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In der Arena

2010-02-15 13:27:10

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Günther Schwaigers neue Dokumentation Arena befasst sich mit einem mit großer Emotionalität diskutierten Aspekt der spanischen Kultur – dem Stierkampf.

Die Dokumentation Arena ist der Abschluss von Günter Schweigers Trilogie über, wie er es ausdrückt, "heikle" Aspekte der spanischen Zeitgeschichte. Widmete er sich in Hafners Paradise und Der Mord von Santa Cruz noch dem politischen Bereich, stehen in Arena mit dem Stierkampf ein kulturelles Phänomen und dessen Kontroversen im Vordergrund.

Herz- und Stierblut


Die Dokumentation widmet sich vor allem dem kulturellen Zugang, der Faszination, die der Stierkampf auf seine Anhänger im iberischen Raum und Südfrankreich ausübt. Dabei ist bemerkenswert, wie es dem Regisseur gelingt, den daraus entspringenden Facettenreichtum in seinen Interviews einzufangen. So kommen vor allem angehende wie etablierte Toreros, deren Familien und Manager zu Wort, deren steiniger Weg mosaikhaft in Interviews und in fast beiläufig entstanden zu scheinenden Alltagsszenen dargestellt wird. Sorgen und Nöte der Toreros und ihrer Anverwandten um Leib, Leben und das finanzielle Auskommen, das harte Training und die kompromisslose Leidenschaft für den Stierkampf werden vor einer Kulisse offenbart, deren Kern die Arena und ihr wichtigster Protagonist, der Stier, darstellen.

Obwohl die Kritiker im Film nur wenig Raum finden, spricht Günther Schwaiger in den Interviews mehrmals die Kritik am Stierkampf an und ermöglicht somit einen Raum, in dem die Intentionen der Befürworter offen zutage treten. So zählen für die einen einzig die Trophäen, die Anzahl getöteter Stiere, für andere steht der sportliche Gedanke im Vordergrund, dass Menschen nicht gegeneinander antreten, sondern vereint im Kampf gegen die Gewalt der Natur. Der Stier wird hier zum unfreiwilligen Medium, was relativiert wird, da er ja ein natürliches und verglichen mit der Massentierhaltung schönes Leben führen könne. Andrerseits macht sich dabei ein archaisches Bild des Stieres als Tieropfer bemerkbar, welches auf die Zeit zurückgeht, als unsere Kultur weder von christlichen Werten noch denen der Aufklärung berührt worden war.


Bunt, doch langatmig


Um eine derartige Vielfalt und den Geist des Stierkampfes zu zeigen, den Günther Schwaiger damit verbindet, nämlich, den französischen Philosophen Roland Barthes zitierend, „den Sieg über die Unwissenheit, die Angst und die Notwendigkeit“, dazu bedurfte es einiger Abstriche. So fokussiert er vor allem auf jene, für die der Stierkampf einen tieferen Sinn hat, als bloße Unterhaltung zu sein. Dieser Zugang verzerrt die Wahrnehmung dieses Phänomens und wirkt beschönigend. Auch stellt er den wenigen zu Wort kommenden Stierkampfgegnern kritischere Fragen als den Befürwortern, deren Ansichten insgesamt eher dargestellt als hinterfragt werden. Von Tierschützern angeprangerte Praktiken, wie z.B. das schmerzvolle Kürzen und Abstumpfen der Stierhörner oder Schläge in die Nieren der Stiere um sie sowohl zu reizen als auch zu schwächen, gehen von der Stierkampfmafia aus, die in nur einem Statement kurz Erwähnung findet.
Da die Lebensweise der Toreros den Großteil des Filmes ausmacht, ist besonders im letzten Drittel eine gewisse Länge spürbar, die durch den sehr eindrucksvollen Schlussteil zwar aufgelockert, aber nicht vollständig aufgelöst wird.

Fazit


Somit bleibt abschließend nur zu sagen, dass der Film, trotz der Überlänge und einer leichten Schönfärbung des Stierkampfes, einen guten Kontrast zu der zweifelsohne vorhanden Polemik einiger Gegner darstellt. Wer sich für das Thema interessiert, sollte ihn jedenfalls gesehen haben, denn selten werden Befürworter derart freimütig zu hören sein. Auch an der Thematik weniger Interessierte haben in Arena die Möglichkeit, ein medial kaum aufbereitetes Spektrum von Gesell- und Leidenschaft zu erfahren.

Der Film startet am 5. März.

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AutorInnen


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Kommentare




 

02.03.2010
margitm

bin

schon gespannt auf den film!

interessant find ich deine kritik an dieser stelle:
"So fokussiert er vor allem auf jene, für die der Stierkampf einen tieferen Sinn hat, als bloße Unterhaltung zu sein. Dieser Zugang verzerrt die Wahrnehmung dieses Phänomens und wirkt beschönigend."
diesen zugang alleine fänd ich jetzt nicht besonders beschönigend. vielmehr stellt sich mir die frage, ob etwas dann legitim ist wenn es aus dem stadium der "bloßen unterhaltung" gewachsen ist.

wie kann man unterscheiden was der stierkampf in wem auslöst, wo fangt der "tiefere sinn" an, wo hört die "bloße unterhaltung" auf?
das argument klingt ein bisschen so wie früher, als man das kino als böses primitives zertstreuungsmittel abgetan hat. wer weiß? nur, im kino sterben halt keine stiere.

bei so viel archaischem konnte ich mich in "meiner arena" dem tieferen sinn gar nicht entziehen, es ist einfach übergeschwappt.

spannend....

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