2007-04-02 00:12:38
Statisten sollen ja die wahren Stars sein... Habe ich schon öfters gehört. Dass man als Statist wahrhaftig kein Star ist - zumindest beim österreichischen Film -, habe ich erlebt.
Einen ganzen Monat nichts zu tun, das Wetter entspricht nicht der Jahreszeit und das Geld für den Urlaub hat man auch noch nicht vollständig verdient. Genauso ging es mir im August dieses Jahr. Eine wunderbare Sizilienreise erwartete mich, aber nur von selbst gekochten Spaghetti wollte ich mich auch nicht ernähren. Also beschloss ich Statist zu werden.
Der Kampf mit der Tunika
Komparserie verspricht weder das große Geld noch andere Großartigkeiten. Trotzdem klang die Idee nett: Drei Miniauftritte bei einem Kostümfilm zu haben. Besonders lustig erschien mir der Gedanke, dass ein Film, der in den 1970er Jahren spielt, bereits als Kostümfilm gilt. Zu einem Kostümfilm gehört eine Kostümprobe, die natürlich extra bezahlt wird. Weniger lustig war dann die Dame, die mich ankleiden sollte. Mit leichtem russischen Akzent war jeder dritte Satz, den ich zu hören bekam: „Damit sehen sie schön schlank aus“. Warum ich in einer weißen Bügelfaltenhose, einer Tunika, die mir die Luft zum Atmen nahm und einem Discometallicgürtel „schön schlank“ aussah, ist mir heute noch ein Rätsel, aber so sei es.
Drehbeginn ungewiss
Der Dreh versprach ein Nachtdreh zu werden. Eigentlich ganz cool, könnte man denken. Lange ausschlafen (wir haben ja Ferien), den ganzen Tag Zeit, um Dinge zu erledigen und abends um sechs Uhr bei der Anprobe erscheinen. Ging alles ganz schnell. Geschminkt und toupiert wurde in Windeseile und bald waren über 60 Leute ausgehfertig. Der Bus erschien und brachte uns zum Drehort. Soweit so gut.
Hektik und Stress erwarteten uns - nur, dass nicht wir gestresst waren, sondern die Filmcrew. Somit konnte das Warten beginnen. Und es war kein schönes Warten. Ein Warten auf Godot frei nach Beckett wäre ein schöneres Warten als dieses auf eine paar Minuten Ruhm in einer österreichischen Produktion. Vielleicht wäre es auch gar nicht so tragisch gewesen zu warten, Sitzgelegenheiten wurden geboten, die Leute waren nett, doch ohne Essen fehlt es einem dann doch an Euphorie. Ich persönlich verstehe unter einem Abendessen ein wenig mehr als Maiskolben und Kaffee. ..
Doch dann wurden wir ausgewählt und durften den Schritt vor die Kamera wagen.
Starallüren adè
Irgendwann hat jedes Warten ein Ende. Auch Godot sollte irgendwann einmal aufgetaucht sein und wenn nicht, so werden sich Vladimir und Estragon jemand anderen zum Warten gesucht haben, der dann hoffentlich aufgetaucht ist.
Die Regieassistenz sucht vier Leute und wir waren unter den Auserwählten. Beim Betreten des Raumes fühlt man sich wie einer - aus den fernen Weiten Hollywoods - doch dieses Gefühl verblasst schneller, als gewünscht. Der zugewiesene Platz verspricht nicht mehr als die wunderbar drückenden Schuhe im Fernsehen sehen zu können. Einziger Wermutstropfen ist neben dem Johannisbeersaft, der als Weinersatz dient, die Tatsache, mit der Creme de la Creme des österreichischen Films in einem Raum stehen zu dürfen. Leider fühlte ich mich ständig von einer gewissen Schauspielerin böse angeschaut. Das mag Einbildung sein oder an meinen sarkastischen Kommentaren liegen. Hierbei möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass es sich um puren Sarkasmus und keinesfalls um Beschimpfungen handelte.
Noch eine Einstellung….
…..Worte, die wie Balsam auf der müden Seele klingen. Das Problem war nur, dass es diese letzte Einstellung nie geben würde, dachte ich. Auf die letzte Einstellung folgte noch eine, dann eine Pause, dann eine Kranfahrt. Um halb vier Uhr früh war es dann endlich zu Ende.
Ich glaube, ich habe es geschafft ganz ins Bild zu kommen (bei der Kranfahrt!) und nicht nur mit den Schuhen. Also wer glaubt meinen Scheitel erkennen zu können: am Nationalfeiertag 2007 ORF einschalten.
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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