2011-07-18 17:25:32
Das Booking Label Grand Hotel van Cleef schickte seine Künstler auf Tour. Kettcar, The Hidden Cameras u.a. präsentierten sich in der Arena und Thees Uhlmann stahl allen die Show. Klingt spektakulärer als es tatsächlich war...
Grand Hotel van Cleef (Booking Label/ DE) schickten nicht nur eine ihrer Bands auf Tour, sondern veranstalteten gleich ein ganzes Event mit ihren Vorzeigekünstlern – nämlich sich selbst. Kettcar und Thees Uhlmann, Gründer des Labels, als Mainacts, The Hidden Cameras, Beat Beat Beat und Young Rebel Set waren auch noch mit von der Partie.
Das solide Kettcar
Es ist ca. 23 Uhr 40 als die letzten Besucher das Gelände verlassen. Verwunderlich, wird sich wohl der eingefleischte Arena Gast denken, ist doch hier normalerweise polizeilich um spätestens 23 Uhr Feierabend angeordnet.
Dem hätte auch so sein können, wäre es nach den Headlinern Kettcar gegangen. Diese spielten brav ihr Programm ab und verließen nach einer soliden, jedoch relativ wenig spektakulären Performance, Zugabe und fast schon übertrieben viel Applaus, pünktlich die Bühne.
Man ist unweigerlich ein wenig an den Namensgeber der Band erinnert; das lustige alte Tretauto, allseits beliebt aber auch sehr schnell langweilig.
Der nahezu euphorische Zuspruch des Publikums scheinte also etwas übertrieben angesichts der Darbietung der Indie-Pop Band aus Hamburg. Nicht dass der Auftritt an sich schlecht gewesen wäre, aber was genau bei den mehrheitlich Mittdreißigern im Zuschauergraben solche Begeisterung auslöste, war nicht ganz klar ersichtlich. Alles plätscherte mehr vor sich hin, als dass es einen mitriss.
Entweder muss man eingefleischter und langjähriger Kettcar Fan sein, oder aber einen besseren Tag für einen Liveauftritt erwischen. Ist keines von beidem der Fall, fällt es schwer den Abend zu genießen.
Theesus Christ
Während die Reaktionen vor der Bühne das Geschehen auf ihr um einiges überschritten, war anzunehmen, dass sich die übrigen Bands hinter der Bühne bereits entspannten und den Abend nach getaner Arbeit genießen konnten. Tomte-Frontmann Thees Uhlmann, der an diesem Abend mit seinem selbstbetitelten Soloprojekt unterwegs war, schien aber noch mit einem Ohr das Geschehen im Konzertbereich zu verfolgen. Denn nachdem Kettcar bereits das Feld geräumt hatten, war der Openair Bereich noch immer sehr gut gefüllt – mit singenden Tomte Fans. Tomte und nicht unbedingt Uhlmann Fans, denn seine Karriere baut in erster Linie auf die seiner auch hierzulande nicht unbekannten Band auf. Thees Uhlmann & Band als Soloprojekt steht zwar noch mehr oder weniger in den Startlöchern (Albumrelease Sommer 2011), profitiert aber natürlich sehr von dem Erfolg, den er bereits mit seiner anderen Band hatte. Die Kollegen aus Hamburg ließ Uhlmann aber vorerst daheim und borgte sich für seine neues Projekt einfach einen der wohl besten österreichischen Schlagzeuger - Markus Perner - aus (Garish, Trouble Over Tokyo).
Das Ganze schien stimmig, das Publikum wirkte zufrieden.
Offensichtlich waren die Uhlmann'schen Solohits aber noch nicht genug, denn als die Bühne schon in sämtliche Einzelteile zerlegt wurde, verlangte das Publikum mit lautstarkem Gesang von Tomtes "Die Schönheit der Chance" nach mehr Thees Uhlmann. Dies scheint wohl eine Tradition in Wien zu sein und hat sich bereits zuvor auf einem Konzert so zugetragen; damals hielt der Chor im Zuschauerraum noch weitere 15 Minuten durch. Schwach, angesichts der heutigen Publikumsperformance von 40 Minuten. Uhlmann erbarmte sich und ließ sich nochmals feiern, als hätte er die Musik selbst (neu) erfunden.
Hidden Entertainment
Thees Uhlmann & Band war wohl der beste Act des Abends, denn auch die Hidden Cameras lieferten eine für sie eher ungewöhnlich schwache Performance ab. Schlechter Sound, schwache Stimme und ein sehr gequält klingendes Cello waren das Resultat des Abends. Die sonst so übliche Energie und unterhaltsame Bühnenshow hatte wohl diesmal keine Lust und versteckte sich äußerst gut. Lieber schnell wieder vergessen, das hat man schon weitaus besser gesehen und vor allem gehört.

Das Einzige, was man von diesem Abend wohl nicht so schnell wieder vergessen wird, ist auf der einen Seite Uhlmanns selbstbeweihräucherndes Bad in der Menge, das nach einer halben Stunde dann doch etwas zu viel des Guten war, und auf der anderen das wohl beste Publikum, dass ein Künstler sich nur wünschen kann. Ob gerechtfertigt oder nicht, sei dahin gestellt.
Ja, ich finde dieses Foto repräsentiert mich sehr gut.
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