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musik

Hort der Brunft

2008-05-26 15:01:32

  • live lake Bunny
  • mit Florian Horwath Taube
  • The Plakat Teenagers

Festival mit Maß und Ziel: Das Seewiesenfest im oberösterreichischen Kleinreifling geht in die 15. Runde. Zu Wort und Ton werden dabei unter anderem Soap&Skin, Gustav und die Teenagers kommen.

Auch das ist Österreich. Während man als an effektiver - will hier heißen: funky - Musik-Interessierter in Ländern wie Frankreich, Spanien oder auch Deutschland nicht zu kurz kommt, steht man hierzulande wie ein düpierter Heini der Marke Konsument 2.0 da – und fragt sich einmal mehr, welche unglaublichen Blödheiten den Veranstaltern diverser Festivals heuer wieder in den Kopf schießen werden. Doch, Frikulum sei Dank, es existiert seit genau 15 Jahren eine angenehme Ausnahmeveranstaltung irgendwo im Drei-Bundesländer-Eck: Das Seewiesenfest im oberösterreichischen Kleinreifling.

Denn hier wird Qualität groß geschrieben, hier steht das Aufsaugen sinnmachender Pop-Musik im Vordergrund, hier herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Alles andere ist primär. So beweist dieses kleine, aber feine Pop-Spektakel seit 15 Jahren, dass es auch den „anderen“ Weg gibt, den der in Richtung musikalischer Horizonterweiterung weist und dabei nicht auf wesentliche Faktoren wie Herzensbildung, Emo-Trash und Ironie verzichten kann und will.

Außergewöhnliches Aushängeschild

Ein Blick auf das Programm widerlegt diese Annahme nicht im Geringsten. Hat man es heuer doch mit außergewöhnlichen nationalen wie internationalen Künstlern zu tun, deren musikalische Aussage in jeder Art und Weise genial ist. Da wäre zum Beispiel die bezaubernde Mrs. Gustav alias Eva Jantschitsch, die bereits mit ihrem ersten tonalen Manifest, Rettet die Wale, geschickt Ironie mit politischem Aussagedrang verbinden zu wusste. Soap & Skin geht es, wenngleich mit demselben Potenzial, ein wenig anders an: Sie kümmert sich hauptsächlich um die emotionaleren Gefilde und klammert den Spaßfaktor eigenwillig aus – nicht zum Nachteil des Publikums, das bisweilen in kirchenähnlicher Verfassung vor dem mächtigen Flügel Platz nimmt und sich in urchristliche Gefühlsstadien (Trauer, Leid und Schmerz) flüchtet. Nur um am Ende immerhin zu wissen: Es wird gut. Oder zumindest besser. Aber hey: Tränen sind sexy!

Electroclash meets Heurigen


Sonst noch dabei und auch nicht von schlechten Eltern: Der charmante Tiroler Singer-Songwriter Florian Horwath, der mit elegischen, aber zugleich hoffnungsvollen Gesängen und Klängen die Gunst verdient hat. Wobei Bunny Lake, bestehend aus dem „Post-Industrial-Casanova“ (New York Time Out-Magazine) Christian Fuchs, Suzy on the Rocks und Dr. Nachtstrom, während ihrem Auftritt definitiv ungleich mehr Schweiß von sich geben werden, handelt es sich hierbei ja um eine ekstatisch exzessvolle Ménage à trois, die sich irgendwo zwischen postmodernem Hedonismuswahn und alkoholischem Ausdruckstanz das Leben zur Party macht. Wenn es schon ein Morgen geben muss, dann bitte nicht heute! Und übrigens: Schunkeln erlaubt! Was bei dieser stilvollen Electroclash-Truppe nicht schwer fällt.

Dem radikalen Verlust diverser Körperflüssigkeiten einerseits sowie der gleichzeitigen Konsumation lustiger Getränke und gesundheitsschädigender Vitaminstangen (Achtung, Impotenz!) ebenfalls nicht abgeneigt ist die, sich Lieder von bekannten Größen wie Bright Eyes, Nine Inch Nails und Pete Doherty („Gfickt fia imma!“) unter den Nagel reißende Truppe Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune; aber im Ernst: wenn sich eine Partie aus vier gepflogenen Saubarteln, die sich tagtäglich mit nihilistischen Pop-Gütern beschäftigen, zusammentut, kann wenig bis gar nichts schief gehen. Besungen werden eben die üblichen unüblichen Dinge des Lebens, unseres Lebens, die sich thematisch schlussendlich beim Heurigen niederlassen. Uns bleibt ja nichts erspart. Merke: Kulturbeutel mit Kondom.

Sex macht schön!


Zu guter Letzt – um den unsittlichen Begriff Headliner gekonnt zu umgehen - , wenn also die maximale Feierlaune erreicht ist, wird die Pariser Formation The Teenagers, denen ein gewisser Sexualtrieb der schweinischeren Sorte unterstellt werden darf, der sich textlich entsprechend ausdrückt, wie der Song Homecoming auf ihrem Debütalbum Reality Check zum Beispiel: „…I fucked her, it was wild, she is such a slut…“ heimischen Nachwuchs-Hobbygangstern das Fürchten (oder doch das Ficken?) lehren. Wie auch immer, diese testosterongesteuerten Bengel machen alles richtig: Sie schreiben Nummern, zu denen man herrlich unverblümt das Tanzbein schwingen kann, besitzen aber – Isch bin aus Frankreisch! – ganz nebenbei auch noch die Güte, tiefgehende Balladen abzusondern. Klug und frivol zugleich – wann gab es das zuletzt?! Pariser dürfen eben auf keinem Festival fehlen. Hervorzuheben ist außerdem der Poetry Slam-Contest, der in den Umbaupausen stattfinden wird. Fein! Auch das ist Österreich.



Nähere Informationen sind der unten angegebenen Homepage zu entnehmen.

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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