Mamma Mia! Warum machen Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth da mit?
Fragen und Vorurteile
„Ich bin Meryl Streep, mich hat jeder bedingungslos lieb“, dachte sie und ließ sich nicht lange bitten, als die Regisseurin Phylldia Lloyd das erfolgreiche Musical Mamma Mia (von den ABBA-Köpfen Björn Ulvaveus und Benny Andersson) verfilmt hat. Sie ist darin eines von vielen bekannten Gesichtern des Showgeschäfts, mit denen der Film aufwartet. Ein Grund von vielen, sich zu fragen: „Warum machen Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth da mit?“
In 3 Schritten soll dieser Frage nun nachgegangen werden:
1) Klärung der prekären Ausgangssituation
Sophie (Amanda Seyfriend) lebt allein mit ihrer Mutter Donna (Meryl Streep) auf dem griechischen Bauerndorf Kalokari und möchte dort bald ihren Sky (Dominic Cooper) ehelichen. Kurz vor der Hochzeit will sie herausfinden, wer ihr leiblicher Vater ist, den sie zuvor noch nie gesehen hat. Aus dem Tagebuch ihrer Mutter hat sie erfahren, dass drei Kandidaten dafür zur Auswahl stehen: Harry (Colin Firth), Sam (Pierce Brosnan) und Bill (Stellan Skarsgard). Kurzerhand beschließt Sophie ihre drei potentiellen Väter im Namen ihrer Mutter zu den Feierlichkeiten einzuladen, natürlich ohne Donnas Wissen.
2) Konfliktpotential, Kalokari und "Wer wird wen heiraten?"
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, der wahren Liebe und dem eigenen Selbst singen und tanzen sich die die beiden Protagonistinnen von einem ABBA-Klassiker zum nächsten: Donna beschwert sich mithilfe von Money, Money, Money über ihre einfachen Lebensverhältnisse, ihre ebenfalls alternden Freundinnen Julie Walters und Christine Baranski trösten sie zu Chiquita, nichtzuletzt mit Unterstützung von Alkohol. Beim Junggesellenabschied von Sophie feiert die frühere Band Donnas ein Comeback in Plateauschuhen und begeistert die junge Menge mit ihrer Interpretation von Gimme Gimme Gimme, während mittlerweile jeder der drei Männer der festen Überzeugung ist, er wäre der einzig echte Vater von Sophie.
3) Selbstironie trifft Pathos
Das übliche romantische Hin–und-Her und Wer-kriegt-Wen ist hier unerwartet wenig pathetisch in klassischer Hinsicht, wie man es oft in Form von übertriebener Gefühlsduselei aus Musicals und Musikfilmen kennt. Wenn also der ehemalige James Bond plötzlich Does your mother know anstimmt - um Sophie eine Standpauke zuhalten - ist das einer der Momente, die den tief sitzenden Pathos mit gekonnter Selbstironie durchkreuzen. Auf diese Weise wird trotz der einigen, unbestritten lächerlichen Momente im Film, die notwendige Ernsthaftigkeit für eine gelungene Romantikkomödie geschaffen. Daher ist es auch eine Freude mit anzusehen, wie überraschend augenzwinkernd die Songs teilweise in die Handlung eingebaut wurden.
Why Meryl and Co., why?
Warum Meryl und Co. wirklich in dem Schiller-Barbie-Musical-Feuerwerk mitwirken wollten, ist schwer zu rekonstruieren. Ich glaube aber, dass weniger ein Mangel an Rollenangeboten dahinterstecken dürfte, wie so mancher zynischerweise annehmen hätte können. Vielmehr muss es einfach ein irrer Spaß gewesen sein, diesen ganzen Unsinn zu drehen und die tollen Abba-Songs selbst einmal interpretieren zu dürfen. In diesem Sinne: Take a Chance on Meryl and this movie.
Premiere in den österreichischen Kinos am 18. Juli
kein gott, kein staat, keine arbeit, kein geld. mein zuhause ist die welt.
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