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Grundlagen der modernen Staatstheorie I

2008-07-30 10:56:09

  • Machiavelli Niccolò
  • thomas Hobbes Leviathan

Die neue Serie 'Grundlagen der modernen Staatstheorie' bietet einen leicht verständlichen Einstieg in das Werk von Niccolò Machiavelli und Thomas Hobbes. Denn über beide ist viel Unsinn im Umlauf.

Sucht man auf amazon.de nach "Machiavelli", findet sich an erster Stelle natürlich Der Fürst. Doch gleich danach Der kleine Machiavelli: Handbuch der Macht für den alltäglichen Gebrauch, und später Machiavelli für Manager sowie Machiavelli für Frauen. Kein Zweifel, der Mann ist der Inbegriff für Macht und Skrupellosigkeit.
Bei Thomas Hobbes denkt man sofort an „der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ (ein Satz der sich übrigens nur in einer Widmung, und nicht - wie oft angenommen - im berühmten Werk Leviathan findet).

Hobbes gilt mit seinem Leviathan also als Vater des pessimistischen Menschenbildes und des totalitären Staates, während Machiavellis Fürst angeblich die Bibel autoritärer Brutalo-Herrscher ist.

Vorurteile beseitigen

Diese Serie soll mit diesen Vorurteilen aufräumen und einen anderen Blick auf Machiavelli und Hobbes werfen, und das Ganze noch möglichst leicht verständlich und einstiegsfreundlich.
Angelegt ist sie auf vier Teile:

1. Einführung
2. Machiavelli
3. Hobbes
4. Resümee - Machiavelli und Hobbes als Wegbereiter des Bürgertums


Diese Einführung liefert einige biografische Fakten sowie Hintergrundinformationen zu Machiavelli und Hobbes. Im zweiten und dritten Teil geht es dann rein in die Materie, mit je einem Teil zu Machiavelli und Hobbes. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung, eine abschließende Interpretation sowie ein kleines Quiz.


Niccolò Machiavelli - Leben und Werk

Niccolò Machiavelli wurde 1469 in Florenz geboren wo er 1527 auch starb. Ab 1498 hatte er wichtige politische Ämter der Republik Florenz inne bis er 1512, nach der Rückkehr der Medici, abgesetzt wurde und sich auf sein Landgut zurückzog. Hier schrieb er den Fürst sowie die Discorsi, letztere erschienen jedoch erst nach seinem Tod 1531.
Die Zeit der Renaissance mit ihren Umwälzungen erlebte Machiavelli als hoher Politiker in Florenz hautnah mit. Neben der Römischen Republik bildet deshalb besonders die Republik Florenz den Bezugspunkt für seine Überlegungen.

Obwohl die Discorsi das Hauptwerk von Machiavelli sind, erlangte er durch die kleine Schrift über den Fürsten, die während der Arbeit an den Discorsi entstand, Berühmtheit. Bis heute hält sich daher das Bild von Machiavelli als Verfechter der skrupellosen Fürstenherrschaft. Erst wenn man die Discorsi liest, lässt sich dieses Bild berichtigen, und es wird klar, dass Machiavelli eigentlich der Republik den Vorzug gab.

Thomas Hobbes - Leben und Werk

Thomas Hobbes wurde 1588 in England geboren. Ebenso wie Machiavelli erlebte er die Umwälzungen dieser Zeit am eigenen Leib, in seinem Fall den Bürgerkrieg in England. Bei zahlreichen Reisen durch Europa kam er in Bekanntschaft mit wichtigen Werken und Denkern der damaligen Zeit (u.a. Descartes), ehe er 1640 aus Angst vor Verfolgungen durch das englische Parlament nach Paris floh.
Nach der Hinrichtung Karl I. 1649 begann er mit der Arbeit am Leviathan, den er 1651 fertigstellte und der ihm rasch Kritik vom Exil-Hof in Paris einbrachte. Er kehrte nach England zurück, wo er auch nach der Restauration der Monarchie 1660 blieb und 1679 starb.

Hatte Machiavelli rund hundert Jahre zuvor die Umwälzungen in Italien miterlebt, so ist es Hobbes in England ähnlich ergangen. Seine Schrift Leviathan war  in dieser Zeit der Auseinandersetzung zwischen Parlament und König besonders aktuell und umstritten. So revidierte er nach der Rückkehr der Stuarts in einer Neufassung des Leviathans 1668 seine Kritik an der Kirche. Ebenso ist hinlänglich bekannt, wie sehr dieses unmittelbare Erleben des Bürgerkriegs (oder auch die Beschäftigung mit dem Peloponnesischen Krieg, dessen Geschichte von Thukydides er 1628 übersetzte) seine Ansichten beeinflusst haben.

Machiavelli und Hobbes lesen

Für all jene, welche bis zum nächsten Teil der Serie nicht mehr warten können, und sich selbst mit Machiavelli und Hobbes beschäftigen wollen einige Literaturtipps.

Als erster Überblick bieten sich die Artikel auf Wikipedia an, die sowohl für Machiavelli als auch für Hobbes brauchbare Informationen liefern.
Aus den Bergen an Sekundärliteratur sticht das 2007 erschienene Handbuch Geschichte des politischen Denkens hervor. Darin finden sich Beiträge zum Fürst und zum Leviathan, die auf wenigen Seiten viele wichtige Punkte behandeln.

Machiavellis Fürst und Discorsi gibt es in günstigen Ausgaben des Insel Verlags, für Hobbes Leviathan empfiehlt sich die kostengünstige Reclam-Ausgabe mit einem ausgezeichneten Nachwort. Wer allerdings am gesamten Leviathan interessiert ist (der dritte und vierte Teil spielen für die Staatstheorie praktisch keine Rolle, finden sich deshalb nicht in der Reclam-Ausgabe) muss zur dickeren Suhrkamp-Ausgabe greifen, herausgegeben vom Doyen der deutschsprachigen politischen Philosophie, Iring Fetscher (ein Interview mit Fetscher gibts übrigens hier).

Die Bücher von Machiavelli sind leichter zu lesen als der Leviathan. Während Machiavelli konkret und beispielhaft schreibt, legt Hobbes seine Staatstheorie viel systematischer und allgemeiner an. Dafür kann man bei Hobbes leichter den Überblick behalten und nachschlagen, weil er seine Theorie Schritt für Schritt entwickelt, während Machiavelli von einem zum anderen springt.

Im nächsten Teil: Niccolò Machiavelli - der Republikaner

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AutorInnen

Martin Bartenberger

Martin Bartenberger

Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.

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