2008-02-14 17:21:52
Am Ende eines jeden Teeniehorrorfilms gibt es ein süßes Mädchen, das überlebt. In 'Hack/Slash' sind es die Killer und Psychopathen, die sich vor der angriffslustigen Titelheldin in Acht nehmen müssen, um nicht das Gras von unten wachsen zu sehen.
Hack/Slash, vom amerikanischen Independent-Comicverlag Devil's Due, unterlässt die langweiligen Versuche der Wiederholung des Altbekannten und dreht den Spieß
der meisten Horrorfilme gehörig um.
The first cut is the deepest
Was schon Sänger und Songschreiber Cat Stevens oder Barde Rod Stewart wussten, hat sich auch Cassie Hack hinter die Ohren geschrieben und gemerkt.
Das Opfer, das selbstverständlich vor dem vermeintlichen Killer in die falsche Richtung läut, gibt es hier nicht.
Die üblich weiblichen Protagonistinnen handeln kurioserweise stets falsch und entscheiden sich abermals für den falschen Weg um ihren hübschen Kopf zu retten, sei es nun der zweite Stock ihres Hauses, wo sie sich dann im Badezimmer einsperren und dort bis zu ihrem Tod warten, oder die gefährliche Flucht aus dem Fenster antreten, dessen Vorhaben am Ende zu einem Genickbruch führt.
Cassie Hack kommt schon gar nicht in eine solch diffizile Lage.
Sie ist die Jägerin, sie nimmt zusammen mit ihrem großwüchsigen und etwas entstellten Partner Vlad die Fährte nach fiesen Mördern, Irren, Untoten und Psychopathen auf, um so Unschuldige zu beschützen.
Sie ist die traumatisierte Antiheldin, die in ihrer Kindheit durch eine schwere Zeit gehen musste.
Cassie wuchs allein mit ihrer exzentrischen Mutter auf, der Vater hatte die Familie kurz nach ihrer Geburt verlassen.
In der Schule wurde sie gemieden, Freunde hatte sie nicht.
Die Situation verbesserte sich auch dann nicht, als ihre Mutter, die als Küchenchefin dort arbeitete, die Schüler als Fleischersatz zum Mittagessen servierte, die ihre Tochter mobten und malträtierten.
Keine pädagogisch wertvolle Methode um seinen Kindern zu helfen.
Als die örtliche Polizei dahinter kam, beging sie schließlich Selbstmord, und steckte ihren Kopf in einen Topf mit heißer Soße.
Wenig später stand sie jedoch von den Toten auf und Cassie war es, die sie schließlich endgültig unter die Erde brachte.
Kaum verwunderlich, dass diese Szenarien nicht einfach spurlos an ihr vorbeigegangen und seelische Narben geblieben sind.
Heutzutage hat ihr Leben einen sicherlich merkwürdigen Sinn. Im knalligen Gothic- und angesagten Emo-Look zieht sie durch die amerikanischen Städte. Sie geht auf die Pirsch und macht so das beste aus ihrer kruden Vergangenheit, um nicht selbst verrückt zu werden oder daran zu Grunde zu gehen.
Not every girl is a victim
Hack/Slash persifliert in Comicform ein Genre, das sich selbst auch schon des Öfteren in ein anderes, humorvolles Licht rückte, manchmal sogar unfreiwillig.
Drastische Panels und satirische Dialoge wechseln sich ab und halten die Waage im Einklang.
Ebenfalls werden gesellschaftskritische Themen behandelt, die meist unter der blutigen Oberfläche der Slasher-Jagden zu finden sind.
Ob es nun christlicher und religiöser Wahn, falsche Erziehung, soziale Missstände & Ungerechtigkeiten oder die orientierungslose Jugend, die sich betrinkt, unentwegt Party macht und nur an schnellen Sex denkt sind. Alles hat seinen Platz.
Natürlich geht man nicht in die erzählerische Tiefe, denn Hack/Slash will vor allem eins: Unterhalten.
Und zwar mit vielen Litern Blut, hübschen Girls, viel nackter Haut, aufblinzelnder Unterwäsche, und variantenreich zusammengeschusterten Stories, die schon mal einen Lacher evozieren.
Die skurrilen Charaktere, wie die verfressene Lunch Lady, der tote Tiere erweckende Bobby, oder der von den Untoten auferstandene Pfarrer Wrath, der von dem christlichen Mädchen Laura mittels Magie auf einem Spring Break manipuliert wird.
Die Zeichnungen von Stefano Caselli sind dunkel und wirken fast wie gemalt, da sie nicht geinkt sind, hingegen führt Federica Manfredi einen klaren, modernen Strich mit freundlicherer Farbgebung.
The killer of killers
Kultpotenzial ist bei dieser Comicserie vorhanden, ein Theaterstück gibt es bereis und Gespräche für einen Film laufen ebenso.
Band Nummer 2, die Tödliche Fortsetzung, erscheint im Juli 08 bei Cross Cult.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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