2008-03-19 10:36:33
Mit seinem visuell untypischen Stil versetzte er die Modewelt in Verzückung und zeigte dabei mehr als nur zur Schau gestellte Mädchen in knapper Bekleidung.
Keiner wusste die Farbe Rot so gekonnt einzusetzen wie er. Der subtile Farbklecks, der die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht, als wäre er nur nur für die Inszenierung von Guy Bourdin geschaffen worden. Ob rote Schuhe, Strümpfe, Haare oder Blut, das aus Mundelwinkeln und Steckdosen austritt - einen Hang zum Fetisch kann man wahrlich nicht absprechen.
Art or Fashion?
Hochglanz, Glamour, Stardom, Ruhm - und noch etwas Unscheinbares, Gefährliches.
Guy Bourdin (1928-1991) revolutionierte in den 70ern die Modewelt und stellte sie förmlich auf den Kopf.
Er nutzte die Gegenstände der Mode um seine Sicht auf die Welt zu repräsentieren und besondere Geschichten zu erzählen. Für die publizierende Modeinstitution Vogue schuf er unvergessene Bilderstrecken, die ihren Reiz heute noch immer nicht verloren haben.
Schuh, schön wie du
Besonders die Schuhe von Charles Jourdan wusste er ebenso raffiniert wie gekonnt in Szene zu setzen. Das Setting skurril, witzig, sexy und lustvoll, aber auch düster und beklemmend, dass es an lynchhaften Metaphern nicht fehlt: Wenn Nebelschwaden die Models zu verschlucken drohen oder die Finsternis im Schlafzimmer Einzug hält.
Ob Frauen hüllenlos im Sand liegen und dabei ihre Pumps präsentieren oder der Vorgang nur für Stilettos und Sandalen aufgeht, der Schuh trohnt über allem und bleibt wiederkehrendes
Kernelement in den unterschiedlichsten Szenarien und Kompositionen. Wenn da mal kein Jauchzen durch die Fangemeinde von Schuhsüchtigen und Sex And The City-AngängerInnen geht.
Porno? Von wegen. Die schlanken, jungenhaft wirkenden Models bieten keine große Projektionsfläche dafür und eignen sich nicht zur Stimulation der sexuellen Fantasie. Statt dessen: Die Brechung von Zeit und Form, das Kindlich-Naive in ernsten erwachsenen Rollen sowie Mord und Totschlag als Werbekampagne.
Irritation, Faszination.
Was seine Bilder angeht, soll Bourdin ein Perfektionist gewesen sein.
Man hörte Gerüchte von Models, die er nackt in der Kälte stehen ließ, bis sich deren Haut violett färbte, weil es natürlicher und dadurch besser aussah. Noch immer dient seine Arbeit der Popkultur als Inspiration.
Selbst die Queen of Pop bediente sich bei seinen Werken. Madonna wurde jedoch schnell mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert, weil der Clip zum Song Hollywood Szenen aus Bourdins Fotos nachstellte. Seine Erben klagten und gewannen schließlich den Rechtsstreit.
Nach Ausstellungen in London, Paris und Tokio, zeigt das Kunsthaus Wien erstmals seine Werke auch in Österreich.
Ob Farbfotografien, Polaroids, Schmalfilme, Dias oder Landschaftsaufnahmen in schwarz-weiß, Bourdin setzte sich selbst keine Grenzen und auch die Ausstellung ist im Stande dies angemessen zu reflektieren.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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