2010-02-25 00:15:35
Endlich ein Songwriter der es versteht auch einmal Stimmung zu machen. Hadu Brands Solo-Album Fourteen Songs ist das, was man in ein paar Jahren hoffentlich unverzichtbar nennen wird.
Der Singer/Songwriter ist ein weit verbreitetes Wesen, dessen Population sich unentwegt verdichtet und seinen Lebensraum unaufhörlich ausdehnt. Stellte man jeden an eine Straßenecke, der ihr angehört, so könnte man keine Straße mehr überqueren, ohne dabei vom romantischen Saitengeklimper eines dieser Weichlingsmusikverbreiter begleitet zu werden. Es ist wahr, es gibt einfach unzählige von ihnen. Jeder der nun glaubt, er wäre ein Singer/Songwriter, den die Welt zusätzlich braucht, muss schon mit verdammt guten Argumenten ankommen, um zu überzeugen.
Es lebe die Abwechslung ...
Ein Glück, dass Hadu Brand Argumente hat. Vierzehn Argumente um genau zu sein. Sein Album Fourteen Songs setzt vor allem auf eines, nämlich auf Abwechslung. Mit jedem Mal hören, entdeckt man einen weiteren Song für sich. Dieser geistert einem dann tagelang durch den Kopf. Fassungslos, da man das von österreichischen Singer/Songwritern kaum gewöhnt ist, bleibt man auf der Platte hängen. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle der Song "Lenny", den Hadu Brand wohl nach einem seiner Söhne benannt hat. Die Nummer ist geladen mit Experimentierfreudigkeit und hat obendrein noch einen wunderschönen Text. Das Album enthält sowohl ruhige als auch flotte Songs und eignet sich für mindestens 14 verschiedene Gefühlszustände. Auch Ohrwürmer sind genug auf die Platte gepackt. Von "I called my heart bis Walk away", man wird diese Lieder nicht mehr los.
...und auf gute Nachbarschaft!
Jeder Song ist anders und auf seine Weise etwas Besonderes. Fourteen Songs ist selbst für jemanden, den man sonst mit Singer/Songwriter-Gedudel quer über den Globus jagen könnte, absolut hörenswert. Dabei ist es auch nicht ganz „wurscht“ wie man auch im Alsergrund sagen würde, dass Hadu Brand früher einmal im gleichen Haus wie Glen Hansard von den Frames im 9. Bezirk gewohnt hat. Offenbar floss die Inspiration in diesem Haus unter den Türen hindurch.
Wunderschön ist auch das Cover-Artwork, das einen Kauf der Platte in seiner materiellen Form auf jeden Fall ratsamer macht als den Download.
Hadu Brand trifft auf beinahe brüskierend lockere Weise den Nerv der Zeit, den übrigens längst schon einer hätte treffen können. Wem Damien Rice und Joshua Radin geographisch immer ein bisschen zu weit weg waren, der kann sich getrost Hadu Brand zuwenden.
Hadu Brand
Fourteen Songs
Pumpkin Records
VÖ: Jänner 2010
Die Wiener sind ein heiterer Menschenschlag von großer Traurigkeit, ein leichtlebiges Volk von schwermütig-depressiver Grundstimmung, sie sind hochbegabt, aber die mitleidlosen Feinde ihrer Begabung, sie fühlen sich nur wohl, wenn sie sich nicht wohl fühlen.
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