Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Höflich sterben - Immer nie am Meer

2007-04-02 00:10:34

Immer nie am Meer heißt der neue Film von Antonin Svoboda: Christoph Grissemann, Dirk Stermann und Heinz Strunk am Gipfel der alltäglichen Absurdität.

Grissemann, Stermann und Strunk reisen nach Bulgarien um dort unter dem Bett liegend bei fröstelnder Kälte ein Drehbuch zu schreiben. Die Umstände sollen möglichst so sein, wie später im Film: realistisch, fühlbar und inspirierend. Die endgültige Fertigstellung sollte aber noch länger dauern. „Zuerst war es ja tatsächlich als Komödie geplant, obwohl es jetzt nach drei Jahren als Tragödie geendet hat. Da haben wir total versagt. Es ist in Wahrheit kein funktionierender Witz drin. Jetzt muss man es eben als tragischen Film verkaufen.“, sagt Grissemann. Und deshalb nennt man das Genre kurzerhand und wohl am passendsten: Psychogroteske. Nach dem Drehbuch für den Abschlussfilm an der Filmakademie ist „Immer nie am Meer“ bereits das zweite Drehbuch der beiden für Regisseur Antonin Svoboda („Spiele Leben“).

Die Misere

Baisch (Stermann) und sein Schwager Anzengruber (Grissemann) kommen gerade von einer Party. Auf einer einsamen Waldstraße lesen sie den Schwanenmeister (Strunk) auf, der beim Masturbieren auf eine Geherin (Eva Maria Neubauer) versehentlich auf die Kupplung gedrückt und so das Auto in den Wald verfrachtet hat. Sekunden später taucht die Geherin vor Baischs Auto auf und wird auch ihnen zum Verhängnis – sie kommen von der Fahrbahn ab. Eingeklemmt zwischen zwei Bäumen lassen sich die Türen (das Auto ist ein 3-Türer) nicht mehr öffnen, die elektrischen Fensterheber sind kaputt und die Versuche, die Fenster einzuschlagen scheitern kläglich. Schließlich gehörte das Auto einmal Kurt Waldheim und hat Scheiben aus Panzerglas. Mit ein paar Flaschen Prosecco, dem Rest Heringssalat vom Fest und Problemen, mit denen Menschen mit der Zeit einfach zu kämpfen haben, warten die drei auf Hilfe. Aber der einzige, der kommt, ist ein an Verhaltensforschung interessierter kleiner Junge (Philip Bialkowski). Einer der lustigen Momente.

Antihelden

Der Schauplatz der Geschichte verengt sich auf das Auto. Die Anfangs noch gefasste Situation wird zusehends absurder. Das ab und an eingeschaltete Radioprogramm bietet Gymnastikübungen, die brav mitgemacht werden, die Showeinlagen des Schwanenmeisters (er ist Komiker) ziehen im Gegensatz zu seinem vorherigen Auftritt in dieser Situation und auch die Dialoge überschlagen sich von den ersten sexuellen Erfahrungen bis hin zum Rezitieren eines Kindergedichts. „Sie sind kleinlaute Antihelden, fies, hinterlistig und gemein, und vielleicht gerade deshalb haben sie ein unbeugsames Herz, das aus ihnen herauspocht.“, sagt Svoboda über seine Charaktere. Aber irgendwie ähneln sie doch sich selbst, im wirklichen Leben. Schließt man die Augen, wird man das Gefühl nicht los, man höre gerade eine Sendung auf FM4. Grissemann, Stermann plus Gast gepaart mit ein bisschen Hörspiel à la Orson Welles’ „The War of the Worlds“ von 1938. Trotzdem hat der Film durchaus seine (besonders emotionalen) Momente. Komik schlägt um in Angst und Wut, übertriebene Heiterkeit in Hysterie und Hilflosigkeit. Oft bleibt das Gefühl aber einfach ambivalent und ob eine Situation nun wirklich komisch oder schlichtweg traurig ist, bleibt dem Zuschauer überlassen. Genauso wie das Ende.

Gewinnspiel

Wir verlosen 2x2 von Eristoff Tracks gesponserte Karten für die Filmpremiere und die anschließende Premierenfeier von „Immer nie am Meer“ am 7. März um 19:30 Uhr in den Village Cinemas Wien Mitte - in Anwesenheit von Grissemann, Stermann und Strunk. Schick dazu einfach ein E-Mail an film@fm5.at (Name und Adresse nicht vergessen!).

Der Film startet am 9. März.

Printer Icon



AutorInnen

Mirjam Bromundt

Mirjam Bromundt

Vorarlberg | Wien | Valencia | nach der Publizistik | Grafik | Fotografie | Kreativität | Film | umsetzen | spielen | schreiben | Musik | Patchworkarbeit | interessiert | Chancen | nachdenken | leben

Newsfeed Icon Newsfeed von Mirjam Bromundt abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop