2008-09-28 15:21:30
Ein Todesfall wird nach neun Jahren von einem Tankstellenwärter aufgeklärt. Ohne die weiteren Konsequenzen seiner Taten abzuwägen, stürzt er sich dabei von einer Misere in die andere. Am Ende könnte ein weiterer Verstorbener dazukommen: Er selbst.
Kirk lebt ziellos und apathisch in den Tag hinein.
Auf Spannung und Aufregung kann er als Tankstellenangestellter nicht hoffen.
Als ihm eines Tages eine Kreditkarte in die Hände fällt, die scheinbar jemand auf dem Gelände verloren hat, ändert sich dieser Umstand für ihn.
Unruhe macht sich in Kirk breit.
Das Ticket zum Glück scheint vor ihm zu liegen. Anschließend macht er einen entscheidenden Fehler: Er geht mit der Kreditkarte einkaufen.
Ab diesem Zeitpunkt schlittert Kirk in ein Schlamassel nach dem anderen. Letztlich warten eine verschollene Handtasche und ein seit neun Jahren unaufgeklärter Mordfall auf ihn.
Der Mann, der Zuviel wusste
Autor Ed Brubaker (Sleeper, Batman) versucht, im Geiste der Reduzierung, mit wenigen Mitteln eine spannende Geschichte zu schreiben.
Schon auf der ersten Seite, im ersten Panel, wird man mit dem Todesfall konfrontiert, ohne natürlich viel darüber zu erfahren. Einige Jahre später wurde die Spur des Täters immer noch nicht gefunden, der Fall wurde scheinbar zu den Akten gelegt.
Schon der Anfang ist also alles andere als harmlos.
Brubaker konzentriert sich dabei nicht sonderlich auf das Verbrechen, sondern richtet den Erzählfokus auf Hauptdarsteller Kirk, der sich mit seinen ungeschickten Handlungen in einer undurchsichtigen, psychologisch brenzligen Situation befindet.
Die Lösung des Mordfalls erfolgt weniger aus kriminalistischem Interesse, sondern um Aufregendes zu erleben. Kirks Ermittlungen ermöglichen es ihm, endlich aus seinem tristen Dasein auszubrechen, die ereignislose Existenz hinter sich zu lassen.
Die Gefahren, die durch seine Ermittlungen entstehen, werden dabei gern in Kauf genommen, bis zu dem Zeitpunkt, ab dem eine Rückkehr in ein normales Leben nicht mehr möglich ist.
Je mehr Kirk in dem Leben der anderen herumstöbert, desto mehr spitzt sich die Handlung zu. Er gleitet von einem Schlamassel in das nächste, auch die Grenzen zwischen Verfolger und Verfolgtem verschieben sich. Die Würze des Lebens verdirbt unserem Titelhelden (und seinem Mitbewohner) den Appetit.
Die bedrohliche Situation und die herbstliche Jahreszeit werden durch die schwarzweißen Zeichnungen von Jason Lutes in eine passende Noir-Atmosphäre versetzt. Der lethargische Alltag von Kirk kommt ohne passende Farbunterstützung gut zur Geltung.
Lutes gelingt es, den Figuren eine Lebendigkeit und einen individuellen Charakter zu verleihen. Er spielt mit den Mimiken und weiß die undurchsichtigen Blicke der Figuren gekonnt einzufangen.
Mit einer geradlinig verlaufenden Erzählung und geschliffen gezielten Dialogen, aber ohne übergroße Überraschungen, macht sich Herbstfall auf zur endgültigen Wahrheitsfindung.
Am Ende darf natürlich der Showdown zwischen Gut und Böse nicht fehlen. Ob Kirk den Wechsel der Jahreszeit noch erleben wird?
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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