Dem Wien-Favoriten Korrespondent von FM5 bot sich die nicht ganz einmalige Gelegenheit den Wahlkampfauftakt der FPÖ praktisch vor der Haustür zu erleben. Und gerade weil sich das Spektakel inhaltlich kaum vom letztjährigen Auftakt zum EU-Wahlkampf unterschied, wäre Edmund Sackbauer auch heuer wieder stolz auf seinen Fan "HC" gewesen.
Echt Wien
Den Platz, den die FPÖ für den Auftakt ihres Wien-Wahlkampfs gewählt hat, ist doppelte Provokation: Der Viktor-Adler Platz ist nach einem der bedeutendsten österreichischen Sozialdemokraten benannt und befindet sich außerdem in einer Gegend mit hohem MigrantInnen-Anteil. Andererseits residierte der " echteste" aller Wiener - Edmund Sackbauer - nur einige Straßen weiter, dessen Untergang FPÖ-Chef Strache - zumindest seinen Wahlplakaten nach - verhindern will.
War im Jahr davor, im Zuge des Wahlkampfs zur Wahl des EU-Parlaments, noch Altmeister Jörg Haider mit von der Partie so ist nach diesem turbulenten Jahr bereits alles auf Heinz-Christian Strache ausgelegt. Im Hintergrund der Bühne postieren sich bereits schöne junge Menschen mit weniger schönen Sprüchen auf kleinen Taferln, die sie der Menge dezent entgegenstrecken.
Echte Wiener
Zwar ist der Viktor-Adler Platz auch an anderen Tagen sehr belebt; an diesem Abend ist er aber sogar für seine Verhältnisse gut gefüllt. Das Publikum ist gemischt und reicht vom Würschtlstand-Besucher über die Pensionistin bis zum skeptischen Bürgerlichen mittleren Alters. Nicht zu vergessen die Jugendlichen der FPÖ-Burgenland in ihren feschen gelben Jacken und kahlrasierte Pubertierende aus der Umgebung. "HardCore" Strache spult inzwischen auf der Bühne ein souveränes Programm ab. Scheinen ihm kritische Interviews noch Probleme zu bereiten - wie Armin Wolf in den Sommergesprächen eindrucksvoll bewies - so hat er sich inzwischen zu einem passablen Redner entwickelt. Die lange Anspache handelt von Altbekanntem: Strache wettert gegen Asylbewerber, Einwanderer, den EU-Beitritt der Türkei und die politischen Mitbewerber. Seine Liebe fürs Duell ist ja hinlänglich bekannt, und so stilisiert er auch den Wahlkampf zu einem Duell zwischen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und sich bzw. seinem Alter-Ego HCMan hoch. Wurde Strache bereits in den Sommergesprächen des Plagiierens überführt so brilliert er auch diesmal mit altbekannten Sprüchen. Dabei darf der Hinweis auf die berüchtigte "Ostküste" genauso wenig fehlen wie die Parole "Heimreise statt Einreise" die die NPD in Deutschland verwendet. Um eine genaue Auflistung dieser "Covers" hat sich der Online-Standard bemüht (siehe Link).
Echte Polizei
Ansonsten bietet der Abend wenig überraschendes. Wie üblich haben sich einige GegendemonstrantInnen eingefunden, die einer Reihe wuchtiger WEGA-Beamten gegenüber stehen, die für alles gewappnet scheinen. Ein ebenfalls wuchtiger Pensionist lässt sich während der Rede zu begeisterten "Zugabe"-Rufen hinreißen während ein vorbeischlenderndes Mädchen mit Kopftuch zu ihrer Freundin meint: "Ich kann eh Deutsch" und damit auf das Plakat "Deutsch statt Nix verstehn" anspielt, das auf der Bühne natürlich nicht fehlen darf.
Echte FPÖ
Spannend wird es lediglich, wenn Strache auf die ehemaligen Partei-FreundInnen vom BZÖ anspricht, die er kurz "die Orangierten" nennt. Spannend deshalb, da sich sicher auch zahlreiche Leute im Publikum finden, die mit derselben Begeisterung im Jahr davor noch Haider applaudiert haben. Als Freund des und der "(R)Echten" sieht Strache seine FPÖ naturgemäß auch als echte FPÖ, die ihre Ideale niemals verraten wird. Damit gibt sich das Publikum anscheinend zufrieden und hat das BZÖ wie selbstverständlich bereits in die Reihe der politischen Gegner aufgenommen.
Der Abschied
Nach der erschöpfenden Rede nimmt Strache zu den Klängen von "I am from Austria" das verdiente Bad in der Menge.
Um auch materiell von dem Abend zu profitieren lasse ich mir einen HC Strache Kugelschreiber zustecken, während neben mir ein Jung-FPÖler aus dem Burgenland die integrierte Taschenlampe des HC-Feuerzeugs vorstellt.