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Grippezeit ist die schönste Zeit

2007-11-17 20:33:04

  • tabletten, pills

Sick, Sick, Sick – Eine Woche Isolation zwischen Scrubs Staffel 5 und verächtlichem Apothekerblick.

„Gibt’s was Schöneres als krank zu sein?“

kommt dem Neu-Erkrankten bald in den Sinn. Ich spreche von jener sagenhaften Erkenntnis, an welcher Stelle es dem Infiziertem wie Schuppen von den Augen fällt, dass sämtliche Pflichten nicht nur stehen und liegen gelassen werden dürfen, sondern sogar müssen, damit einer schnellen Genesung nichts im Wege steht.  „Das ist wohl im Sinne aller“, denkt man sich und blickt erstmals seit langem mit gutem Gewissen auf unerledigte Text- und Lesearbeiten. Es darf sich ins Bett gekuschelt und den unproduktivsten Leidenschaften gefrönt werden, denn dank modernster Medizin lässt sich geschwind eine vorläufige, künstliche Besserung erzielen, die trotz Krankheit eine relativ positive Grundstimmung zulässt.
Soweit zum Krank-Sein in der Theorie.  Doch wie wir jeden Tag aufs Neue erleben dürfen, haben sich Theorie und Praxis in Wirklichkeit nicht immer viel zu sagen. So nahm das Schicksal diesen Lauf und sollte mir eine der bescheidensten Wochen seit langem bescheren.

First Trouble in Sick-Heaven

Das erste, reale Problem, welches mich schwuppidiwupp aus meinem perfekt konstruierten Illness-Paradise holte, war die leidige Notwendigkeit der Medikamentenbeschaffung. Weswegen ich das gelobte Bett kurzzeitig zu verlassen und mich in die Arme einer nahegelegenen Apotheke zu begeben hatte. Eine davon befand sich in einem Shoppingcenter nicht weit entfernt. Noch relativ guter Dinge flanierte ich beim ersten Mal in diese besagte Apotheke und besorgte alles, was meine Beschwerden mir befahlen. Geschwächt - aber glücklich - zurück, ward der Gong für die ganze Scrubs Season 5 geschlagen und insgeheim ein Loblied auf die Immunsystem verseuchenden Bazillen angestimmt,  die dieses Vergnügen erst ermöglichten.

Der laufenden Nase, Halsschmerzen und Müdigkeit nicht genug, warfen stets  neu hinzukommende Symptome allmählich tiefgreifendere Schatten auf mein nettes, wenn auch kränkliches Dasein und zwangen mich infolge zu stets erneuten Apothekergängen, was sich doch merklich auf meine Stimmung niederzuschlagen begann. Ich erinnere mich, dass ich bereits beim zweiten Mal der Glitzerkonsumattitüde der nahe gelegenen Shoppingwelt, untermalt von viel zu fröhlicher Musik und herumwieselnden, konsumgierigen Männchen und Weibchen bewaffnet mit Plastiktaschen in viel zu grellen Farben und Einkaufswägen, weit weniger abgewinnen konnte.  Unterstützt wurde dieser aufkommende Missmut durch interessante Begegnungen mit einigen Apothekern und Apothekerinnen meines Heimatbezirks.

Intolerante ApothekerInnen haben mich zum Weinen gebracht!

Geschlagene 3 von 4 Mal, als ich anfing zu sprechen, stand mir ein an sich sozialer Berufstand in Form von Personen mit derart verkniffenen Augen gegenüber, welche nur mit jener Eigenart zu vergleichen ist, die viele ältere Menschen zur argwöhnischen Beobachtung von Jugendliche salonfähig gemacht haben. Hinzu kam noch ein spürbar physisches Zurückweichen der Apothekerleute. Beim vierten Apothekenbesuch geriet ich zwar an eine, die mich weder mimisch, noch gestisch zu diskriminieren schien, dafür aber mein Konto um 46 Euro schmälerte, da sie mir die Notwendigkeit eines ganzen Vorrats an Vitaminpräparaten glaubhaft ans Herz legte.

Ich und Ich

Eine weitere, unerfreuliche Entwicklung, die der Krankheitsverlauf  mit sich brachte, war eine Tendenz zu vermehrten Selbstgesprächen.  Ich möchte an dieser Stelle ein Beispiel von vielen bringen. Völlig allein, umringt von keimübersäten Taschentuchbergen, zwischen Beipackzetteln und unausgespülten Teetassen, führte ich mir eine Scrubs -Episode zu Gemüte, wobei ich das Gesehene - vermutlich unsinnig- kommentierte. Über diesen Kommentar infolge schallend lachend, dachte ich wiederum: „ Wenn das jetzt jemand gehört hätte, das wäre cool gewesen!“.  -„Ja, so lustig wie das gerade war“, sprach ich laut und deutlich und musste kopfschüttelnd anerkennen, dass diese Konversation mit mir selbst tatsächlich gerade stattgefunden hatte.
 In der Tat wird man also durch krankheitsbedingte Isolation und fehlende Sozialisation etwas wunderlich. Noch mehr als sonst schon.  Deswegen, bevor sich die eigene Stimme im Kopf als langfristig einziger Gesprächspartner etabliert, gilt es schleunigst alle möglichen Leute anzurufen und diese mit Geschichten à la „Gestern, als ich gehustet habe, ist so was Gelbes vom Hals rauf gekommen“ zu erfreuen.

Abschließend noch eine kleine Sammlung von den menschlichen Verlusten an meiner Person, die während jener grippalen Erkrankung wieder einmal aufgetreten sind:
Annehmbares Aussehen, korrekte Artikulation, Würde und mein persönlicher Favorit: Das Erkennen, ob einem der Rotz aus der Nase läuft.


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AutorInnen

Nadine Obermüller

Nadine Obermüller

On est toujours jaloux du métro des autres. C.G.

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Kommentare




 

19.11.2007
RauschJohannes [info]

@Nadine:

Yeah, "Scrubs"!


Heute (19. November) den Beginn der 6. Staffel gesehen?

Muss mir ja eh noch alle DVD-Staffeln kaufen...


Lg,
Johannes

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20.11.2007
martinb

Hehe

sauwitziger Artikel! Vieles davon kenn ich, nur Apotheken seh ich sehr selten von innen.

Mich hats das letzte Mal zu Silvester erwischt, und ich hab den Tag mit den Konzertübertragungen auf 3sat verbracht (trauriger Höhepunkt: Simply Red live in Havanna).

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22.11.2007
Nadi_Flanders

Hehe

:)danke
simply red ist echt übel...hatte grad eine assoziation zu meat loaf...weiß ned ob man den noch kennt, ein typ von ähnlichem kaliber, vielleicht nach subjektiven empfinden noch a spur schlimmer.

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22.11.2007
Nadi_Flanders

Hehe

@ johannes: meine quellen sind das internet, wo auch die gerade anlaufenden folgen der 7. staffel in der Usa schon zugegen sind :)

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22.11.2007
Johannes

@ Nadi:

Ah, sollte ich auch mal probieren... :)

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