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Idealistische popkulturelle Kosmopoliten

2007-04-02 00:11:09

Sirupop haben soeben ihre „Double-A-Side“-Single „Feel It/ The Sun“ veröffentlicht. Gemeinsam mit ihrem (wahrscheinlich im April erscheinenden) Debütalbum wollen sie als „popkulturelle Kosmopoliten“ ihre Kunst in die weite Welt hinaustragen. FM5 traf Drummer Norbert Kroell und Sänger Helmut Maurer in ihrem Stamm-Café zum abendlichen Interview.

Sirupop haben soeben ihre „Double-A-Side“-Single „Feel It/ The Sun“ veröffentlicht. Gemeinsam mit ihrem (wahrscheinlich im April erscheinenden) Debütalbum wollen sie als „popkulturelle Kosmopoliten“ ihre Kunst in die weite Welt hinaustragen. FM5 traf Drummer Norbert Kroell und Sänger Helmut Maurer in ihrem Stamm-Café zum abendlichen Interview.


FM5: Im Frühjahr 2002 formiert, habt ihr als sozusagen „junge, aufstrebende Band“ bereits viel erlebt. Vor allem Eure bisherigen Auftrittsorte (die Bregenzer Festspiele, das Lustenauer Szene Open-Air, das Taubertal-Festival oder das Münchener Backstage) und jene Bands, für die ihr als Support fungiert habt bzw. noch werdet (HIM, The Cardigans, Wir sind Helden, Saybia, Madrugada, Eskobar, Feeder, Farin Urlaub, Seeed, Tocotronic, Readymade, etc.), sind erstaunlich. Wie waren für Euch selbst die letzten beiden Jahre?

Norbert Kroell: Wie waren die noch? Intensives Arbeiten, tagelang proben, proben, proben -  was geht!Sicher, wir haben viele Konzerte gespielt und eben einige Support-G‘schichten, die super waren. Das mit den Cardigans war am Taubertal-Festival 2003. Damals haben wir am Emergenza – Wettbewerb teilgenommen (ein europaweiter Wettbewerb), und da wurden wir von 4000 Bands Sechster...und eben am Taubertal-Festival in Deutschland vor 10.000 Leuten gespielt – das war halt ein Traum, ziemlich fett! Und wir waren im eigenen Proberaum: Demos aufnehmen, die eigenen EPs herausbringen, Portfolios und Kontakte knüpfen. Du kommst ja hinein in die Szene, lernst den kennen und den.

Helmut Maurer: Wir haben halt viel live gespielt, haben eine Kärnten-Tour gemacht.

Norbert: Wir haben in Gasthäusern gespielt, in kleinen „Rumsen“ und hatten deshalb auch viele „zache“ Konzerte & Rückschläge, z.B. nach dem Taubertal-Festival hatten wir eine Österreich-Tour, haben alles selbst organisiert, herumtelefoniert: dort haben wir oft net vor mehr als zehn Leuten gespielt; irgendwo in einem Kaff. Es hat uns noch keiner gekannt, und da kommen eben nur wenige Leut‘ . Wir haben trotzdem unser Programm heruntergespielt, als wären viele Leute da gewesen. Es ist uns auch nicht unbedingt darum gegangen, irgendeine dicke, fette Tour zu machen, sondern einfach nur „Vollgas“ live zu spielen. Das hat auch wunderbar funktioniert und dadurch haben wir die Routine bekommen. Wir fühlen uns jetzt viel sicherer!

FM5: Nachdem ihr beim letztjährigen „Ö3 Soundcheck Spezial Wettbewerb“ den zweiten Platz belegt habt, kam es zum Plattenvertrag bei EMI Austria. Eure Double-A-Side-Single „Feel It/ The Sun“ ist bereits am 31. Jänner in Österreich erscheinen. Wie sehen demnach Eure musikalischen Zukunftspläne aus? Wann ist mit einem Debütalbum zu rechnen?

Norbert: Wie unsere Zukunft ausschaut, ist ganz klar: Wir haben jetzt unsere Single rausgebracht, die eben unser ganzes musikalisches Spektrum umschreibt, von schnelleren Songs bis ganz langsamen, melancholischeren Songs; es ist eben alles dabei. Nun stehen halt die Album - Aufnahmen als nächster Punkt, und dann müssen wir natürlich das Album promoten.Wir können leider noch nix Fixes sagen - Es ist alles noch in Arbeit.

Helmut: ... und live spielen. Es gibt heuer eh ein paar Festivals mehr: es gibt das Nuke-Festival, das Nova Rock - schauen wir einmal, vielleicht kommen wir irgendwo unter... . 

Norbert: Wir wollen einfach (sicher auch die Single!), aber vor allem, daß das Album gut „fährt“. Es dauert eben, es kann nicht gleich von 0 auf 100 gehen - das ist klar!

Helmut: Erst wenn wir das Album wirklich in Händen haben, dann wissen wir, was wir erreicht haben. Und die Zeit danach wird zeigen, ob wir schnell aufsteigen oder nicht; ob wir bald im Ausland veröffentlichen oder nicht.

Norbert: Sicher, Zukunftspläne in weiterer Hinsicht ist das Ausland, weil wir doch recht internationale Popmusik machen . Wir haben Österreich gern‘ – das sieht man auch in unseren Videos, dass das immer wieder vorkommt. Wir hoffen halt, dass das Album ein guter Erfolg wird  und dann schauen wir weiter.

Helmut: Und was geht spielen ... live spielen ... ganz konzentriert!

FM5: Gibt es schon Konkretes zum Album selbst?

Norbert: Es werden wahrscheinlich elf Nummern oben sein.

Helmut: Der Titel ist noch nicht fixiert.

FM5: Was könnt ihr uns über die Band selbst sagen? Wie haben sich die einzelnen Mitglieder gefunden und wie kamt ihr zu Eurem Bandnamen?

Norbert: Wir haben uns zu viert (wir sind ja eigentlich zu fünft) in Kärnten kennengelernt ... 1997 als Schulband [Anmerkung der Redaktion: Sänger Helmut gibt dafür das Jahr 1996 an]...da war der Marc [Anmerkung der Redaktion: der Bassist der Band], der ja aus Vorarlberg stammt, noch net dabei ... den haben wir ja erst (nachdem wir alle nach Wien umgezogen sind) im Jahr 2002 kennengelernt ... also, mit dem Umzug nach Wien haben wir beschlossen: wir wollen das jetzt professionell machen, wir entscheiden uns für die Musik. Davor war es halt eine „Hobby-G’schicht“, eine Schulband-G’schicht: ein paar Freunde finden sich, machen Musik und haben eine Gaudi. Danach haben wir ein paar erfolgreiche G’schichten in Kärnten gemacht, aber es war halt alles in einem kleinen Rahmen. 

Norbert: Und der Name selbst: im Wort kommt ja Sirup vor, und das ist für uns eine Art Sinnbild für ein Konzentrat ... weil wir fünf, jeder hat seinen verschiedenen Einfluß: ganz egal, ob das nun von der Musik herkommt oder eben andere Einflüsse hat. Der eine ist eher naturbezogen, der eine ist eher technischer usw. usf. Die ganzen Sachen spiegeln oder manifestieren sich dann in unserem Schaffen ... der ganze Sirup, das Konzentrat kann, so denke ich mir, verdünnt werden, sozusagen - aber nicht zu stark! -, und dadurch kann es ausgebreitet werden auf eine breite Masse.

Helmut: Es ist halt ein lustiges Wortspiel - einzigartig und bei einem Brainstorming entstanden.

FM5: Wie war eigentlich die Zusammenarbeit mit „Beat 4 Feet“ [Anmerkung der Red.: Werner Stranka und Martin Gellner], einem – vor allem im Pop- und Dance-Bereich – seit den frühen 90er Jahren äußerst erfolgreichen österreichischen Produzententeam bzw. Mischa Janisch, welcher bei der Debüt-Scheibe von Die Falschen Freunde ja als Session-Schlagzeuger und Produzent fungierte?

Norbert: Also, eben beim Mischa im Sunshine Studio haben wir die Single, die jetzt draußen ist, aufgenommen. Es war ein cooles Recording!

Helmut: Zwei Tage lang...

Norbert: ... eben schnell aufgenommen, die ganze G’schicht. Und jetzt mit Beat 4 Feet gemischt, neu gemastert, überarbeitet und einige Teile neu aufgenommen. Beat 4 Feet ist ein Traum, genau das, was wir uns wünschen oder was wir erwarten von einem Produzenten: der uns eigentlich völlige Freiheit gibt und nur hie und da etwas sagt...

Helmut: ... der uns einfach unterstützt...

Norbert: ... ja, er steht daneben und sagt: „Macht da den Synth etwas leiser“... „Ok, paßt!“...und wir sagen dann ja oder nein. Er kümmert sich darum, daß unser Sound, unsere Band einfach perfekt auf CD gebannt wird - es ist einfach ein Traum!

Helmut: In diesem Studio von Beat 4 Feet ist da diese „Wohnzimmeratmosphäre“, diese nicht so klinische Atmosphäre, wie sie manchmal in anderen Studios zu finden ist ...dass man sich einfach ein paar Kerzen aufstellen kann...da kann man sich gut einsingen...es hebt sich einfach von anderen Studios ab. Ich hab‘ da auch für „The Sun“ ein paar Recordings gemacht, ein paar Spuren aufgenommen, und es war einfach ganz anders als in anderen Studios. Es hat gepasst!


FM5: Eure Double-A-Side-Single „Feel It“/ „The Sun“ zeigt Euch von zwei unterschiedlichen Seiten. Da ist die im besten Sinne des Wortes mitreißende Popnummer, dort die melancholisch-verhaltene Ballade, beide jeweils durchzogen von Rockgitarren. Sind dies die Pole, zwischen denen man die Musik von Sirupop orten bzw. ausloten kann??

Norbert: Genau! Der Sound vom Album liegt irgendwo in dieser Richtung, zwischen diesen beiden Songs. Wie Du bereits sagst: perfekt beschrieben! Es gibt langsamere Nummern, schnellere und auch härtere - ein guter Vorbote also für das Album Die Leute sagen uns immer wieder, dass wir (vor allem live) unseren eigenen Stil haben. Natürlich haben wir alle unsere verschiedenen Einflüsse [Anmerkung der Redaktion: Bands wie Travis, Vega 4, Keane, Saybia, skandinavische Bands im allgemeinen, aber auch Massive Attack, Portishead oder die 80er mit Michael Jackson werden angegeben], aber oftmals glauben Zuhörer auch Bands, die wir eigentlich nicht so hören, in unserer Musik zu erkennen.

Helmut: (lacht) ... meine Favourites kommen ja noch... .

FM5: Auf Eurer Single ist darüber hinaus auch jeweils die „Instrumental-Version“ der beiden A-Seiten-Songs zu finden. Normalerweise verbinde ich das Hinzufügen einer solchen eher mit Künstlern bzw. Gruppen aus dem Hip-Hop- oder Rap-Bereich. Wie kam es dazu??

Norbert: Es ist eben so: wir haben uns auch immer gedacht, es gibt meistens eine Single und ein paar Remixes. Nun, wie bringen ja noch ein, zwei Singles heraus: so ungefähr ein, zwei Wochen bevor die Platte erscheint, soll noch eine erscheinen, und da ist geplant, daß ein paar Remixes oben sein werden.

FM5: Remixes?? Von wem?

Norbert: ... es gibt noch nichts Konkretes und, ja, wir haben uns einfach gedacht: die Nummern haben ohne Hauptstimme (also: instrumental) so interessant geklungen - so schön arrangiert -, daß es einfach wert war, sie auf die Single drauf zu tun; z.B. wenn man sich „The Sun“ anhört, ist da einfach ein ganz anderes Feeling als mit Hauptstimme ... als wär’s ne eigene Nummer!! Wir haben sie einfach so interessant gefunden, daß wir gesagt haben: „Cool, paßt! Hauen wir die zwei Instrumentalnummern drauf. Das hat’s schon lang nimmer gegeben!“ ... die Nummern sind einfach schön anzuhören (auch instrumental), und deswegen sind sie oben.

FM5: Sowohl für „Feel It“ als auch für „The Sun“ wurden Videoclips gedreht. Inwiefern sind diese in einer Zeit, wo MTV oder VIVA vermehrt auf Reality-Formate und Shows setzen, als „Promotion-Vehikel“ noch relevant??

Helmut: Na, es gibt schon noch genug andere Fernsehsender weltweit! Musiksender neben MTV und VIVA . Es gibt eben allein‘ in Österreich noch GOTV, und die sind auch mit uns im engen Kontakt, und allein‘ deswegen schon wollten wir die Videos: weil GOTV auch schon so `ne „fette“ Reichweite hat, daß es etwas bringt. Und heutzutage braucht man halt ein Video. Allein‘ schon zum Vorstellen, wenn man in andere Länder kommt: die müssen sehen, wer du bist (schon visuell), wer die Band ist. Und dafür brauchst ein Video.

Norbert: Z.B. „The Sun“ haben wir selbst produziert: Unser Synthist, der Herwig, hat Regie geführt. Wir haben das auf Eigenhand durchgeführt, und wir finden, weil es eben in Österreich den genialen Musiksender GOTV gibt, allein‘ schon für diesen Sender. Hätte es diesen nicht gegeben, hätten wir es uns schon überlegt, so etwas zu machen. Aber, weil wir wußten, daß GOTV zwischen den Fronten liegt, würden wir dort gut hinpassen. Es hat einfach perfekt gepaßt: „The Sun“ haben wir damals bei GOTV vorgestellt, und die waren sofort total begeistert und haben dann auch den Connect zu EMI hergestellt. Da hat es einen ersten Kontakt gegeben und daher war es eine sehr gute Entscheidung, das Video zu drehen .... Das Video „Feel It“ ist von einem anderen Produktionsteam gedreht worden. Es war ein super Ding, ganz schnell durchgezogen ... wie gesagt, der Plan ist aufgegangen: beide Videos laufen auf GOTV ... nun werden wir weiter schauen, was passiert.

FM5: Aber auf der Single ist leider nur der Videoclip zu „The Sun“ zu finden. Wie ist dieser entstanden und was gibt es beim Clip zu „Feel It“ zu sehen?

Norbert: Es ist sich zeitlich nicht ausgegangen - wir haben das Master für die Single schon abgeben müssen...

Helmut: ... zu Weihnachten.

Norbert & Helmut: ... es war schon Ende Dezember und wir haben das Video zu „Feel It“ erst Anfang Jänner gedreht. Es sind beides [Anmerkung der Redaktion: „The Sun“ & „Feel It“] ein Performancevideo und es steckt eine Story dahinter - in drei verschiedenen Locations gedreht: es war in einer Kirche, dann in der Arena und in einem Theater...es ist auch schneller gegangen ... bei „Feel It“ war es uns wichtig, weil bei „The Sun“ schon die Performance da war, uns zwar schon mit den Instrumenten darzustellen, aber nicht unbedingt zu spielen. Die Story ist eben: wie entsteht der Song „Feel It“? Man sieht „Hele“ den Text schreiben, den „Roli“ die Melodie, die Akkorde und die Musik schreiben. Eben: Wie kommt es zu Sirupop, wie entsteht der Song? Eine Story, eine Beschreibung, wie das entsteht. Wir stellen uns sozusagen im Video vor.

Helmut: ... wir haben [Anmerkung der Redaktion: bei „The Sun“] einfach ein Superteam gehabt: alles Freunde, Low Budget. Sie haben für nichts (also gratis) gearbeitet, und es ist super geworden! Auf dem Album werden wir uns schon bei ihnen bedanken ... (lachen). Nein, wir haben uns schon bei allen bedankt, das ist eh klar, aber ohne dem geht’s nicht - vor allem in Österreich: da gibt’s keine Mittel, da brauchst einfach ein Team, das das gratis macht, das an dich glaubt...

Norbert: ... genau! Sie haben an uns geglaubt, und sie haben gesagt, es zahlt sich aus, etwas zu investieren: die Zeit und die Mühe und die Energie  - weil es eine gute Nummer ist! Und es ist etwas Perfektes daraus geworden.

FM5: In letzter Zeit zeichnet sich in der Musikindustrie ein neuer Trend ab: die vermehrte „Zweitverwertung“ aktueller Single- und Chartshits als Handy – Klingelton: ein lukratives Geschäft, sowohl für die Plattenfirma, als auch die Künstler. „Feel It“ und „The Sun“ sind ebenfalls als „Real Music Ringtone“ erhältlich. Was haltet ihr selbst von diesem Trend?? Und inwiefern ist diese - in meinen Augen - „De-gradierung“ eines Musikstückes, in dem die Kreativität und die oftmals harte Arbeit eines Künstlers/ einer ganzen Gruppe eingeflossen sind, mit dem auf Eurer Bandsite zu findenden Anspruch, als „popkulturelle Kosmopoliten“, ihre Kunst in die weite Welt hinaustragen zu wollen, vereinbar?

Norbert: Also, ich seh‘ das nicht unbedingt als Degradierung. Es gibt einfach Sachen, die entwickeln sich mit der Zeit: wie das mit dem Handy-Boom passiert ist, so passiert das jetzt mit den Klingeltönen. Und ich denk mir, wenn man sich dagegen wehrt, kann das zu nichts führen, weil für die Jugend, die jetzt heranwächst, ist das Handy wichtig. Das hat’s bei uns, wie wir damals angefangen haben, einfach noch net gegeben, ist aber jetzt Bestandteil unserer Kultur. Sie identifizieren sich damit, und ich finde nichts Schlechtes daran. Okay, es ist komprimiert, es ist schlechte Qualität, aber man kann sich dagegen nicht wehren und soll sich auch net wehren. Wenn die Jugend es verlangt, dann sollen sie es bekommen! Klar, haben wir es lieber, wenn die Leute unsere CDs, unser Album kaufen, aber es ist trotzdem ein Bestandteil dessen, was jetzt gerade passiert . Es bringt einfach nichts, sich dagegen zu wehren.

FM5: Und darin seht ihr keinen Widerspruch, als Künstler Musik verbreiten und in die Welt hinaustragen zu wollen, in dem Sinn, daß nur die Musik zählt und nicht der Klingelton oder ein Videoclip??

Norbert: Ich seh‘ das schon deswegen als keinen Widerspruch, denn es lädt nur einer den Klingelton runter, wenn er schon Fan ist d.h., wenn er die Single oder die CD schon hat. Es gibt - glaub‘ ich - nur sehr, sehr wenige, die von einem Künstler den Klingelton runterladen, wenn sie nicht schon etwas von der Band haben. So sehe ich das nur als zusätzliches Zuckerl...

Helmut: ... als „Schmankerl“.

Norbert: Ich hab‘ die CD schon zuhause, horch mir die Band an, dann ruft mich ein Freund an und da klingelt die Band dazu. Keine Band, keine einzige auf der Welt ist durch Klingeltöne groß geworden! Sie sind groß geworden, und dann hat’s halt Klingeltöne davon gegeben. Es ist einfach ein zusätzliches Angebot, das da ist, aber ich seh' darin keine Degradierung.

Helmut: Die Plattenfirma will das auch so. Aber wir kriegen schon unseren Anteil, wie von den verkauften Singles. Klar, es ist unser Produkt, und wenn wir wollen, können wir es uns vorher schon anhören. Wir könnten sicher sagen: „Es ist Oberscheiße“, und dann würden sie es vielleicht nochmals überarbeiten, oder so. Aber, man kann eh nichts falsch machen, wenn die Melodie steht.

FM5: Und darauf verzichten?

Norbert: Das hätten wir machen können. Es ist ja so: die Plattenfirmen haben in den letzten Jahren – jetzt ist es eh schon wieder besser – deswegen einen Verlust gemacht, weil sie nicht akzeptieren wollten, daß man z.B. MP3s verkaufen und davon leben kann.

Helmut: Das haben sie einfach verschlafen... .

Norbert: Z.B. „i Tunes“, was Apple gemacht hat, haben die fetteste Database von allen Künstlern weltweit, und die haben sofort erkannt: „Okay, die Leute verlangen im Moment danach.“ Es ist zwar net die perfekte Qualität, aber es geht anscheinend vielen Leuten heutzutage nicht mehr um die Qualität. Das ist schade, aber es ist nun mal so. Die Plattenfirmen haben sich damals dagegen gewehrt und sind damit eing’fahren. Und nun ist es dasselbe: man wehrt sich gegen die Klingeltöne und früher oder später fährt man damit ein. Die jungen Leute verlangen das, wollen das haben.

Helmut: Wenn es natürlich Künstler gibt, die das ablehnen, respektieren wir das natürlich auch! Bei uns ist das halt eben nicht so der Fall. Wir gehen wirklich auch als Band den breiteren Weg, und alles, was uns unterstützen kann oder den Leuten gefällt, was mit uns in Verbindung steht, dann sollen sie es auch kriegen. Aber ich verstehe auch Künstler, die sagen: „Ich will keine Ringtones, ich will nur meine wahre Musik.“ Das muss man respektieren. Es bringt einfach nichts - genauso wie auch MP3s oder, dass Leute bei Festivals ihre Handys hochhalten - es zu verteufeln!

Norbert & Helmut: So etwas ist ja auch Werbung für eine Band und vielleicht kauft jemand, der einen Song von dir downgeloaded hat, dann die ganze Platte oder findet zu Bands, die man sonst nicht entdecken würde.

Norbert: Es gibt ja auch so legale G’schichten wie „i Tunes“ oder „mycokemusic.at“, wo man unsere Songs schon runterladen kann: dort zahlst du für jeden Song, den du downloadest, und natürlich hat das jeder so lieber. Dort läuft es so, wie es richtig ablaufen sollte: Wir kriegen auch unseren Prozentanteil, der uns zusteht. Wir haben jahrelang dafür geprobt, so viel Liebe und Energie dafür investiert, das muss einfach irgendwie honoriert werden. Wir müssen einfach von unserer Musik leben können.

Helmut: Wenn ich mir die Single net kaufen will, so ist das einfach der beste Weg.

FM5: Während Euer Song „Feel It“ bereits in den Ö3-Hörercharts eingestiegen ist, kann man sich „The Sun“ auf FM4 wünschen. Darüber hinaus geht ihr im Rahmen der „Ö3 Soundcheck Spezial Tour 2005“ mit vier weiteren Bands [Anmerkung der Red.: Shiver, Smitten, Tres Monos, Aschenputtel] auf Club Tour quer durch Österreich - präsentiert von mycokemusic.at. Auf der einen Seite der Versuch, die FM4-Hörer zu erreichen, die zumeist mit der auf Ö3 gebotenen Musik nur wenig anfangen können, auf der anderen Seite Euer Einstieg in den Ö3-Charts. Auf der einen Seite „Ö3-nahe“ Bands wie Shiver oder Smitten, auf der anderen Tres Monos, die auf FM4 zu hören sind. Spielen für Euch  herkömmliche Musikgenre oder eine bestimmte Hörerschaft gar keine Rolle? Wollt ihr gar über solch ein „Schubladen-Denken“ hinausgehen und somit eine noch größere Anzahl an Menschen erreichen?

Helmut: Ja, das war natürlich unser Ziel.

Norbert: Ö3 hat sich natürlich „Feel It“ ausgesucht; sie haben sich das frei auswählen können.

Helmut:  Uns hilft’s natürlich, wenn wir in die Charts hineinkommen, um österreichweit bekannt zu werden.

Norbert: Aber uns ist es mindestens genauso wichtig, dass z.B. auch „The Sun“ auf anderen Radiostationen g’spielt wird oder, daß wir im Flex, in der Arena oder der Szene weiter spielen können, und das war schon ein Hintergedanke von der CD. Wie gesagt, wir sind von unserem Spektrum her sehr weit gefächert, spielen vor Feeder und Saybia, eben im Flex, in der Arena. Wir hoffen halt (das war auch die Intention unserer Doppel-A-Seiten-Single!), weil „The Sun“ eben auch eine etwas alternativere Nummer ist, dass sie auch bei den alternativen Radiostationen Anklang findet.

Helmut: Es ist halt schwer, weil Ö3 auch bei gewissen Radiosendern abschreckt, aber da haben wir jetzt nichts mehr mitzureden: entweder es läuft oder es läuft nicht!

Norbert: Wir hoffen einfach, daß wenn die Leute finden, die Musik ist gut, dann spielen sie das Lied einfach. Wenn sie sagen, „‘The Sun‘ ist super“, dann sollen sie „The Sun“ spielen, wenn sie sagen „‘Feel It‘ ist super“, sollen sie „Feel It“ spielen! Einfach nur erkennen: mir gefällt die Musik. Nicht Angst haben, nur weil „Feel It“ auf Ö3 läuft und trotzdem „The Sun“ auch auf FM4 laufen kann! Wir finden einfach, daß die Musik wichtig ist, der Song selbst. Wir denken nicht in Genres, wir denken nicht: „Wir wollen in die Richtung, wir wollen in die andere Richtung“. Wir wollen einfach Musik machen und hoffen, Anklang zu finden - Schubladen-Denken aufbrechen! Wir wollen einfach: Ihr horcht Euch die Nummer an, g’fällt sie Euch, dann kaufts bitte die CD, unterstützt uns, geht auf Konzerte; g’fällt sie Euch nicht, dann braucht ihr sie nicht zu hören; das ist eh klar! Aber bitte net sagen oder denken: „Die gehen in die Richtung und deswegen brauch ich sie nicht zu hören“! Einfach nur: zulassen, zuhören und genießen!

FM5: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die weitere Zukunft von Sirupop!

Sirupop Live:

18.02.'05 - Avalon/Krems
08.03.'05 - Arena/Wien (Support von "Feeder")

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.

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