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Hamburg à la Akin

2009-12-22 22:10:10

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Fatih Akin mischt in seiner Filmküche gar viele Zutaten ineinander. Und das Ergebnis spricht für sich. Soul Kitchen ist Komödie, Heimatfilm, Drama und vor allem eins: uneingeschränkt empfehlenswert.

Fatih Akin hat die Leichtigkeit entdeckt. Glaubte man ihn nach dem Überraschungserfolg von Gegen die Wand auf das ernsthafte Genre spezialisiert, so beweist er nun mit Soul Kitchen, dass er auch anders kann. Und wie! Die wahnwitzige Geschichte um den Restaurantbesitzer Zinos (Adam Bousdoukos) und die Schicksalsschläge des Lebens lassen einfach niemanden unberührt. Es gibt wahrscheinlich wenige Filme, in denen man sowohl vor Lachen – Bandscheibenalternativbehandlung beim Knochenbrecher von Harburg – als auch vor tief empfundenem Schmerz Tränen in den Augen verspürt. Dementsprechend breit ist auch die Palette, die Akin in seinem Film zur Schau stellt. Einerseits komödiantisch absurd, andererseits fatal realitätsnah werden die Irrungen und Wirrungen der Gegenwart in Form eines urbanen Heimatfilms der Multikultur umgesetzt.

Hamburg-Wilhelmsburg

Die Kulisse hierfür bieten die heruntergekommenen Industrieruinen von Hamburg-Wilhelmsburg. Hier hat Zinos sein Restaurant Soul Kitchen, in dem er neben der entsprechenden Musik noch billigstes Junk-Food unter die Leute bringt. So weit so gut. Doch mit einem Mal scheint ein launischer Gott Zinos seelisches Gleichgewicht im Stile der Hiob-Erzählung ins Wanken zu bringen. Kaum ist seine gutbetuchte Freundin Nadine (Pheline Roggan) als Korrespondentin nach Shanghai ausgewandert, erleidet Zinos einen Bandscheibenvorfall. Dumm nur, dass er keine Krankenversicherung besitzt. Ein Puzzleteil fügt sich ins andere. Als Ersatzkoch wird der exzentrische Spitzenkoch Shayn (Biröl Ünel) engagiert, der mit seiner Avantgardeküche auch die letzten Gäste vertreibt, Zinos kleinkrimineller Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) steht plötzlich vor der Tür und verlangt nach einem Job im Restaurant und nicht zuletzt macht das Gesundheitsamt mächtig Druck wegen missachteter Hygienevorschriften im Küchenbereich.

Auf der anderen Seite

Doch dann scheint sich plötzlich wieder alles zum Guten zu wenden. Das Restaurant entwickelt sich zum Szene-Treff, Illias verliebt sich in Zinos Kellnerin (großartiges Debüt: Anna Bederke) und auch das Gesundheitsamt kann mit einer komplett neuen Küche zufrieden gestellt werden. Letztendlich hält das Pendeln zwischen den emotionalen Extremen aber weiterhin an, weswegen sich der Zuschauer nie auf der sicheren Seite fühlen kann und aus dem Staunen ob der verwinkelten Geschichte nicht mehr herauskommt. Dazu trägt auch das herausragende Schauspielerensemble seinen Teil bei. Stellvertretend erwähnt sei hier die narrativ eigentlich überflüssige Figur des Bootsbauers Sokrates (Demir Gökgöl), die dem Film jedoch einiges an Charme verleiht.

Ende gut, alles gut

Am Ende wirkt nach all den erlebten Skurrilitäten dann nicht einmal mehr das Zuckerguss-Happy-End aufgesetzt, weil Fatih Akin es schafft, sich und seine Figuren spielerisch immer wieder neu zu erfinden und spöttisch zu hinterfragen. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch der Abspann noch einmal in neues ästhetisches Gewässer schippert und damit den Film mit Blick auf den Titel gekonnt abrundet. Fazit: Soul Kitchen setzt dem Kinojahr 2009 die Krone auf.

FILMSTART: 25. Dezember 2009

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