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musik

Grazer Pop-Melancholiker

2007-04-02 00:10:48

Das Grazer Trio „The Base“ veröffentlicht dieser Tage ihr neues Doppel-Album „Things to remember/ways to forget“ und steckt dabei in einer Zwickmühle: Die eine CD darf bereits Anfang des Jahres in eine „Best of“ - Liste eingetragen werden; die andere wirkt angesichts der Schneelage fehl am Platz. Der Titel „Grazer Pop – Melancholiker“ gebührt ihnen trotzdem.

Anfang des Jahres 2006: Eine prachtvolle, geradezu verführerische Schneedecke legt sich auf das noch immer von den Weihnachts- und Silvesterfeiern verschlafen wirkende Österreich. Was grün war, wird weiß. Ob Wiesen, Bäume oder Felder; alles lässt sich von einer durchschnittlich einen halben Meter hohen weißen Masse einschneien. Während ein Schneepflug nach dem anderen versucht, mit diesen gewaltigen Mengen an Schnee zu ringen, ruht anderswo die Natur und lässt Stille walten. Auch musikalisch ist der Winter eher die Zeit der Ruhe, des fett aufgetragenen Pathos oder just der Familienbesuche. Denn dort, im Hause der Verwandtschaft, dort geht es – wenn auch manchmal mit unfreiwillig eingesetzten Hilfsmitteln wie Geschenken - friedlich zu. Lärm, geh` weg!

 

 
Zeit für „Kellertage"
Auch musikalisch setzen sich in dieser Jahreszeit die sanften Töne durch; schließlich ist die Winterlandschaft bildlich sehr offen für diese Art von Musik. Das Grazer Trio „The Base" veröffentlicht sein neues Doppel-Album also gerade zur richtigen Zeit - wenn der Schnee bis zum Veröffentlichungstermin Einzug hält, versteht sich. Die Band gründete sich 1996 und sind seither berühmt für pathetische, morbide und depressive Melodien. "The Base" sind die schöne, zarte Stimme von Norbert Wally, der auch die Gitarre zupft und das Keyboard betätigt, Albrecht Klinger (Bass, Gitarre, Keyboard) und Karlheinz Miklin jr. (Schlagzeug, Percussions, Keyboard). Auf der einen CD namens „Things to remember" wird das schon anhand ein paar Titeln deutlich: „Perfect hearts", „Basement days", „Patty was a girl (I liked)". Da werden Mädchen, die schon längst wieder einer anderen Liebe frönen, besungen („Patty was a girl"), die Tage im Keller geschildert („Basement days") und über die arge Party von damals berichtet („Party People"). "Hey girl, your eyes say that you wanna / Hey girl, your nose says that you wanna look for a darker location /  A spot where we can hide in the night" („Basement days"). Das ist Pop! Hallo? Hat hier jemand eine andere Meinung? Verwunschene, himmlische und verrauchte Stimmen erzählen davon. Doch zumindest auf der „Things to remember"-CD, dessen Titelname ernst genommen werden sollte, passiert dies alles auf einem Niveau, das die emotionale Seite des Menschen sehr berührt. Und da wären wir ja wieder beim Winter, dieser doch schönsten aller Jahreszeiten.

Auf den falschen Zug gesprungen…
Die zweite CD „Ways to forget" – wieder gilt: Titelname darf, ja muss ernst genommen werden! – ist die schlechtere, jene also, die mit Ska-Teilen, die nicht so richtig gefallen wollen, versehen ist. Jene, die den Hörer nicht wirklich in eine wunderbare musikalische Assoziationskette hineinzwingen will. Bei wohl jedem Lied findet der Funke, der ein (Musik-) Feuer entzünden sollte, keine Nachahmer. Der Bass stört nur und ist fehl am Platz. Besser machen, bitte!

Das letzterwähnte darf in diesem Fall aber nicht aller Schluss gewesen sein und schon gar nicht die Stimmung trüben.

The Base live:

10. Jänner: FLEX - Wien
20. Jänner: Nutopia - Innsbruck
21. Jänner: Spielboden - Dornbirn
27. Jänner: Sublime - Aflenz
28. Jänner: Graz - Generalmusikdirektion
03. Februar: Posthof - Linz
17. Februar: Kunsthalle - Wien
18. Februar: Mellowlounge - Klagenfurt

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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