2007-04-02 00:10:49
Wenn über österreichische Zeitungen niederen Wertes diskutiert wird, erwähnt man die „Kronen Zeitung“. So weit, so klar. Ein anderes populistisches, der erstgenannten Zeitung um nichts nachstehendes Blatt, das häufig unter den Tisch gekehrt wird, ist die „zur Zeit“. Eine Bestandaufnahme über die Wochenzeitung, die sich über die Existenz des Holocaust (noch) nicht im Klaren ist.
„Demokratie braucht Meinungsfreiheit" und „Zur Zeit – die konservative Wochenzeitung für Österreich" betitelt sich die „zur Zeit" selbst. Jene Zeitung, in der Afroamerikaner gerne als „Neger" und alle Menschen mit einem ausgeprägten Toleranzbewusstsein generell als „Gutmenschen" bezeichnet werden; was in diesem Fall schon alles über dieses am rechten Rand angesiedelte Blatt aussagt. Denn eine Zeitung, von der man sich nicht einmal grundlegende Dinge wie Toleranz gegenüber allen Minderheiten, Ausländern und sich anders – aufgrund der Hautfarbe, des Religionsverständnisses und der Sprache – verhaltenden Menschen, innehat, ist bestens für den Heizofen im Winter, nicht aber zur Lektüre geeignet. Oder: Ein Fall für den Mistkübel.
Engstirnig…
Im Jahre 1997 wurde sie – hauptsächlich - von Chefredakteur Andreas Mölzer, den es auch oft und gerne in die niederen Gefilde der „Kronen Zeitung" als Vertreter vom „kleinen Mann" (gemeint ist nicht der wegen seiner körperlichen Größe, sondern wegen seiner leeren Geldtasche bestrafte Österreicher) verschlägt, gegründet. So fanden sich bald zahlreiche Redakteure, Politiker oder Alltagsphilosophen, die ihren hetzerischen Schreibstil mit den Lesern teilten und für das Blättchen schrieben. Darunter einige namhafte Personen wie Ewald Stadler (des Volkes Stimme), H.C. Strache (der Säbelzahntiger) oder Barbara Rosenkranz. Neben den schon Erwähnten dürfen auch andere Wahrer des Christentums oder des engstirnigen „Wir sind wir"-Nationalismus wie der ehemalige Botschafter Johann Josef Dengler, ein sich als „Kulturredakteur" ausgebender Ernst Brandl und Otto Scrinzi ihren Senf abgeben. Schließlich braucht Demokratie ja „Meinungsfreiheit". Ob diese für die Minderheiten zum Beispiel auch gelte, sei einmal mehr dahingestellt. Semikarikaturisten dürfen natürlich nicht fehlen: So wurden Jürgen von Pivo und ein Horst - der mit seiner „Wochenschau" immer wieder aufs Neue beweist, dass manche Zeichnungen doch zensiert werden müssen – installiert, um dem Leser die Wahrheit in skizzierter Form vor Augen zu halten.
…und dumm
Schon auf der Titelseite wird einem mit Schlagern wie „Deutschland vor dem Ruin", „Perverse als Pseudo-Elite" oder „Alles Europa ist Österreich Untertan" (Titel der aktuellen Ausgabe, Doppelnummer 6/7) suggeriert, wie böse die „Anderen" sind, wie schlecht es uns österreichischen „Dauerdraufzahlern" geht, wie super patriotisch Strache ist just, dass das christliche Abendland untergeht. Alles vermischt mit hetzerisch-reißerischer Sprache, die immer nur sehr knapp am Wiederbetätigungsverbot vorbeigeht. Doch zwischen den Zeilen tut sie das längst. Zur Verdeutlichung kann die aktuelle Ausgabe (Doppelnummer 6/7) herangezogen werden: Im „Editorial" anfangs jeder Ausgabe darf der Chefredakteur Mölzer höchstpersönlich die Leviten lesen, wenn er, der notorisch stramme Volksvertreter im EU-Parlament, meint: „In der islamischen Welt nimmt man Gott und seinen Propheten, die Religion insgesamt, eben noch ernst. Nicht so wie bei uns, wo man mit allem dumme Scherze treiben kann. Wir erinnern uns an die mehr oder weniger guten Jesus-Filme – und damit ist nicht der von Mel Gibson gemeint - die in irgendwelchen abseitigen Deutungen einen menschlichen oder allzu menschlichen Jesus gezeigt haben." Und weiter vorne fortsetzt: „Aber so ist das eben, bei uns ist alles erlaubt. Jede Perversion, jede Abartigkeit, jede Schmähung ethischer oder eben religiöser Werte mit einer einzigen Ausnahme: Man darf nicht rechts sein, man darf nicht national sein, man darf nicht deutschbewußt sein, man darf – um Gottes Willen – ja nicht sagen oder denken, was irgendwie in den Geruch kommen könnte, rassistisch zu sein." Wenn Mölzer mit „Perversion" und „Abartigkeit" sich, seine Leser und seine Kollegen („Gesinnungsgemeinschaft" im dafür obligaten Jargon) meint, muss man ihm wohl Recht geben…
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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