2008-01-13 12:39:27
Frank Wedekinds Drama „Lulu“ beschreibt den Aufstieg und Fall einer außergewöhnlichen Muse. Zu sehen ist dies in einer Inszenierung von Otto Brusatti im Theater SPIELRAUM.
Die Namen Nelli, Mignon und Eva stehen für eine gewisse Person. Lulu heißt sie. Ob einer der Namen jener ist, der in ihrer Geburtsurkunde steht, das interessiert niemanden. Denn so viel Schönheit hat eigentlich keinen Namen nötig. Aber wie sieht es aus, wenn die Schönheit verblasst? Wenn die Seidenkleider gegen Lumpen getauscht werden und das wallende Haar nur noch strähnig und glanzlos das armselige Auftreten ergänzt?
Von Vater- und Frauenmördern
Otto Brusatti zeigt im Theater SPIELRAUM seine Version der Lulu. Lulu (gespielt von Estzer Hollosi) ist eine femme fatal, die weiß, wie sie Männer zu behandeln hat. Die Geliebten sterben der Reihe nach, bis nur mehr einer übrig bleibt. Der Schöpfer des Gesamtkunstwerks Lulu, Dr. Schön (Christian Nisslmüller) muss sie selbst zur Frau nehmen. Die Heirat ist sein Verhängnis. Sein Sohn Alwa wird zum Vatermörder.
Und dann sind sie alleine, das Vermögen schnell ausgegeben, der Glanz verloren. Es ist an Lulu, das Geld zu beschaffen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die hungrigen Mäuler von Alwa (Abraham Till, der während des Stücks mit seinen Diabolo-Künsten aufwartet) und ihrem angeblichen Vater Schigolch (beeindruckend gespielt von Harald Ruppert) sind zu stopfen. Bis plötzlich Jack auftaucht (Nisslmüller) und beschließt, dem Trauerspiel ein Ende zu setzen. Nein, es steht keine Heirat an, denn Jack ist nicht reich - er möchte reich werden. Er sucht die Gesellschaft von herumirrenden Verstoßenen der Gesellschaft, wie Lulu eine ist, um sie brutal zu erwürgen.
Aus der Sünde wächst Genuss
Ein Podest nimmt fast die ganze Bühne des Theater SPIELRAUM ein (Bühnenbild von Harald Ruppert und Otto Brusatti). Ein Bauarbeiter betritt es und trägt mit Mühe eine Kiste hinauf. Diese wird geöffnet und der Inhalt inspiziert. Nacheinander gehen die Darsteller aus Brusattis Ensemble auf die Truhe zu und nehmen sich ein Kleidungsstück heraus. Da gibt es einen Zirkusdirektor (Hertha Pachl begeistert in mehreren Rollen), einen Athleten und einen Maler.
Die Kleidungsstücke aus der Truhe vollführen im Laufe des Stückes viele Funktionen. Regisseur Brusatti besetzt fast alle Schauspieler in mehreren Rollen, der Wandel vollzieht sich mit der Ergänzung des Kostümes durch ein weiteres Kleidungsstück. Dass das funktioniert, beweist die hervorragende Auswahl des Ensembles. Einzig Eszter Hollsi verkörpert nur eine sprechende Figur. Lulu ist diejenige, die Frauen und Männer gleichsam in ihren Bann zieht. Ihr Verderben würde auch zum Ende der ihrigen führen.
Obwohl Otto Brusattis Inszenierung einige Fragen aufwirft, kann sich seine Lulu sehen lassen. Eszter Hollosi zeigt mit verblüffender Kontinuität die Glanzzeiten und das Elend einer Frau, die der Sünde abschwört und schlussendlich doch durch sie zu Grunde geht.
Spieltage: 3. Jänner bis 26. Jänner, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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