2007-04-02 00:10:44
Eine WG sprudelt nur so von Ideen und kreativen Gedanken. Sowohl in Wirklichkeit als auch im Buch. Dass Letzteres statt finden kann, hat uns Oliver Uschmann jüngst in seinem neuen Roman „Hartmut und ich“ bewiesen.
Als Zitat müsste bei dieser Rezension das komplette Buch angeführt werden. Da dies aber weder sinn- noch handlungsvoll ist, werden hier dem Leser andere Zeilen dargebracht.-
Ein
Anfangs mutet das Buch noch wie ein klassischer Schwulen-Roman an, in dem ein schwules Pärchen in einer gemeinsamen WG residiert und die Banalität über das Interessante siegt. Doch nach genauerer Lektüre, und das passiert bei „Hartmut und ich“ schon nach Bewältigung der ersten Seite, kann sich der Leser bewusst sein, den seit „Herr Lehmann“ genialsten Roman in den Händen zu halten. Denn in dem Buch, das von zwei sich als Antagonisten gegenüberstehenden Männern, von denen einer Hartmut heißt, der schöne Sätze wie „Improvisation ist die Muse des Erfinders!“ in die Welt schmeißt und der andere schlicht und einfach als Ich auftritt, handelt, befinden sich so unfassbar geniale und mit pittoresken Handlungssträngen unterworfene Geschichten, dass dem Leser spätestens jetzt klar wird, welch Schundromane er sich zuvor in `s Gehirn schleuderte.
Männer-
Hartmut und sein Freund sind ein seltsam-komisches Paar: Der eine, Hartmut, ist sehr experimentier- und abenteuerlustig, der sich immer gerne in waghalsige Aktionen stürzt. Der andere, Name unbekannt, hat nur ein Faible für seine Playstation, für ein Schaumbad und für seine Katze Yannick. Und gerade deswegen funktioniert das Buch! Der anekdotenhafte Roman wartet mit schönen und vor allem lachhaften Teilgeschichten auf. Ob sich die zwei Freunde ein Date vermasseln, eine für eine vom „Musiksender“ VIVA initiierte Party für eine Reality-Soap veranstalten, für ihre Katze Yannick eine Spielwiese in die fragile Wohnung hämmern wollen oder just eine Bombe in ihrem Haus finden – es macht alles Spaß!
WG-
Nicht eine Sekunde muss sich der Leser bei diesem Buch auf die vom Schweiß (Initiator: Buch) durchtränkte Stirn greifen, so schön ist das Buch! Beweisprobe:
„Sicher weiß ich, was eine Closeline ist“, schreie ich weiter, „ich habe sieben Jahre Wrestling gesehen! Aber du kannst doch nicht einfach diesen Typen da von seinem Rad rammen!“ Ich schreie selten mit Hartmut. Vielleicht ging es mir auch einfach nur zu schnell. Ich mag es nicht, wenn ich nicht mitkomme. „Eben!“, sagt Hartmut. „Ich zeige ihnen die ganze Absurdität dieses Diskurses auf! Stärke. Männlichkeit. Immer bereit sein, das Unerwartete zu erwarten. Prepared to fight. Licence to kill. Der ganze Scheiß. Siehst du“, sagt er und deutet mit der Nase zu dem hingestreckten Radfahrer, „der sieht jetzt, was das heißt, immer prepared zu sein! Damit hat er nicht gerechtet!“
Roman
Der Leser muss sich gezwungen sehen, den Namen des Autors, Oliver Uschmann, der 1977 geboren ist und sich als freier Autor, Musikjournalist, Dozent, Geisteswissenschaftler, Theorieadministrator (Haus der Künste) und Redakteur bei den Magazinen Visions und Galore betätigt, zu merken.
Das Buch „Hartmut und ich“, geschrieben von Oliver Uschmann, ist im Fischer Taschenbuch Verlag im Juni 2005 veröffentlicht worden.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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