2007-04-02 00:11:23
Mit „Freak Show“ kommt eine DVD auf den Markt, die die glamouröse Welt der Club-Kultur aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet.
Ein Mann wird mittels Stretch-Limousine durch die Straßen einer amerikanischen Stadt chauffiert. Dabei lümmelt er gemütlich auf der Lederbank, die sich im hintern Teil des Wagens befindet und betrachtet die Stadt durch die getönten Scheiben.
Diese Situation würde die heutige MTV- und VIVA-Generation sofort mit einem HipHop-Video assoziieren. In diesem Fall wäre dies jedoch ein Irrtum, denn hierbei handelt es sich nicht um eine von Hardcore-Kapitalismus und Goldketten geprägte Aufnahme, sondern um eine Dokumentation über die Promo-Tour von DJ Hell, der mit seinem Gigolo-Team von einem Club zum andern zieht.
Sex sells
„Gigolo steht für Sex, Funk, Unkontrollierbarkeit, Chaos und Aufklärung gleichzeitig.“, so Hell. Gegründet hat Hell das Label Ende der 90er Jahre in München. Anfangs spezialisierte sich der ewig jung geblieben nur auf die DJ-Kultur und veröffentlichte ausschließlich 12-Inches. Mittlerweile kann Hell auf unzählige Produzenten und Künstler verweisen, deren Liedgut nun auch der breiten Masse via Silberling zugänglich gemacht wird.

Zurück zur DVD: Wenn „Helli“ – so wird er liebevoll von einer Begleiterin genannt – im bayrischen Akzent zu reden beginnt, wirkt das am Anfang etwas skurril. Skurril deswegen, da der bayrische Slang im Umfeld von Glamour und Fashion – nun ja – etwas exotisch wirkt.
Gedreht wurde die rund eine Stunde dauernde Zusammenfassung mittels Handkamera, was das Ganze sehr authentisch macht. Das zu sehende Material führt vor Augen, dass das Club-Leben auch so manche Schattenseiten mit sich bringt. Neben halbnackten Tatsachen und hemmungslosen Orgien gibt es nämlich auch noch das Leben abseits dieser von Hedonismus strotzenden Nächte. Und das sieht ungefähr so aus: Schwarze Augenringe, blasse Haut und ein bis zur völligen Erschöpfung gepeinigte Körper, der sich Nacht für Nacht vor das Mischpult schleppt, um für gute Laune unter den Gästen zu sorgen. Ja, das DJ-Leben hat auch seine Nachteile.
Der Bonus an Oberflächlichkeiten
Neben diesem tollen Blick hinter die Kulissen bietet Freak Show noch zahlreiche Videos von Künstlern wie zum Beispiel Fisherspooner, Miss Kittin & The Hacker, Hell und Christopher Just, der den österreichischen Beitrag einbringt. Des Weitern kann man als Zuseher bei der illustren Interviewrunde mit Peaches, Hell und Casey Spooner und Warren Fischer fungieren. Geplaudert wird dabei – im Backstagebereich vom Muenzclub in Berlin – über Themen wie Gorgio Moroder, der als Erfinder der Synthesizer Musik gilt, Arnold Schwarzenegger (?!) und anderen, an der Oberfläche kratzenden Themen, die an Smalltalk erinnern.
Diese etwas dürftige Form der Unterhaltung schmälert die Leistung der restlichen Darbietung kaum. Somit bleibt die „Freak Show“ ein empfohlenes Werk für alle, die sich schon immer einmal die Party ins Haus holen wollten.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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