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musik

Herr Hecker sucht das Glück

2007-04-02 00:11:09

„Harmonisch, schön, einlullend, euphorisierend, in einen schwebenden Zustand versetzend“, so beschreibt Maximilian Hecker im Interview mit FM5 höchst persönlich seine Lieder. Sie sollen erfüllend sein, man soll einem körperlosen Zustand näher kommen. „Lieder müssen eine Vorahnung zum ewigen Glück sein.“

Diesen Weg zum Glück beziehungsweise zum Glücklichsein bestritten am Dienstag gut 400 Leute im WUK. Sie wollten sich berieseln, verzaubern und aufwühlen lassen. Die schönen Momente wurden allerdings fast nach jedem Lied von Heckers verkrampften Gerede zerschnitten –  ja, gar zunichte gemacht.

Glück und Glas – wie leicht zerbricht das?!

Die Scheinwerferlichter vereinigten sich im Zentrum der Bühne zu einem voluminösen Lichtkegel. In diesem saß Hecker vor seinem Klavier, präsentierte sein neues Album Lady Sleep und bewegte sich nur, wenn er nach seiner Gitarre griff. Trotz ihn umgebender Band wirkte er auf der Bühne einsam, unnahbar und unsicher. Diese Gefühlslage erreichte ihren Höhepunkt, als Hecker mit zitternder Stimme zu erklären versuchte, dass er „heute keine Ansagen machen könne“, weil er „neben sich stehe“. Auch Künstler sind nur Menschen und fühlen sich manchmal nicht wohl in ihrer eigenen Haut. Und wenn man dann auch noch vor einem großen Publikum spielen muss, endet das meist in Verzweiflungsakten – wie es bei Maximilian Hecker den Anschein hatte. Dieser verlangte sogar am Ende des Konzerts seine „gestohlene“ Setlist zurück. Was geht in so einem Menschen vor, dessen bizzare Gefühlslage man ihm zwar ansieht, aber die sich nicht negativ auf seine Lieder auswirkt? „Es gibt Tage, an denen man zufrieden mit der eigenen Darbietung ist. Wenn Selbstbewusstsein vorhanden ist, kann man den Blicken des Publikums standhalten, doch wenn nicht, dann ist das ein enorm peinlicher Moment.“ Der multifunktionelle Musiker vergleicht das von ihm dabei Empfundene mit der Misere eines Mechanikermeister, der seinen Lehrlingen das Einschlagen eines Nagels zeigen möchte, diesen Nagel aber nur mit der Hilfe seiner Faust und nicht mit dem Hammer einschlagen kann  und es dadurch schlechter Zustande bringt als sonst, was wiederum für den Meister ein beklemmendes Schamgefühl hervorruft. Hecker spricht nicht nur in seinen Texten von Bildern, sondern suchte auch immer wieder im Interview nach Vergleichen, um das von ihm Gemeinte seinem Gegenüber zu veranschaulichen. Wie würde er einem Taubstummen seine Lieder bildlich erklären? Maximilian würde die Farben Weiß, Grau und Blau verwenden,  Weiß assoziert er mit Vollkommenheit – er strebt nach dem perfekten Moment, was sich auch in seinen Texten widerspiegelt. Für ihn ist ein Moment perfekt, wenn er einem Glückserlebnis entspricht, doch „Glück und Glas – wie leicht zerbricht das“ – Ein perfekter Moment verschwindet genauso schnell wieder, wie er gekommen ist. Für Hecker ist der „Kern des Glücks ein Erlebnis, das Spuren von Körperlosigkeit in sich birgt, denn kein Körper ist perfekt und durch den Körper und die Schwerkraft, kann kein Glück ewig wären, deshalb ist es die Ursehnsucht des Menschen körperlos zu sein. Diesen Zustand erreicht man nur, wenn man entweder zurück in den Mutterbauch „geht“, oder stirbt.“ Der Tod als Anfang von Körperlosigkeit, als Anfang ewigen Glücks? Hier widerspricht sich der feinfühlige Pianist, indem er sagt, dass er nicht an ein Leben nach dem Tod glaube, „weil man sich ja auch nicht an ein Leben vor der Geburt erinnern kann." Er denkt, dass „der Zustand nach dem Tod der selbe wie vor dem Tod ist – das Nichts.“ 



 

Snow White vs. Kate Moss

Für Maximilian Hecker ist es wichtig, dass man emotionell empfinden kann, doch seine Texte schreibt er in einem sehr nüchternen und distanzierten Zustand. Denn „wenn man verliebt, wütend, oder verzweifelt ist, kann man sich ja nicht auf die Tätigkeit des Schreibens konzentrieren.“ Die Inhalte seiner Texte sind mehr als nur abstrakt gehalten und beziehen sich nie auf selbst erlebte Geschichten aus dem Alltag. Trotzdem hat er mit seinem Lied, das den Titel „Kate Moss“ trägt für Aufregung in den Medien gesorgt. Jedoch ist Hecker keineswegs „besessen“ von diesem Model, er wollte lediglich von einer Person schreiben, die sich „jeder besser vorstellen kann, als beispielsweise Lieschen Müller von nebenan“ und Kate Moss entspreche einfach noch am ehesten dem Typ Frau, den er attraktiv findet, obwohl er andererseits beim Konzert vor dem Lied „Snow White“ davon sprach, dass es ihm der  „Schneewittchen-Typ“ eher angetan hat – sprich: schwarze Haare, blasse Haut und etwas Rotes. Auch diese Aussage ist anscheinend aus Verlegenheit heraus passiert, denn für Hecker war diese kleine Ansage anscheinend so "wichtig", dass er sie einen Tag darauf wieder vergessen hatte... .

Auch mit dem Eurovision Song Contest und der Radioquote hat der Wahlberliner nicht allzu viel am Hut. Er versteht nicht, warum das Publikum den Sieger auswählt: „Bands sollen sich ja aus natürlichen Gründen zusammentun und nicht gezwungenermaßen." Er würde – wie sich jeder denken kann – „nicht bei diesem Wettbewerb mitmachen". Ob die deutsche Musikindustrie in der Krise sei, wisse er nicht, da ihn „das eigentlich nicht betreffe." Er selbst „könne nur Lieder schreiben und alles Weitere läge nicht mehr in seiner Hand“ – darauf sollte er sich auch beschränken – Lieder schreiben, die uns direkt ins Herz stechen, die in uns Gefühle zum Ausbruch bringen, die wir nicht so schnell vergessen. Maximilan Hecker – ein Mensch, dessen Lieder so sanft wie der Flügelschlag eines Schmetterlings sind, und er selbst den Eindruck erweckt,  zerbrechlich wie Glas zu sein.

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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