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Ich weiß, was du letzten Sommer gesucht hast

2008-01-10 10:33:49

Wenn wir im Internet was suchen, dann mit Google. Dabei verraten wir allerdings mehr über uns als uns lieb sein kann. Ein Weckruf, Teil1.

Seit geraumer Zeit ist Google auf gutem Weg, Microsoft als wichtigstes IT-Unternehmen abzulösen. Am Saubermann-Image hat diese Tatsache bislang nicht gekratzt. Das Motto des größten Suchmaschienbetreibers: Don’t be evil. Das Motto der Benutzer und der Öffentlichkeit: See no evil, hear no evil. Bis jetzt. Denn seit geraumer Zeit wächst die Kritik an dem amerikanischen Unternehmen und die Öffentlichkeit wird auf die problematische Machtkonzentration aufmerksam.

Unmengen an Informationen

Unsere Infromationsgesellschaft lebt von – Überraschung – Information. Keiner hat mehr davon als Google. Die Dienste, die Google anbietet oder aufkauft, werden jährlich mehr. Der einstige Suchmaschinenbetreiber verwaltet unsere E-Mails, unsere Dokumente und kennt unsere Interessen wie niemand sonst. Denn was wir suchen, suchen wir mit Google. Zusammengefasst liefern die Suchinteressen der Menschen ein ziemlich genaues Bild vom akutellen Zeitgeist. Google Zeitgeist heißt demnach auch die monatliche Zusammenfassung der meistgesuchten Begriffe.

Was passiert beim Googeln?

Alles harmlos? Leider nicht. Konzentrieren wir uns auf das Herz von Google: die Suchmaschine. Vorsicht, jetzt wird’s technisch. Denn was passiert beim Googeln im Hintergrund? Google speichert meine Suchanfrage mit meiner IP-Adresse. Die IP-Adresse kann sich allerdings ändern und damit lassen sich meine Suchanfragen nicht eindeutig mir als einer einzigen Person zuordnen. Gäbe es nicht das Google-Cookie.

Ein Keks für den Browser

Cookies sind eigentlich harmlose Textdateien, die dafür sorgen, dass sich mein Internet-Browser meine persönlichen Einstellungen für bestimmte Seiten merkt. Eigentlich praktisch. Unnötigerweise enthält der Keks, den Google meinem Browser anbietet, mehr: eine eindeutige Kennzahl. Wenn ich Google das erste Mal benutze, schreibt es den Cookie mit der eindeutigen Kennzahl auf meinen Computer. Ich suche nach „fm5“, Google speichert diese Anfrage mit meiner Kennzahl. Eine Woche später suche ich „nolabel“, Google merkt sich diese Anfrage ebenfalls mit meiner ID. Wie? Die Seite liest einfach meine individuelle Kennzahl aus der Cookie-Datei, die auf meinem PC gespeichert ist. Nach einiger Zeit hat das Unternehmen eine ansehnliche Liste aller meiner Suchanfragen, die mittels Kennzahl eindeutig einer einzigen Person zugeordnet werden können.

Von der Kennzahl zur Person

Kein Grund zu Panik. Welche reale Person hinter den Suchanfragen einer gewissen Kennzahl steht, lässt sich daraus nicht erschließen. Die Kennzahl ist lediglich eine willkürliche Zeichenfolge um mich zwar eindeutig, aber nicht persönlich zu identifizieren. Trotzdem ist der Informationsgewinn enorm. Und wer hat noch nie nach seinem Namen, seinem Geburtsdatum oder sonstigen persönlichen Informationen gegoogelt? Damit lässt sich dann eventuell die wirkliche Person mit der Kennzahl verbinden.

In der Praxis

Klingt kompliziert, deshalb ein Beispiel. Zum Beispiel AOL. AOL ist eine in Amerika sehr populäre Suchmaschine. Im August gab die Firma 20 Millionen Suchanfragen von 300 000 BenutzerInnen zu „Forschungszwecken“ im Internet frei. Diese Datenbank lässt sich unter http://www.aolsearchdatabase.com noch immer durchsuchen. Schauen wir einmal ob jemand nach „fm5“ gesucht hat. Ja, eine Person mit der Kennzahl (User ID) 1854935 am 28.03.06 um 17:26:35. Klicken wir auf die Kennzahl sehen wir alle Anfragen dieser Person. Hat die Person einmal nach ihrem Namen gesucht, könnten wir alle ihre Anfragen mit ihr in Verbindung bringen.

Datenschutz?


Zugegeben: Solche Daten der Suchmaschinenbetreiber gelangen eher selten an die Öffentlichkeit. AOL nahm die Aktion nach heftiger Kritik zurück. Den Suchmaschinen-Firmen selber stehen diese Daten aber selbstverständlich zur Verfügung. Was sie damit machen, bleibt weitgehend ihnen überlassen, die Datenschutz-Richtlinien sind meist sehr lax. Ob sie interne Statistiken und Analysen durchführen oder die Daten an andere Firmen verkaufen, darüber können wir nur spekulieren.

Fazit


Selbst wenn man den technischen Hintergrund nicht ganz versteht, eines ist klar: diese Riesenanhäufung an Information sowie ihre Verknüpfung ist brandgefährlich und ein großer, wenn auch kaum bemerkter Eingriff in unsere Privatssphäre. Wofür wir uns interessieren, wonach wir suchen ist unsere Privatangelegenheit. Google – und die meisten anderen Suchmaschinen sind da nicht besser – hat diese Grenze überschritten.

Sich dagegen zu wehren ist im konkreten Fall einfach. Eine genaue Anleitung findet ihr nächstes Monat im Fortsetzungsartikel.

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AutorInnen

Martin Bartenberger

Martin Bartenberger

Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.

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