2008-12-21 15:49:21
Thomas Godoj gab im Dezember ein Konzert in Wien. Der DSDS-Sieger nahm sich vor seinem Auftritt noch Zeit, um sich den Fragen von FM5 zu stellen.
Ruhig und bodenständig - Thomas Godoj macht aus seiner Art keinen Hehl. Er ist abseits der Bühne genau die Sorte Mensch, denen man schon bei der ersten Begegnung freundlich gesonnen ist. Gutmütig führt er durch den Backstagebereich des Wiener Gasometers. Das Interview findet in seinem Garderobenraum statt. Der Recklinghausener trinkt heißen Tee, um seiner etwas angeschlagenen Stimme vor der Show auf die Sprünge zu helfen.
Godoj plaudert offen und überraschend viel. Er erzählt von seinen Anfängen, wie er zu seinen Songzeilen kommt und ob der Erfolg für ihn persönliche Veränderungen mit sich gebracht hat.
FM5: Thomas, ist das alles Zufall oder doch eher Schicksal? Woran glaubst du?
Thomas Godoj: Schwer zu sagen. (überlegt lange)
Manches ist Schicksal, manches aber auch Zufall. Schicksal zum Beispiel die letzten Jahre, die ich Musik gemacht habe, das ich daraus gelernt habe und dass das alles gekommen ist wie es jetzt ist. Dass ich mich irgendwann bei der Show angemeldet habe und letztendlich das Ding auch, Gott sei Dank, irgendwie gewonnen hab. Zufälle, was ist ein Zufall? (überlegt) Wenn man jemanden lange nicht gesehen hat und den wieder auf der Straße trifft nach ein Paar Jahren. Kann aber auch Schicksal sein, keine Ahnung, je nachdem. (lacht)
Dein Song Autopilot hört sich schicksalhaft an. Als würde eine höhere Macht oder eine Bestimmung einem helfen aus einer schweren Krise herauszukommen.
In der Tat kann man das auch so interpretieren. Also Autopilot, das war auch zum Beispiel Schicksal, glaube ich, wie ich in meinem Auto saß damals, auf der Autobahn, und im Stau stand. Irgendwann ist mir das zugeflogen. "Wir schalten auf Autopilot", und so kam die Zeile. Letztendlich ist es auch schon irgendwie auch ein bisschen, wenn man genau den Text betrachtet, fast schon ein Liebeslied. Dass man sich nur an die guten Sachen erinnert, auf die Art "Lass uns doch mal die guten Sachen jetzt Revue passieren, ist doch eigentlich schön., lass uns doch jetzt mal die Zeit wieder so leben wie es vorher war".
Also bist du eher ein Optimist und kein Pessimist.
Ja, ich versuche auch immer das Positive im Menschen zu sehen, wenn man sich beim ersten Mal irgendwie trifft. Dann kommt es aus dem Gespräch raus, je nachdem, ob derjenige mich irgendwie nur auf die Schippe nehmen will oder keine Ahnung was. Entweder machst du das mit oder lässt es bleiben.
Würdest du sagen, dass du religiös bist?
Religiös? Also ich bin katholisch erzogen worden, ich habe auch meine Kommunion gemacht, Firmung hab ich dann sein lassen. Ich weiß auch nicht, ich bin jetzt auch kein Kirchgänger. Ich glaube an das was ich sehe und das reicht mir auch. Mit Glauben und hier und da, es gibt so viele Menschen da draußen die Glauben missbrauchen für irgendetwas. Dadurch entstehen auch viele Kriege und das wird alles irgendwie miteinander verbunden. Seitdem ich das irgendwie in meinem Kopf selber mitgekriegt habe, hab ich gesagt "Ich glaube nur an das was ich sehe".
Bist du ein Perfektionist, wenn du jetzt einen neuen Song schreibst? Gehst du akribisch vor?
Man kann natürlich einen Text schreiben, der einfach nur so dahingerotzt ist, aber man kann auch einen Text schreiben wo man sich Wort für Wort und Zeile für Zeile irgendwie Gedanken macht. Und das kommt auch einem nur zugeflogen. Du kannst nicht jeden Tag einen Text schreiben. Geht nicht. Entweder hast du die Kreativität gerade in dir, die sprudelt aus dir raus, dann schreibst du das auf, oder dir fällt spontan ein Satz ein, eine Zeile. Letztens ist mir auch wieder was eingefallen: "Was nicht existiert, müssen wir neu erfinden". Erstmal aufgeschrieben. Das kommt dir nicht alle Tage irgendwie zugeflogen.
Es kann also sein, dass du manchmal tagelang an einer Strophe, einer Passage oder an einem Refrain herumfeilst und herumbastelst?
Nicht nur alleine, weil ich bin jetzt kein Instrumentalist. In letzter Zeit haben wir das mit der Band gemacht. Das sind auch Leute aus alten Zeiten und auch aus der Musikszene, die ich kennen gelernt habe. Sind alles sehr gute Jungs, mit denen will ich das auch weiterhin machen. Natürlich würde ich mich in Zukunft auch mit anderen Komponisten hinsetzten. Definitiv wäre auch eine kreative Pause, weil das muss einfach sein. Ich bin jetzt hier kein Typ der ... (bricht ab) man kennt das ja vielleicht von anderen Shows oder von den letzten Staffeln: Immer schön ein Album nachschieben, immer immer weiter weiter weiter, Hauptsache verkaufen. Das ist nicht mein Niveau, da will ich nicht hin. Wenn dann möchte ich persönlich damit zufrieden sein. Und wenn man den richtigen Nerv dann trifft bei den Menschen da draußen, dann ist das super.
Was lernst du, wenn du jetzt im Studio Songs aufnimmst und produzierst. Lernst du etwas über die Entstehung generell, über die Kunstform, oder lernst du dabei auch etwas über das Leben allgemein?
Also ich hab jetzt schon öfter im Studio aufgenommen. Das gehört dazu, dass man sich ins Studio setzt und mit Leuten an einem Song rumschraubt oder an verschiedenen Baustellen rumschraubt, wenn du zwei, drei Songs in Bearbeitung hast. Klar, man hat eine bestimmte Zeit, wo man sich nur darauf fixiert, aber vielleicht hast du auch gerade eine Blockade. Gibt's auch. Ich glaube da gibt es auch keine bestimmte Rezeptur wie man da angeht. Jeder macht es auf seine Art und Weise. Manche schreiben die Texte und schreiben dann die Musik dazu, manche machen aber erst die Musik, nehmen Demos auf, und dann werden die Texte dazugeschrieben. Manche haben aber auch nur eine Gesangsmelodie und darauf wird ein Text geschrieben. Es ist unterschiedlich.
Was ist mit den Songs, die Künstlern auf den Leib geschrieben werden. Sind diese anders zu betrachten? Wie macht man sich diese zu eigen? Auf deinem Album gibt es ja zahlreiches Material, was nicht aus deiner Feder stammt.
Diese Künstler gibt es, bis jetzt zähle ich auch noch dazu. Ich habe ja nicht viel Zeit gehabt nach DSDS. Wir haben zwei Wochen im Studio verbracht und dann wurde die Platte eingesungen. Vorher hat man sich natürlich Songs rausgesucht, zusammen mit der Plattenfirma. Bin natürlich sehr stolz darauf, dass ich die deutschen Songs mitgeschrieben habe, dass ich die mit auf die Platte packen durfte. Das war schonmal der erste Anfang.
Würdest du sagen, dass du diplomatisch bist?
Diplomatisch? Keine Ahnung, ich weiß nicht. Bin ich diplomatisch? (überlegt)
Zum Beispiel als dein Album entstanden ist: Wolltest du bestimmte Songs auf alle Fälle auf der Platte haben, bist du dafür eingetreten?
Ja! (selbstsicher) Na ja, ich habe mir Mühe gegeben. (lacht)
Ich hab gesagt "so oder sonst find ich das blöd". Und ich denke mir mal wenn man seinen Mund aufmacht kann auch vielleicht was dabei rumkommen. Man muss sich ja nicht verstecken, nur weil andere Leute meinen mir irgendwas in den Mund legen zu müssen. "Oder so ist der Weg vielleicht besser". Es war ja auch so bei der vorletzten Single, bei Helden gesucht, da sollte eigentlich erst eine englische Nummer wieder nachkommen. Da hab ich gesagt "Warum? Nenn mich doch den Grund?" Da gab es keine Antwort. Da hab ich gesagt: "So, Helden gesucht." Und es ist gut angekommen. Unfassbar, bei den letzten Konzerten, da singen die Leute das mit. Du glaubst gar nicht wieviel uns das gibt, weil wie gesagt ich hab ja die halbe Band von damals noch im Endeffekt wieder dabei und die haben das auch mitgeschrieben und das ist so toll für uns, dass das so funktioniert hat. Da hilft auch keine Strategie der Plattenfirma. Wenn du als Künstler mit dir im Reinen bist und sagst so fühl ich mich wohl, dann kannst du das auch nur dann auf die Leute projizieren. Da kann wie gesagt keine Strategie der Plattenfirma funktionieren. Es kann funktionieren, aber dann funktionierst du wie ein Roboter.
Könntest du dir vorstellen in, sagen wir mal ein Paar Jahren, wenn du mehrere Platten veröffentlicht hast, dass du dein Set nur aus deinen eigenen Songs zusammenstellst?
Ich bin, wie ich schon gesagt habe, bereit auch mit anderen Komponisten zu arbeiten. Aber ich möchte gerne dabei sein. Weil die Songs, die jetzt auf dem Debütalbum drauf sind, da war ich ja nicht dabei. Mir wurde der Song einfach so quasi "hier guck mal, das ist der Song, magst du den, würdest du den singen, ja oder nein?" angeboten. Es musste sehr schnell gehen. Ich möchte gerne erst eine kreative Pause einlegen und dann mit den Leuten zusammenarbeiten. Das heißt, dass ich mich mit auf den Arsch hinsetzte mit denen und auch dabei bin bei der Songentstehung.
Hast du jetzt schon Pläne für ein zweites Album? Gibt es bestimmte Dinge, die du anders angehen willst?
Na ja, vielleicht das was man in letzter Zeit so erlebt hat. Dass man vielleicht ein paar Sachen verarbeitet in seinen Texten. Was man so bekommen hat von den Menschen da draußen, und das ist echt sehr viel. Es gibt natürlich auch Situationen, wie alles gekommen ist, mit der Band und so. Es gibt viel zu berichten, aber die kreative Pause brauchst du auf jeden Fall um deinen Kopf frei zu kriegen. Momentan fixieren wir uns alle und konzentrieren uns auf die Live-Situation.
Dein Debütalbum Plan A! ist auf Platz 18 der Jahresbestenliste von Media-Control gelandet. Was sagst du dazu?
Ist das so? Ich weiß das gar nicht.
Gibt dir das eine Art von Bestätigung, wenn du siehst, dass sich dein Album so gut verkauft?
Es ist natürlich schön, dass es so gekommen ist. Ich verfluche das nicht, aber letztendlich ist das auch alles durch den Medienhype gekommen, durch die Sendung, was auch ok ist. Es freut mich natürlich, aber ich denke man muss da weiterhin daran arbeiten. Und wenn es beim nächsten Album oder beim übernächsten, wenn es dazu kommt, dann genau so ist, dann ist das glaube ich das Beste, was einem Künstler passieren kann. Die Arbeit die man da reingesteckt hat, dass die honoriert wird.
Würdest du rückblickend etwas verändern wollen?
Verändern? (überlegt)
Bestimmte Dinge anders machen oder Aussagen revidieren?
Nein, also ich sage immer das, was ich denke, und ich bin so ein "Spontano", wie ich mich nenne. (lacht) Ich mache mir da vorher keine Notizen, was ich sagen will. Das ist immer spontan und ich werde das weiterhin so praktizieren.
Hast du nach deinem Erfolg irgendetwas über dich selbst herausgefunden, was du vorher an dir nicht kanntest?
Mit der Nervosität umzugehen, vor der Show. Ich glaube, weil ich in der letzten Zeit bzw. in den letzten Jahren so viel dazugelernt habe, dass mich aber einfach nichts mehr oder nicht sofort vom Hocker reißt, was das Musikbusiness angeht.
Ich hatte letztendlich vor DSDS noch eine Band, wir hatten eine tolle Produktion, und hier und da, und es hat nicht geklappt. Dann gehst du in dieses Schema "Musikbusiness". (verzieht das Gesicht) Immer nur Kohle, Finanzen, Finanzen. Das ist an zweiter Stelle. Man soll als Künstler davon leben, dass ist auch klar. Wir haben als Band damals noch voll viel Kohle in die Musik reingesteckt, wir haben sogar Clubs bezahlt damit wir da spielen durften, ich meine hallo? Das gab es früher alles gar nicht, da haben sich die Clubs gefreut, dass da eine Band aufgetreten ist. Heute ist das nicht mehr so. Klar, die Plattenfirma, die braucht man, aber die haben es auch nicht mehr so locker sitzen. (blickt zu den Leuten von der Plattenfirma hinüber) Das kann man auch so sagen, dass sage ich nicht nur hier, das sage ich auch in Deutschland. Ist einfach so. Die interessieren sich nicht für eine Band, auch wenn die gut ist. Vielleicht kommt da mal eine Band einmal im Jahr, und die sagen dann "die pushen wir mal", und dann kriegst du einen Vertrag über drei Jahre, klar funktioniert das nicht vernünftig. Da kommst du aus den Schulden nicht mehr raus. "Du kriegst einen Vorschuss und spiel das mal ein." Bei Deutschland sucht den Superstar war das nun mal so, dass du viel Publikum hattest. (seufzt) Was Musikbusiness angeht, ist es echt eine schwierige Sache. Ich hab da vieles kennen gelernt was mich einfach nicht mehr berührt.
Du wirkst immer sehr bodenständig. Gibt es etwas, was dich aus deiner Haut fahren lässt, wo du wütend wirst?
Gewalt. Wenn andere Gewalt anwenden, weil sie dich vielleicht nicht mögen oder was weiß ich nicht was. Ich meine die Welt kannst du eh nicht verändern, und ich bestimmt nicht. (lacht)
Die Welt ist so wie sie ist, sie hat gute Seiten aber auch negative Seiten, sie ist aber auch kunterbunt.
Also weiter optimistisch denken.
Trotzdem macht das Leben Spaß. Ist einfach so. Man muss optimistisch bleiben. Ich sehe immer, wie ich schon sagte, wenn man sich das erste Mal begegnet, erstmal das Gute im Menschen. So hab ich das zumindest von meinen Eltern gelernt. (lacht) Das haben sie mir auf den Weg gegeben.
Nach dem Interview bedankt sich Thomas Godoj für das Gespräch und für die interessanten Fragen, die einen Bogen um sein Privatleben machen, was ihm sehr recht ist.
Wir bedanken uns ebenfalls!
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
Newsfeed von Daniel Gilic abonnieren