und ohne Inhalt auskommt, ist die Schallplattenverpackung ein gefundenes Fressen für altbackene Pop-Literaten. Oftmals sind Bilder, Biografien, Songtexte und andere literarische Utensilien zu finden. Oldschool ist the new school!
Der DJ:
Was wurde nicht alles geredet in den von Synthesizern heimgesuchten 80ern. Neben dem Weltuntergang wurde auch der Tod der Musik dingfest gemacht. Man erinnere sich: Es war die Zeit der elektronischen Musik, als Bands wie Depeche Mode, Talking Heads, New Order und andere den zuvor schon existierenden New Wave mit der immer mehr aufkeimenden Elektronik in Mixtur brachten. Man ging starken Schrittes auf die 90er zu und da war er, der in den USA - wo alles mit 10-jähriger Verfrühung auftaucht - schon zuvor für Furore und als Begleiter der Hip Hop-MCs sorgte, geboren: Der DJ. Kein Musiker der Welt kann es bezüglich Coolness mit dem trendigen Menschen aufnehmen. Eine Platte nach der anderen wird von ihm auf den Teller gehievt - alles in Verbindung zueinander gebracht: Drum and Bass, Hip Hop, Techno, Funk, Soul, Jazz, Rock, Pop und Metal. Kaum eine Sause, ob im öffentlichen Raum oder pirvat, wäre ohne ihn vorstellbar. So hoffen wir doch, dass sich diese Bestandaufnahme von Musik auch noch in den nächsten 100 Jahren machen lässt; denn: Die Welt ist wieder eine Scheibe…
Der „Converse":
Ja, ja; auch er ist verdammt wichtig, vor allem des Aussehens wegen. Zwar auch wieder retro, aber egal. Dieser Schuh ist für alle Witterungen bestens geeignet: Er kann währen langer Fußmärsche in der Großstadt, auf Festivals mit hohem Dreckanteil oder auch beim Spazierengehen im Wald getragen werden. Ganz egal wo, man kommt „alternativ". Kultfaktor: 100%.
Die Zeitung:
Unter Zeitung sind möglichst Weltblätter wie folgt verstehen: F.A.Z., Süddeutsche, Standard, Furche, Die Welt, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Die Zeit, New York Times, The Independent, Guardian, Times, Neue Zürcher Zeitung usw. Die tägliche Informationsflut muss sein!
Die öffentlichen Verkehrsmittel:
Diese Art des Weiterkommens kann häufig nur in der Stadt stattfinden; einfach aus dem Grund, weil dort die Nachfrage größer als in ruralen Gebieten ist. Nichts ist so cool, wie sich in der drohenden Rush Hour in eine U-Bahn – kann auch eine Straßenbahn, ein Zug oder ein Bus sein – zu setzen und die aufgeschlagene Zeitung zu konsumieren. Wer sich in der Stadt also mit dem Auto fortbewegt, muss ausgelacht werden. Nicht nur der Parkplatz-, Sprit- und/oder Tiefgaragenpreise wegen…
Das City-Bike:
Obligater als obligat! In der Neusprache: Es rult! Im ernst: Es ist doch wissenschaftlich erwiesen, dass Typen, die sich sportlich betätigen, indem sie mit dem Rad (durch die Stadt) fahren, einen höheren Trend-Faktor als Autofahrer haben, die meistens nur aus Gründen der Faulheit das Gaspedal betätigen.
Der Kaffe bzw. „Coffe to go":
Ohne Kaffee würde so manch einer verzweifeln. Das braunschwarze Gebräu, das die zivilisierte Menschheit – ob in den USA, in Europa, in Australien oder Asien – vor dem gefährlichen Einschlafen untertags rettet, ist gar wichtiger als Wasser. Wenn die Koffeinmenge stimmt…
OUT:
Die Zigarette:
Zugegeben, es schaut nicht schlecht aus: Der aus dem Mundwinkel heraushängende Glimmstängel. Kein Filmstudent auf der Welt könnte mir einen Film nennen, in dem der passionierte Raucher uncool wirkt. Das ist wohl ein Argument für „In". Da der Griff zur Zigarette aus gesundheitlichen Gründen kein guter ist, muss die Zigarette aber unter „Out" eingeordnet werden. Schließlich wäre es doch schade um die Menschheit…
Der Regenschirm:
Nervt eher nur in der Stadt, wo Menschen auf Menschen treffen und sich dann die überflüssigen Regenschirme auf die Birne hauen. Am Land kann man dem wenigstens geschickt ausweichen. Die Frage bleibt aber: Warum wurde der Regenschirm erfunden. Für Kaiser, denen der Kopfschutz etwas wert war? Für eitle Menschen, denen die Frisur immer schon wichtiger war als das, was sich vielleicht darunter befindet? Keine Ahnung. Wirklich nicht!
Das Auto:
Wurde vorhin schon angesprochen, stört aber immer noch. Der Stadt/Land-Vergleich muss auch noch einmal hergezogen werden. Am Land ist das Fahren mit dem Auto ja noch verständlich, denn wie soll man sonst um Himmels Willen von Dorf A nach Dorf B kommen, wo doch nur alle 5 Stunden ein Bus in Bewegung ist. (Vom Zugverkehr gar nicht erst zu sprechen, weil er nicht existiert!) Aber in der (Groß-) Stadt, wo jede Minute ein Bus, eine U-Bahn, eine Straßenbahn oder notfalls ein Taxi – was zwar auch ein Auto ist, aber wenigstens ein öffentlicheres – unterwegs ist, markiert ein Auto doch den Gipfel des Unwichtigen. Anhand der immer teurer werdenden Spritpreise sollte sich das hoffentlich bald aufhören…
Das Kreuz (im urbanen Raum):
Nennt mich einen Befindlichkeitsterroristen, aber ich empfinde es als eine pure Frechheit, jeden Tag ein Kreuz zu sehen. Wer hat diese Religion gepachtet? Natürlich wird hier der in Österreich leider immer noch nicht existierende Laizismus angeprangert. Religionsfreiheit statt staatlicher Unterdrückung!