2007-08-03 17:24:13
Das britische Produzentenduo Coburn liefert ein Debütalbum, das sich gewaschen hat: Darauf sind Nummern für garantiert jede Gemütslage zu finden.
Es beginnt mit Fanfaren und man merkt es bereits: Hier haben die Trompeten mehr als üblicherweise zu verkünden; das 18 Sekunden lang dauernde Intro (National Anthem of the Coburn Republic) zeugt davon. Was danach folgt, klingt so vital und überzeugend, dass es beinahe nicht für möglich gehalten werden kann.
Destroy boredom!
„Wir wollten uns ganz bewusst von all den typischen Dance-Platten absetzen und etwas Eigenes generieren, das eben nicht nur im Club sondern genauso gut zu Hause funktioniert.“ Und: „Die Leute wollen wieder richtige Songs hören und nicht nur ein paar langweilige Beats.“ So die zwei Männer hinter dem britischen Soundprojekt Coburn, Tim Healey und Pete Martin. In diesen zwei Sätzen ist sehr gut zusammengefasst, was das 21. Jahrhundert besser machen sollte: Nämlich die elegante Verbindung von Club und Wohnzimmer. Und die obligate Verdrängung der Langeweile durch sowohl aufgepumpte als auch leise vor sich hin brodelnde Beats. Klingt selbstverständlich, ist aber nicht so, vor allem, wenn die Unmenge an Formationen, deren Soundverständnis nur peinlich ist, unter die Lupe genommen wird. Das fantastische Duo – auf dem Cover als uniformierte Dandies mit Zigarre und Sonnenbrille zu sehen – wurde im Jahr 2003 gegründet. Deren Protagonisten waren jedoch schon davor als Progressive-House-DJs und -Produzenten recht aktiv, und auch nebenbei fungiert zum Beispiel Pete Martin als kreativer Kopf des Projektes Cass & Slide.
Das Mehr an Disco
Ihr gleichnamiges Debütalbum, das mit renommierten Musikern wie Princess Superstar, Solid State, Heidrun und Dean van Jones eingespielt wurde, bietet erstaunliche Vielfalt, was das formale Ästhetikkonzept der Songs betrifft: Hier trifft ein Disco-Kracher (Give me Love) auf eine emotionale, die Tränendrüsen schwer belastende Nummer (10000 Leagues). Und auch die etwas rocklastig Angehauchten sind mit dem Song I get my Kicks bestens versorgt: Der tritt in den – pardon! – Arsch, Baby! Für exzessiv harmoniebedürftige Menschen dürfte aber wohl der Track Razorblade der Beste sein, dem Heidrun ihre fabelhafte, verzückende Stimme borgt. So muss allen kritischen Beobachtern der elektronischen Sparte verkündet werden: Das war noch nicht das Ende! Denn solange dieses phänomenale Duo Coburn noch ein Wörtchen mitzureden hat, dreht sich die Discokugel weiter und weiter… Burn, Baby, Coburn!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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