2008-11-05 21:26:43
Der letzte Artikel der vierteiligen Serie liefert eine abschließende Interpretation zu Machiavelli und Hobbes.
Die vierteilige Serie zu Niccoló Machiavelli und Thomas Hobbes unter dem etwas großspurigen Titel "Grundlagen der modernen Staatstheorie" geht hiermit zu Ende. Was bleibt ist die Interpretation. Denn nachdem wir die Theorien von Machiavelli und Hobbes in Grundzügen kennen bleibt die Frage wie sie einzuordnen sind. Hier ein Vorschlag.
Interpretation von Horkheimer
Ich finde die Überlegungen von Max Horkheimer zu Machivalli und Hobbes am einleuchtendsten. Das Mastermind der Frankfurter Schule hat sie in jungen Jahren im Aufsatz "Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilosophie" dargelegt.
Für Horkheimer sind Machiavelli und Hobbes die Vorboten des Bürgertums. Dies widerspricht dem gängigen Bild, in dem Machiavelli und Hobbes oft als Verfechter eines autoritären Staates gezeichnet werden. Doch alles was wir in dieser Einführung zu Machiavelli und Hobbes erfahren haben zeigt: die Argumentation von Horkheimer hat einiges für sich.
Der wichtigste Punkt
Der gemeinsame Nenner des Republikaners Machiavelli und des Monarchisten Hobbes ist ganz einfach: ihre Staatskonzeptionen sind gegen den Adel gewandt. Republik und Absolutismus begünstigten beide den Aufstieg des Bürgertums, gerade weil in ihnen die Rolle des Adels eine beschränkte war.
Bürgerliches Arbeitsverständnis
Für beide war außerdem die Not der Menschen ein Motor des Fortschritt. Durch die Arbeit ließe sich ihrer Auffassung nach diese Not mindern. Machiavelli und Hobbes hatten damit bereits ein sehr bürgerliches Arbeitsverständnis. Horkheimer meint dazu: "Machiavelli verabscheut den Adel nicht nur, weil er den Reformen Trotz bietet, der bürgerlichen Entwicklung allgemein im Wege steht, indem er die Bildung zentraler Regierungsgewalten und großer Staaten hemmt, sondern auch deshalb, weil er keine bürgerliche Arbeit verrichtet" (ebd., 189).
Auch bei Hobbes
Ähnlich sieht es Hobbes, der zwar meint, unverschuldet in Not Geratene müssten vom Staat unterstützt werden, "wer aber von diesen zu körperlicher Arbeit noch tauglich ist, den muß man auch dazu anhalten (...)" (Hobbes 1970, 288).
Das Staatsverständnis
Machiavelli und Hobbes wird zugeschrieben, die Politik als Wissenschaft entdeckt zu haben. Doch gleichzeitig schränken sie in ihren Theorien den Gestaltungsraum der Politik massiv ein. Bei beiden soll der starke Staat lediglich für Ruhe und Ordnung sorgen, damit die Bürger ohne Probleme dem freien Handel nachgehen können. Der Staat wird auf die Rolle des Nachtwächters reduziert.
Der Irrtum
Machiavelli und Hobbes erhofften sich dadurch das Wohl aller zu erhöhen. Nur hatten dabei implizit lediglich das Bürgertum vor Augen und verwechselten es mit dem Allgemeininteresse.
Doch 1789 - 110 Jahre nach dem Tod von Hobbes - betrat langsam eine neue Kraft die Bühne, die sich nicht im Bürgertum wiederfand: BäuerInnen und ArbeiterInnen: der vierte Stand.
Das Schlußwort
Viele wichtige Punkte konnten hier nur angedeutet werden. Sie am Bildschirm auszuformulieren wäre schon als Schreibender anstrengend, lesen kann man solche Textwüsten nur auf Papier. Dazu möchte ich euch anregen, Literatur zum Thema gibt's genug.
Die Serie ist hiermit aus. Ich kann mir vorstellen, dass sie zu lesen eine gewisse Herausforderung darstellte. Auch sie zu schreiben war eine Herausforderung - aber eine schöne.
Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.
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