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Hard Boiled

2008-12-16 10:26:12

  • frank miller city hard Boiled Sin
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Nixon ist Steuereintreiber und strapaziöse Titelfigur in Hard Boiled. Die Graphic Novel aus der Feder vom ruhmreichen Frank Miller, ist eine Erzählung, die keine Kompromisse macht und genau deswegen zu Begeistern weiß. Für Hartgesottene.

Nach den erfolgreichen Verfilmungen seiner bekanntesten Werke Sin City und 300, dürfte Frank Miller einer weitaus größeren Mehrheit von Leuten bekannt sein. Hard Boiled, 1990 erstmals erschienen, verfolgt ebenso einen radikalen Weg und durchstreift das Metier von SciFi-Schriftsteller Phillip K. Dick. Ein Aspekt fällt dabei besonders auf: Die zeichnerische Durchschlagskraft.

Second Life

Nixon, dessen Name im Verlauf ständig wechselt, besitzt ein Heim in einer schönen Siedlung, ist verheiratet, hat einen Hund und zwei Kinder. Beruflich ist er als Steuerfahnder tätig. Nixon liebt seinen Job. Mit einer Obsession verfolgt er Hinterzieher, um sie strafrechtlich zu verurteilen und die Steuern letztendlich doch noch einzutreiben. Nixon ist ein Cyborg. Halb Mensch, mehr Maschine. Er besteht aus Schaltkreisen, Metall und menschlichem Gewebe. Selbst auf Genitalien muss er nicht verzichten. Er ist kein Einzelfall, sondern er repräsentiert eine Art Übermensch, geschaffen von Konzernen, um niedere Arbeiten zu verrichten. Er selbst weiß davon allerdings Nichts. Als eines Tages die künstlichen Intelligenzen einen Putsch gegen ihre menschlichen Mitbewohner planen, und Nixon an vorderster Front für die Rechte der Maschinen kämpfen soll, reagiert er mit Argwohn und Vehemenz. Ob eine Umprogrammierung möglich ist?

Subjekt in Desorientierung

Exzessive Gewaltdarstellung ist bei Frank Miller keine Seltenheit. Mit Zeichner Geof Darrow hat er einen willigen Partner an seiner Seite, um faszinierende Szenarien und schlimme Gewaltakte auf Papier zu bringen. Die Welt, in der Nixon lebt bzw. funktioniert, ist keine besonders schöne. Überall liegt Dreck rum, die Straßen sind mit Müll übersät. Die Gesellschaft hat scheinbar alle Hemmungen abgelegt, Bedürfnisse werden auf offener Straße ausgelebt, Sex und Gewalt häufen sich an jeder Ecke. Alles ist erlaubt. Die Menschheit lässt sich auf vulgäre Verwahrlosung herunterstutzen. Soziale Betroffenheit ist ein Fremdwort, auch Hilfsbereitschaft scheint in dieser Zeit zu einer leeren Worthülse verkommen zu sein. Es gibt zwar die Exekutive, diese scheint jedoch in lähmendem Zustand. Wie passend, dass Nixon die Menschen als Kanonenfutter ansieht. Tod allen, die nicht mehr hinschauen und zuhören. Tod der Oberflächigkeit und Niedergang dem Trivialen. Miller weiß, wie er seine extremen Statements zu verpacken hat.

Zeichnerische Explizitheit

Hard Boiled kommt mit wenigen Dialogen aus, funktioniert durch die seitenfüllenden, raumgreifenden Zeichnungen von Geof Darrow trotzdem tadellos. Ein kurzes Hingucken reicht bei ihm nicht aus, ein rascher Blick erhascht nur Chaos. Sein genussvoll dargestellter Detailreichtum droht zu explodieren, ähnlich wie Nixons Aggressionslevel und Bereitschaft zu Töten. Die überbordenden Bilder bedienen sich in ihrer Schilderung der Verwüstung geschickt bei der Ikonografie. Eine Einladung zum Deuten und Erklären.

Darrow bringt großbürgerliches Begehren mit ansprechender Überzogenheit, Übertriebenheit und Konsumkritik zusammen. Er hält uns den Spiegel vor die Nase, in dem technologischer Fortschritt, Theologie, Markenbewusstsein, Zivilisationskritik und Selbstverliebtheit entsprechend kritisch reflektiert werden. Daneben steht Miller und verteilt Watschen an narzisstische Yuppies, Großkonzerne und reiche Aasgeier. Er benutzt die kybernetisch geschärften Sinne eines Cyborgs und dessen blindwütige Zerstörungswut, um dies zu verdeutlichen.
Nixon ist genau genommen ein maschinelles Mythos, gezeichnet von Blutdurst und schnell betriebener Gerechtigkeit. Er erledigt nur seinen Job, zwischen Heimsuchung und Vergeltung auf dem blutigem Asphalt der verfallenen Straßen dieser anstößigen Welt. Seine Taten führen zu Explosionen von Häusern, Kollisionen und brennenden Autos, Rauchschwaden und Asche, toten Gesichtern und zerstückelten Körpern. Dabei darf man nicht vergessen, wer ihn erschaffen hat: Der Mensch.

„Das Wiederfinden dessen, was der Mensch in die Dinge gesteckt hat, heißt sich Wissenschaft.“ (Friedrich Nietzsche)

Hard Boiled ist ein multiphysisches Konglomerat, eine Erzählung, die ihren Duktus dauernd ändert und trotzdem sie selbst bleibt. Unterhaltsam, streckenweise komisch und flapsig, gleichzeitig gut beobachtet, urteilsfähig und ernst im Abgang.
Diese wiederveröffentlichte Graphic Novel enthält Ingredienzien, die geeignet scheinen, die strengsten Moralisten aufhorchen zu lassen.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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