2007-04-02 00:13:29
Es war einmal... ein Land, in dem die führenden Filmprodukte der Welt hergestellt wurden. Die Namen der Regisseure waren Murnau, Lang und Co. Jetzt will eine neue Generation von deutschen Regisseuren in Hollywood ihr Können beweisen.
Als Anfang der 1920er-Jahre die Produktion von Filmen noch nicht allzu teuer war, konnten Regisseure wie F.W. Murnau, Fritz Lang, Michael Kertész oder Ernst Lubitsch große Blockbuster in Szene setzen und begeisterten Kritiker und Publikum. Heute noch ist der Ruhm von Filmen wie „Nosferatu“ oder „M“ nicht vergangen. Doch wie auch heute noch, folgten die Filmemacher irgendwann – auch aus politischen Gründen – dem Ruf des Geldes, welches nach Hollywood lockte. Michael Kertész zum Beispiel inszenierte unter dem Namen Michael Curtiz mit „Casablanca“ einen der wohl bekanntesten Filme aller Zeiten.
Status quo?
Doch lang lang ist es her. Erst Mitte der neunziger Jahre war es den beiden Regisseuren Roland Emmerich und Wolfgang Petersen vergönnt, mit ihren zum Teil recht eindimensionalen Filmen wie „Universal Soldier“, „Stargate“ oder „In the Line of Fire“ internationale Beachtung zu finden. Es ist also kein Wunder, wenn Deutschland sich auf die kommerziellen Erfolge dieser beiden Männer stützt um seinen noch immer vorhandenen Weltruhm zu preisen. Dabei befindet sich der deutsche Film im Allgemeinen in einer kommerziellen Krise, was den internationalen Markt betriff. Einzelerfolge wie „Der Untergang“ oder „Sophie Scholl“ können darüber nicht hinwegtäuschen.
Dennoch reißen sich die Studiobosse in den USA um die junge Garde des Deutschen Films. Gerade in diesem Sommer war es Robert Schwentke, der mit dem Jodie Foster-Thriller „Flight Plan“ auf sich aufmerksam machte. Den Ausschlag für sein Übersee-Engagement gaben ausgerechnet die wenig erfolgreichen Werke „Tattoo“ und „Eierdiebe“.
Aus Flop mach Top
Beinahe denselben Karriere-Weg kann Mennan Yappo vorweisen. Sein Thriller „Lautlos“ – quasi ein „Léon – Der Profi“ für Deutschland – war zwar alles andere als erfolgreich, dennoch wurden die Remake-Rechte bereits nach Hollywood verkauft und Yappo wird im nächsten Jahr mit Sandra Bullock und „Nip/Tuck“-Star Julian McMahon die Komödie „Premonition“ abdrehen. Im selben Moment arbeitet „Der Untergang“-Regisseur Oliver Hirschbiegel gemeinsam mit Nicole Kidman und dem neuen James Bond Daniel Craig an einem Remake von „Body Snatchers“.
Doch auch die führenden Damen des Deutschen Films, lassen sich gerne auf Arbeiten in den USA ein. Oscar-Preisträgerin Caroline Link („Nirgendwo in Afrika“) wird den Roman „Aftermath“ von Scott Campell adaptieren, während „Bandits“-Regisseurin Katja von Garnier gerade die Werwolf-Romanze „Blood and Chocolate“ dreht.
Ach ja und der zuvor erwähnte Robert Schwentke hat bereits einen neuen Action-Thriller in Planung: „Runaway Train“.
Eigene Wege – abseits der gängigen Pfade
Die größte Beachtung findet im Moment dennoch der eigenwillige Tom Tykwer („Lola rennt“). Während er mit seinem philosophischen Thriller „Heaven“ bereits internationale Erfahrung sammeln konnte, wird ihn seine Adaption des Patrick Süskind-Romans „Das Parfüm“ wohl endgültig weltweit bekannt machen.
Diese Aufzählung wäre an und für sich nichts sonderlich Aufregendes, wenn auch andere Länder ihre Regisseure in großem Ausmaß nach Hollywood schicken würden. Doch während britische Filmemacher schon alleine aufgrund derselben Sprache dies ohnehin beinahe traditionell machen, hat sich der Strom aus anderen Ländern verringert. Weder Film-Traditionalisten wie Frankreich, Spanien oder Italien noch Kreative aus Asien oder Südamerika, reißen sich um die Arbeit im Studiosystem. Nach den ernüchternden Erfahrungen die Luc Besson oder John Woo dort machten, scheint dies kein Wunder zu sein.
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert...
Doch während die meisten Filmemacher resigniert wieder in ihre Heimat zurückkehren, bleiben vor allem deutsche Exponenten auffällig lange in den USA, auch wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellen will. Da mögen Emmerich und Petersen als Ausnahme der Regel erscheinen.
Filmemacher, die sich einstweilen ihre eigene Nische mit qualitativ schlechten Filmen erarbeitet haben, finden sich ebenfalls. So werkt der einstige Fassbinder-Kollege Ulli Lommel seit den achtziger Jahren an billigen Horrorfilmen wie „BrainWaves“ und konnte sich mit seinem letzten deutschsprachigen Werk „Daniel – Der Zauberer“ auch in seiner Heimat wieder als Regisseur in Erinnerung zurück rufen. Inwiefern das Urteil über seine Werke jedoch positiv ausfällt, sei in Frage gestellt. Mit seinen neuesten Filmen wie „Zombie Nation“ oder „Zodiac Killer“ scheint er hauptsächlich für seine Miete zu arbeiten.
Einheimische Konkurrenz erwächst ihm jedoch in Gestalt von Uwe Boll. In den USA hat dieser mittlerweile den Ruf, der schlechteste Regisseur aller Zeiten zu sein und versucht dies offenbar mit Horror- und Science-Fiction-Filmen aus der C-Kategorie – „House of the Dead“, „Alone in the Dark“, „BloodRayne“ – zu bestätigen. Die künstlerische Schmerzgrenze bei diesen beiden Herren scheint demnach schon lange überschritten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Herren Schwentke, Yappo und die Damen Link und von Garnier auf das Abenteuer Hollywood einlassen.
Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.
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