2007-05-04 13:34:16
Der Film Coeurs (Herzen) spielt an vier Tagen im Februar in Paris. Gezeigt wird ein Ensemble von Menschen, die alle in einem unsichtbaren Netz mit einander verbunden sind und ohne es zu wissen, die Schicksale des anderen beeinflussen.
Der Immobilienmakler Thierry (André Dussollier) bildet den Anfangspunkt des Films. Von ihm aus zieht die Geschichte die Kreise um sieben Menschen in Paris. Nicole (Laura Morante) und Dan (Lambert Wilson) suchen eine neue Wohnung, eine Wohnung die groß genug ist, um ein Arbeitszimmer für den arbeitslosen Dan einzurichten. Nur einer von vielen Streitpunkten des schon emotional von einander entfernten Paares. Dan ist Stammgast in einer Hotelbar, wo er regelmäßig als Letzter volltrunken hinaus auf den Gehsteig tritt. Sein einziger Freund scheint der freundliche Barkeeper Lionel (Pierre Arditi) zu sein, der ihm den Tipp gibt, über eine Kontaktanzeige eine neue Frau zu finden. Über eine Annonce lernt dieser schließlich Thierrys Schwester, die einsame Gaelle (Isabelle Carré) kennen. Allabendlich zieht sie alleine durch die Bars, auf der Suche nach der großen Liebe, die Hoffnung nach ein bisschen Glück schon beinahe aufgegeben. Der Barkeeper Lionel wiederum hat zu Hause seinen alten und kranken Vater Arthur (Claude Rich) zu pflegen. Diese Aufgabe wird von Thierrys unschuldiger Mitarbeiterin Charlotte (Sabine Azéma) übernommen. Wie ihr Boss Thierry bald feststellen muss, ist diese weniger fromm und unschuldig, als er anfangs angenommen hatte.
Französiert
Coeurs beruht auf dem englischen Theaterstück Private Fears in Public Places von Alan Ayckbourn. Er selbst beschreibt das Stück als „Film, der für die Bühne geschrieben wurde“. Es heißt, dass Ayckbourn nach Shakespeare zu den am häufigsten gespielten englischsprachigen Bühnenautoren gehört. Der Filmemacher Alain Resnais hat die Geschichte adaptiert und nach Paris versetzt. Alle Personen des ursprünglichen Stückes wurden „französiert“, kein einziges englisches Detail sollte erkennbar sein, so Resnais. Zum Stück selbst sagt der Regisseur: „Ich hatte sofort die Vorstellung von sieben Menschen, die in einem Spinnennetz gefangen sind. […] Die Spinne ist nicht da, sie ist fort, aber sobald sich ein Insekt bewegt, versucht sich zu befreien, erzittert das Netz und ein anderes Insekt, das gar nichts mit dem ersten zu tun hat, ist gefangen.“
Herzen
Schauplatz ist das Quartier Bercy, ein französisches Stadtviertel, das von einer seltsamen Atmosphäre geprägt ist. Menschenleere Gassen, ein unwirkliches Licht und der ständige leichte Schneefall sorgen für eine einsame Stimmung. Die Musik von Mark Snow soll zudem die nach innen gewandte Unruhe unterstreichen. Und wirklich, der Film wirkt sehr schwer und traurig, zeigt einsame und verwundete Menschen. Menschen, die sich nach ein bisschen Glück sehnen. Den Titel Coeurs wählte Resnais, weil er es dem Zuschauer selbst überlassen wollte, das für ihn/sie passende Adjektiv hinzuzufügen. Eines, das den jeweiligen Seelenzustand der Personen am besten beschreibt.
Fazit
Trotz der allgemein eher düsteren Stimmung des Filmes gibt es dennoch amüsante und auch romantische Momente, die immer sehr natürlich wirken. Der Film erzählt eine einfache Geschichte, gezeigt werden ehrliche und liebenwerte Charaktere. Resnais schafft mit Couers einen etwas unspektakulären Film, der teilweise sehr an der Oberfläche kratzt, aber vor allem aufgrund des tollen Ensembles der Schauspieler sehenswert ist. Vor allem die geheimnisvolle Charlotte sorgt durchaus auch für amüsante Momente. Die künstlerischen Einfälle des Regisseurs (zum Beispiel lässt er es einmal in der Wohnung schneien) wirken hingegen etwas hineingequetscht und aufgesetzt.
Bilder: Polyfilm
Sorge dich nicht um das was kommen mag, weine nicht um das was vergeht, aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. (Friedrich Schleiermacher)
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