Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

kreatives

Heinzelmännchen gesucht!

2007-04-02 00:10:48

Ein geradezu symbolisches Bild, dessen Schärfe nicht zu wünschen übrig lässt: Chaos im Zimmer. Ein Hilferuf.

„Diesen Saustall hält doch kein Mensch mehr aus – räum` jetzt endlich dein Zimmer zusammen; sonst mach` ich das!", tönt es von der gerade geöffneten Türe von meiner Mutter. Nicht zu überhören. Und trotzdem stößt es meinerseits auf taube Ohren. Oder: Links: Eingang. Rechts: Ausgang. Eh typisch für pubertierende Jugendliche, dessen Selbstwertgefühl wohl teilweise zu hoch ist. Doch: Hallo? Zimmer in Ordnung bringen? Das ist mit ebenso schrecklichen Dingen wie Haustiere füttern, Wäsche waschen oder Supplierstunden haben, ohne es vorher zu wissen oder Nachhilfe in einem Fach zu haben, das nicht auf den ersten Plätzen im „Ranking der Lieblingsfächer" steht, gleichzusetzen. Wer hier Selbstbetrug und Faulheit walten lässt und zu ständigen Ausreden wie „Das mach` ich morgen!" trachtet, dem wird sein Chaos im Zimmer sehr bald zu einem Teufelskreislauf. Derjenige hat schon verloren, definitiv. Man beachte: Wir befinden uns nicht in dem Körper eines Protagonisten aus einem Buch, zugeschnitten für 9- 12-Jährige mit dementsprechendem Humorverständnis, der – wird er von der Mutter ermahnt – ohne „Wenn und Aber" Ordnung in seinem Zimmer schafft, sondern haben es mit der harten Realität zu tun, die niemanden auffängt und Schutz bietet. Das Zimmer muss (KURSIV!) von einem selber in einen nüchternen Zustand gebracht werden. Das liest sich in der Theorie – also niedergeschrieben auf Papier zum Beispiel – sehr schnell, bereitet einem in der Wirklichkeit nur Barrieren, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Doch sind wir ehrlich: Den Anstand, den Ehrgeiz, die Passion oder gar den Reiz, ein Zimmer ordnungstechnisch auf Hochglanz zu bringen, besitzt jeder – aber kein Jugendlicher, der noch von sich behaupten kann, etwas auf dem Kasten zu haben. „Räum` dein Zimmer auf!" ist plötzlich wieder hörbar und der vernommenen Stimme muss wohl Folge geleistet werden. „Keine Widerrede!" Heinzelmännchen, wo seid ihr? Gab es euch nicht mal?...

Printer Icon



AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

Newsfeed Icon Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop