2007-04-02 00:11:23
Mit dem von DFA Records zusammengestellten „Holiday Mix“ wird die Party in die eigenen vier Wände geholt.
Für alle, denen Musik im Sinne von Partysause nicht komplett egal ist, sind die nun folgenden drei Buchstaben DFA mit Sicherheit nicht bloß irgendeine Aneinanderreihung von Vokalen und Konsonanten. Einige verbinden damit vielleicht den Besuch einer Disco oder eines Plattenladens, andere wiederum – nämlich DJs – verdienen mit den Produkten von DFA ihr tägliches Brot.
DFA – in voller Länge Death From Above – ist ein amerikanisches Label, welches von James Murphy und Tim Goldworth betrieben wird. Seit dem rund fünfjährigen Bestehen ihres Labels können die beiden auf ein beachtliches Sammelsurium an Veröffentlichungen verweisen.
Manche sagen ihnen bereits puren Veröffentlichungswahn nach. Damit liegen sie gar nicht einmal so falsch, denn beinahe monatlich erreichen uns Platten – vor allem in Form von Remixen –, die zuvor in der fettigen Soundfriteuse herausgebrutzelt wurden. Zu den hauseigenen Bands zählen unter anderem The Rapture, Black Dice oder das von Murphy selbst betriebene LCD Soundsystem.

Die Gefahren des Scheiterns
Im Allgemeinen besteht bei Remixen die große Chance des Scheiterns, denn oftmals wird ein im Originalzustand durchwegs hörbarer Song mittels Einwirkung eines außenstehenden Musikers/Produzenten so stark verschmutzt, dass sich die Qualität drastisch verschlechtert. Widmen sich die beiden Zampanos und Labelbetreiber von DFA – James Murphy und Tim Goldsworthy – einem Song, haltet sich dieses Risiko jedoch in Grenzen. Sie versuchen den einzelnen Spuren des vom jeweiligen Künstler mühevoll arrangierten Ganzen ihren typischen DFA-Sound zu verpassen. Dabei kann das Endresultat schon mal ordentlich von der ursprünglichen Produktion abweichen, denn die einzelnen Teile werden bis ins Detail zerlegt, neu verortet, gesampelt und am Ende wieder völlig neu zusammengekleistert. Daraus entstehen zumeist eigenständige Partykracher, welche die Originale oftmals sehr schlecht aussehen lassen.
Der nun vorliegende, neun Songs umfassende „Holiday Mix“ vereinigt vier von sechs bei DFA Records unter Vertrag stehenden Bands. Hier wird Holiday aber nicht im Sinne von Erholung, sondern von durchgetanzten Nächten und völlig verkaterten Tagen verwendet. Vor allem bei der Zusammenstellung wurde darauf geachtet, dass sich so etwas wie ein Spannungsbogen aufbaut. Ganz nach dem Motto: Das Pulver darf nicht schon am Anfang verschossen werden.
Langweiler und Vorschlaghammer
„Smiling Off“ – ein Song von der sonst so chaotischen, auf Noiserock fokussierten Formation Black Dice – eröffnet den knapp 48 Minuten dauernden Mix. Der darauf zu hörenden Neudeutung dieses Tracks wurde jedoch jegliche Kraft entzogen. Das Endresultat ist ein eher schwammiger, auf minimalistischen House getrimmter Remix. Dieser wurden in Zusammenarbeit der beiden DFA-Gurus mit dem finnischen Elektroniker Luomo angefertigt. Aber wo zum Teufel bleibt hier der geradlinige, am Rock 'n' Roll angelehnte, mit dem Kopf durch die Wand gehende Elektrosound?! Damit muss man sich bis zum letzten der drei Remixe von The Juan Maclean gedulden. Denn dann ist es so weit: Der Turbo wird gezündet – von nun an ist Schluss mit der öden Langweilermusik.
In den letzten 15 Minuten geht es ordentlich zur Sache, denn da fällt man nämlich von einem Remix eines LCD Soundsystem-Hits in den anderen – sprich von „Tribulation“ in „Daft Punk is Playing At My House“. Dabei wird dann ordentlich viel Dampf ab- und dem Wahnsinn freien Lauf gelassen. Die ständig an Geschwindigkeit zunehmende, bröselnde Hookline befördert den Zuhörer in einen halluzinationsartigen Zustand, aus dem dieser nur durch das von James Murphy aus voller Brust geschriene „Hooouuuse“ auf den Boden der Realität zurückgeholt wird. Kurze Pause. Dann wird mit dem Vorschlaghammer-Beat alles kurz und klein geschlagen. Ein Mix, der bei vielen langweiligen Sitzparties für den erlösenden Umschwung sorgen könnte – aber Wunder darf man sich deswegen trotzdem keine erwarten.
Der "Holiday Mix" ist bereits bei EMI/DFA erschienen.
Fotos: Marco Weise
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