2007-10-17 20:00:58
Wenn der Warenwert nicht genug ist und es für den bloßen Konsum schon lange nicht mehr reicht: Der Journalist Robert Misik klärt in seinem neuen „Kult-Buch“ auf.
Schön langsam hat es sich im Zuge der arg in Verruf stehenden Globalisierung wohl herumgesprochen: Wenn der Mensch eine Ware erwirbt, dann nicht mehr aus reinen (Über-)Lebensgründen, sondern eben auch der Hippness wegen. Am besten lässt sich das am Beispiel des überhaupt bei Teenagern zurzeit hoch im Kurs stehenden MP3-Players IPod der Marke Apple erklären: Beim Kauf solch eines Gadgets erwirbt man zwar in erster Linie natürlich ein gut ausgestattetes Musik-Abspielgerät, keine Frage. Aber wie selbstverständlich bekommt der Konsument auch gleich einen Coolnessfaktor hoch zehn mitgeliefert – das mag unbewusst sein, sehr häufig wird dieses Gerät jedoch wegen des im Vordergrund stehenden, hohen Prestigewertes zugelegt. Oder schon mal ernsthaft daran gezweifelt, ob jetzt der MP3-Player der Firma XY um vieles uncooler als sein zuvor erwähntes Gegenmodell ist? Ja? Gut, daran zweifelnde Konsumenten sollten sich dann wohl Robert Misiks' neues Kult-Buch, mit dem schicken Untertitel Glanz und Elend der Kommerzkultur, aneignen. Aber Achtung: Auch hier wird vor allem ein "Erlebnis" und dann erst ein "Gebrauchsgegenstand", so zumindest Misik, erworben. Oder ist es ausgerechnet hier nicht der Fall?
Konsum ist geil!
Misik, seines Zeichens ständiger Journalist von Profil, Falter, Standard und taz sowie Autor mehrerer Bücher (Genial dagegen), will mit seinem neuen, im Berliner Aufbau Verlag erschienenen Werk unter die glatten Oberflächen des (globalen) Shoppings blicken und nimmt sich darin unter anderem der Frage, inwiefern nicht nur eine "Ökonomisierung der Kultur", sondern vor allem eine "Totalkulturalisierung der Ökonomie" stattfindet, an. Er betrachtet also den "Kulturkapitalismus" (Jeremy Rifkin) mit der Lupe und erarbeitet so dem Leser einige tatsächlich hochinteressante Punkte, die der Konsument so gar nicht bewusst wahrnimmt; oder nicht wahrhaben will, je nachdem. Punkt eins: "Dabei ist der Konsumismus nicht nur die wohl bedeutendste Kraft, die unsere Lebensumwelt – etwa das Aussehen unserer Städte, der Vorstädte – formt, sondern auch ganz entscheidend unsere innere Lebenswelt." Punkt zwei: "So wie die Wirtschaftswelt als Ganzes künstlerischer wird, so wird die Kunstwelt ökonomischer." Punkt drei: "Fremde Nationen, die man früher noch als Bedrohung empfunden oder als exotischen Reiz gesehen hatte, geraten heute zu Erlebnisangeboten, die man konsumieren kann." Alles durchaus rational und plausibel klingende Sentenzen, jedoch denkt vielleicht einer von zehn Käufern an diese Tatsachen, während er im Supermarkt seines Vertrauens zwischen griechischem Joghurt und türkischen Feigen wählt. Die (drohende) Quintessenz davon, laut Misik: "Der Konsumkapitalismus verändert die Welt und die erste Notwendigkeit besteht darin, diese Veränderung zu verstehen." Schöne, neue Welt!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren