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Hinter den Kulissen des XPress (Rennbahnexpress)

2007-04-02 00:10:13

Warum es keine Unterscheidungen zwischen "Alternativ" und Mainstream mehr gibt, warum der Rennbahnexpress jetzt XPress heißt, und vieles mehr in unserem Blick hinter die Kulissen mit dem Hang zum Exhibitionismus. FM5 spricht mit dem Redakteur Alex Lisetz.

FM5: Warum wurde das Branding einer bestehenden Marke aufgegeben? Von Rennbahnexpress zu XPress.

Alex Lisetz: Im Zuge eines Eigentümerwechsels hat es einen Relaunch des ganzen Heftes gegeben. Dabei wurden starke Veränderungen vorgenommen, beispielsweise auch beim Layout. Im Zuge dieser Umstrukturierung wurde der alte, sperrige und mühsame durch einen leichteren, und vor allem international verstehbaren Namen eingetauscht. Das hat auch den Vorteil, dass man nicht jeden deutschen Star, den man interviewt, erklären muss, dass das nicht ein Pferdemagazin oder so ist, sondern ein Popmagazin.

FM5: Wie sieht die Zusammenarbeit von XPress und rbX aus?

Alex Lisetz: Es gibt hier überhaupt keine Zusammenarbeit. Es sind zwei voneinander völlig unabhängige Medien. rbX hat am Anfang zu uns gehört. Wir haben das praktisch aufgebaut. Beim Verkauf des Rennbahnexpress hat sich das geändert. Zum Hintergrund: rbX gehört dem Profilverlag, welcher früher dem Kurier gehört hat, also der Mediaprint. Wir sind Teil des Profilverlags. Beim Verkauf des Profilverlags an den Newsverlag sind die Onlineplattformen nicht mitverkauft worden. Das heißt rbX gehört dem Kurier und wird von einer eigenen Redaktion betreut. Wir haben also eigentlich nichts miteinander zu tun. Wir tauschen maximal ein paar Inserate und Inhalte aus.

FM5: Xpress.tv war ein Flop. Welche Lehren zieht man daraus?

Alex Lisetz: Also, ich bin nur Redakteur hier. Ich bin keine offizielle Person, die für XPress als Ganzes Aussagen machen könnte. Für mich ganz persönlich war XPress.tv kein Flop. Es hat vielmehr die Quoten, die es erreichen sollte, erreicht. Es war für den Programmplatz und für eine Jugendsendung nicht schlecht. ATV+ hat sich halt noch mehr erwartet, weswegen sich die Eigentümervertreter nicht mehr einigen konnten. Aber Flop war es keiner! Im Gegenteil.

FM5: XPress gehört zur NEWS-Verlagsgruppe. Inwieweit ist der Redakteur bei XPress noch Journalist und inwieweit bloßer Schreiber im Rahmen der von der Marktanalyse vorgegebenen Themen?

Alex Lisetz: Ich möchte mich ja nicht jetzt unbedingt als Verteidiger des News hinstellen. Beim News gibt es keineswegs nur Schreiber, die über populäres Schreiben, sondern schon auch viele Journalisten.

Letztendlich läuft das aber eher auf eine philosophische Frage hinaus, nämlich inwieweit populäre Jugendzeitschriften, die es heute gibt, journalistisch arbeiten. Es gibt schon journalistische Zugänge zu Geschichten, indem man versucht Sachen zu hinterfragen und klarer zu machen. Wir sehen uns aber schon auch als Dienstleister am Leser, der sich einfach Sachen wünscht, die er von uns bekommen soll.

FM5: Wie kommt ihr klassischerweise zu euren Themen?

Alex Lisetz: Es ist eine wilde Mischung aus mehreren Faktoren. Einerseits der ständige Kontakt, den wir mit den Jugendlichen pflegen. Wir sind an den Plätzen und Konzerten, wo die Jugendlichen sind. Plus natürlich auch was einfach in den Charts ist, was für Kinofilme gesehen werden, was allgemeine Trends sind, was an Leserbriefen kommt, was im Verkauf funktioniert. Am wichtigsten ist immer der persönliche Kontakt mit den Jugendlichen, die wir natürlich auch ausfragen. Die tägliche Arbeit ist sehr wichtig dafür, sei es, dass wir ständig Schulklassen in der Redaktion haben, oder über unsere Startreffs. Der direkte Kontakt ist wichtig.

FM5: Wie entsteht er...? Wird Content zugekauft?

Alex Lisetz: Content wird zugekauft, in dem Sinn, dass wir Fotos zukaufen. Ansonsten machen wir alles in unserer Redaktion.

FM5: Was zeichnet XPress aus?

Alex Lisetz: Was uns auszeichnet ist, dass wir die Leser und Leserinnen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten, mit dem, was sie von dieser Zeitschrift erwarten, ernst nehmen. Was sehr oft passiert ist, dass Jugendliche nicht ernst genommen werden, oder dass man sie bekehren will, und sie nicht bei dem, was sie sind, was sie interessiert und was sie betrifft, begleitet. Ich denke, dass der Xpress ein Medium für einen bestimmten Entwicklungsschritt ist im Erwachsenwerden. Das muss man genauso ernst nehmen wie den Schritt davor oder den Schritt danach. Es ist okay für Kinder was zu machen, und es ist okay, was für Erwachsene zu machen. Der Zwischenschritt hat was Anrüchiges.

Wir versuchen die Jugendlichen zu begleiten und ernst zu nehmen. Das zeichnet den XPress aus. Der XPress unterhält ohne dabei seicht zu sein. Er greift die Themen die jeden betreffen auf, und behandelt sie in interessanter und lesbarer Art und Weise.

FM5: Zum Abschluss eine typische Fragen von einem Nichtmassenmagazin. Versucht ihr Randthemen bzw. nicht zwangsweise populäre Themen zu integrieren? Könnt ihr euch überhaupt leisten über so genannte „Untergrundthemen“ zu schreiben?

Alex Lisetz: Was das Jugendzeitung-Machen heute einerseits wahnsinnig schwierig, aber andererseits auch wahnsinnig spannend macht, ist, dass es diese Aufteilung nicht mehr gibt. Es gibt den typischen Jugendlichen nicht mehr. Was wir in Leserbriefen beispielsweise merken ist, dass die Leser die Britney Spears neben einer CD von einer Alternativband im CD–Schrank haben. Für sie ist beides gleich viel wert und gleich cool. Deswegen versuchen wir beispielsweise auch das ganze reichhaltige Spektrum abzubilden. Es muss aber schon immer eine gewisse Masse an Leuten etwas gut finden, damit es bei uns vorkommen kann. Den Gegensatz zwischen „Alternativ“ und Kommerziell gibt es nicht mehr wirklich. Es kommt halt immer darauf an, wie man den Begriff „Alternativ“ interpretiert. Rein von der Musikrichtung her haben wir genauso oft beispielsweise ein Interview mit Marilyn Manson wie mit Britney Spears. Das macht das Arbeiten für mich auch sehr spannend, weil unterschiedliche Zugänge zu Geschichten dadurch ermöglicht werden.

FM5: Danke für das Interview!

 

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AutorInnen

Martin Aschauer

Martin Aschauer

Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...

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