2010-09-30 17:15:10
Regie-Legende Michael Haneke sprach bei den Wiener Stadtgesprächen über die Oberflächlichkeit der Medien, seine eigenen Filmwerke - und warum er eben nicht in den Keller lachen geht.
Bei der 13. Ausgabe der Wiener Stadtgespräche versammelten
sich zahlreich gespannte Zuhörer in den Hallen des AK Bildungszentrums. Grund:
Moderator Peter Huemer begrüßte keinen Geringeren als den österreichischen
Regisseur Michael Haneke ("Das weiße Band", "Die Klavierspielerin") am Podium.
Was als Diskussion über die Wirkung visueller Medienbilder begann,
driftete bald in eine Vertiefung und Analyse über das filmische Schaffen
Hanekes ab. Das Publikum schien es nicht zu stören, im Gegenteil. Gebannt
blickte man aufs Podium, als Haneke nonchalant darlegte, warum seine Filme so
sind, wie Haneke-Filme eben sind – schonungslos in ihrer Intensität, berührend
und beklemmend zugleich, verstörend, aber auf ihre ganz spezielle Art fesselnd.
Ein Schuhmacher macht keine Hüte
Ob er nicht auch mal eine nette Komödie produzieren könnte?
„Nein, denn ich kann das einfach nicht. Man kann von einem Schumacher auch
nicht verlangen, dass er plötzlich Hüte machen soll!“
Typisch für seine Filme ist nicht zuletzt das bedrückende
Übermaß an Gewalt. Beispiel: Funny Games U.S., die zweite Fassung, die in den
USA allerdings floppte. Dennoch hat der Film eine Stimmung, die für den
Zuschauer oft kaum auszuhalten ist – bezeichnend für die Arbeit des Regisseurs.
Haneke selbst betont, dass das auf keine sadistischen Züge seinerseits
zurückgeht (wie ihm von bösen Zungen manchmal nachgesagt wird).
Ernster Humor
"Ich bin kein
Sadist, ich nehme die Dinge lediglich ernst!
Ebenso, wie ich das Publikum ernst nehme. Und jeder, der sich über die
Gewalt in meinen Filmen beschwert, ist eigentlich ein Heuchler. Man kann ja
jederzeit aufstehen und gehen." Das
Publikum "zu Selbstständigkeit zu vergewaltigen", es zum Nachdenken und zur
Reflexion zu bewegen, das sei sein erklärtes Ziel, sagt der 68-Jährige.
Lacht ein Michael Haneke eigentlich manchmal bei Filmen? "Ich schaue
gerne gute Komödien, ich gehe nicht in den Keller lachen, wie viele vielleicht
glauben! Aber ganz ehrlich: Nennen Sie mir einen Film mit Happy End, den Sie wirklich gut fanden."
Zur Person:
Michael Haneke (geboren 23. März 1942 in München) ist österreichischer Filmregisseur und Drehbuchautor. Seine Spielfilme ("Die Klavierspielerin", "Caché", "Das weiße Band") wurden vielfach preisgekrönt, unter anderem mit der Goldenen PalmeFilmfestspiele von Cannes, dem Golden Globe Award und dem Europäischen Filmpreis. An der Wiener Filmakademie lehrt Haneke seit 2002 als Professor für Regie.
Text von Amina Beganovic
beschäftigte sich schon im Biologieunterricht lieber mit Aphorismen und Kurzgeschichten als mit der Photosynthese. Widmet sich nun vor allem "Fokus" und ihren Geschichtebüchern.
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