2008-05-25 01:35:35
Sehr geehrte Valerie Besl,
auf der Homepage des Haymon Verlages wird in der schön ausführlichen Darstellung der mittlerweile 26jährigen Verlagsgeschichte das Verlagsprogramm inhaltlich durch „die Verbindung von Bewährtem und Bekanntem mit Neuem, Unkonventionellen“ charakterisiert. In diesem Zusammenhang wird auch darauf hingewiesen, dass sich Ihr Verlag bemüht, (strukturell) jungen Autorinnen und Autoren „ein Forum zu bieten“. Wie findet der Haymon Verlag vorwiegend zu seinen (strukturell) jungen Autoren und Autorinnen? Resultieren diese Neuentdeckungen aus der Begutachtung unaufgefordert eingesandter Manuskripte? Oder finden sich vielversprechende Texte eher in Literaturzeitschriften, bei Literaturwettbewerben etc.?
Wie alle Verlage besteht der große Teil von Manuskripten, die bei uns eintreffen, aus den unaufgefordert eingesandten, von denen jedoch nur ein geringer Prozentsatz auch wirklich veröffentlicht wird. Wichtig sind für uns Empfehlungen von anderen Autoren und Kollegen aus der Branche, man wird aber immer wieder auch in Literaturzeitschriften und bei Festivals und Bewerben auf neue Autoren aufmerksam. Entscheidend ist meiner Meinung nach eine gute Vernetzung und Präsenz im Literaturbetrieb, um immer wieder junge Autoren entdecken zu können, die gerade am Beginn ihrer literarischen Laufbahn stehen.
Wie haben Sie etwa zu Ihrem Autor Christoph W. Bauer gefunden? Und wie zu Raoul Schrott, der, Ende der 80er Jahre, „noch am Anfang stehend“ trotzdem dazu beigetragen hat, das – wie ich Ihrer Homepage entnommen habe, bis zu diesem Zeitpunkt auf Sachbücher zur regionalen Kultur und Geschichte spezialisierte – Verlagsprogramm zu modifizieren?
Christoph W. Bauer und Raoul Schrott sind als „Tiroler“ Autoren zu uns gekommen, zu einem Verlagshaus in Innsbruck, das sie kannten und schätzten. Da haben sicher persönliche Kontakte eine Rolle gespielt.
Die Hinweise bezüglich der Einsendung von Manuskripten sind, wie ich finde, auf Ihrer Homepage sachlich gehalten – ohne vordergründig abschreckende Wirkung. Ich nehme an, Sie erhalten viele unaufgefordert eingesandte Manuskripte... Wie darf ich mir den Begutachtungs- und, in weiterer Folge, Auswahlprozess vorstellen?
Alle Manuskripte werden bei uns von Mitarbeitern des Lektorats erstgeprüft, und werden, so sie in Frage kommen, in der Programmsitzung besprochen. Jeder Autor erhält von uns nach Eintreffen seines Textes und bei Ab- und klarerweise bei Zusage Bescheid. Da wir jährlich hunderte von unaufgefordert eingesandten Manuskripten bekommen, dauert es manchmal bis zu drei Monate, bis eine definitive Entscheidung getroffen werden kann.
Ausgewählt werden alle guten Bücher, die zu unserem Verlagsprogramm passen.
Wie darf ich mir die (inhaltliche, rechtliche, ...) Zusammenarbeit mit jenen Autorinnen und Autoren vorstellen, die bei Ihnen zum ersten Mal ihre Texte veröffentlichen?
Wie alle unsere Autoren bekommen auch Debütanten einen Autorenvertrag und ein ausführliches Lektorat.
Liegt es Ihrer Ansicht nach vor allem an (strukturell) jungen Autorinnen und Autoren, den Bereich des „Neuen, Unkonventionellen“ in Ihrem Verlagsprogramm abzudecken? Oder findet sich durchaus auch „Bewährtes und Bekanntes“ in den Texten neu im Haymon Verlag veröffentlichter Autoren und Autorinnen?
Es gibt gewiss Trends in der Literatur, die die unterschiedlichsten Stile abdecken. Für uns geht es um die literarische Stärke eines Textes, egal, ob experimentell oder konventionell erzählt.
wir müssen uns sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen
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