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Gleicher als gleich?

2007-04-02 00:12:40

Mit den Worten "Alle Tiere sind gleich" wurde aus der "Farm der Herren" die "Farm der Tiere". In der neuen Inszenierung des George Orwell Klassikers "Farm der Tiere" im Theater SPIELRAUM zeigt Nicole Metzger die zum Scheitern verurteilte Revolution in Form einer dramatischen Lesung.

Tier und Mensch können auf Farmer Jones’ Farm nicht zusammenleben. Es folgt eine rasche Revolution, die aus der „Farm der Herren" die „Farm der Tiere" macht. Ihr Leitsatz „Alle Tiere sind gleich".

George Orwells Klassiker ist eine beliebte Lektüre für den Englischunterricht. Er handelt von Geschöpfen, die sich gegen die Ausbeuter wehren und zum Gegenangriff starten. Der Roman bietet eine Grundlage für tiefgehende Diskussionen über die marxistische Utopie des Kommunismus.

George Orwell im Theater SPIELRAUM

Der Autor schrieb das Buch jedoch in Anlehnung an seine Erfahrungen im spanischen Bürgerkrieg 1936. Genau in diesem Kontext steht Nicole Metzgers Inszenierung des 1945 entstandenen „Märchens". Die Fassung stützt sich auf Nelson Bonds Bearbeitung, die eine dramatische Lesung ist. So führen sechs Schauspielerinnen durch die Geschichte dieser Farm unter tierischer Kontrolle. Neben der Erzählfunktion stellt jede auch noch mehrere Tiere dar.

Von Tieren und Menschen

Auf der Bühne befinden sich Podeste verschiedener Höhen und Größen, die zu verschiedenen Phasen der Revolution von verschiedenen Charakteren bespielt werden. Nach der von den Schweinen angezettelten Revolution sind alle Tiere gleichgestellt, doch schnell kristallisieren sich Napoleon (Claudia Marold) und Schneeball (Silvia Lientschnig) - natürlich Schweine - als konkurrierendes Anführerteam heraus. Die Streitigkeiten zwischen Marold und Lientschnig sind köstlich anzusehen, wobei der Sieg Napoleons bereits vorab feststeht.

„Alle Tiere sind gleich, aber einige sind gleicher als andere"

Was nun folgt, ist die Phase der Diktatur. Leider ist diese nicht im Marx´schen Sinne – also kurz – sondern überdauert Jahre. Dem Grundsatz „Alle Tiere sind gleich" werden die Worte „aber einige sind gleicher als andere" angefügt. Die „Gleicheren" unterschieden sich äußerlich nicht von den restlichen Genossen. Sie alle tragen schmutzige Arbeitshosen und bunte Sportschuhe.

Doch spätestens mit dem Erscheinen des längst vergessenen Raben Moses (Daniela Ilian) folgt die Eingebung. Ilian erzählt mit wunderbar krächzender Stimme, die Erinnerungen an eine Geschichten erzählende Großmutter im Schaukelstuhl auslöst, vom Kandisberg und eröffnet somit eine neue Utopie, die der real-sozialistischen Realität entgegenwirkt.

Da kann auch Esther-Marie Pitsch in der Rolle des stellvertretenden Anführers Fetzer nicht entgegenwirken. Pitschs Art die Tiere von den Vorteilen der Revolution zu überzeugen ist amüsant und erschreckend zugleich.

Eine dramatische Lesung

Bereits am Beginn des Stückes wird deutlich, dass es sich nicht um eine Inszenierung im gewöhnlichen Sinn handelt. Textbücher werden ausgeteilt, diese kommen im Laufe der Vorstellung immer wieder zum Einsatz. So sind in Nicole Metzgers Inszenierung sechs Erzählerinnen zu sehen, die auch ohne Text agieren und in die Rollen der verschiedenen Tiere schlüpfen. Immer wieder wird der Zuseher mit Kommentaren der Schauspielerinnen als solche - wie der Vorschlag Marolds eine Pause zu machen - desillusioniert.

Das erlesene Ensemble, bestehend aus Daniela Ilian, Dina Kabele, Maria Lassl, Silvia Lientschnig, Esther-Marie Pitsch und Claudia Marold, zeigt die „dramatische Lesung" eines Klassikers, der auch nach der Schulzeit lesenswert ist und zum Nachdenken anregen sollte.

 

Spieltage: 21. November bis 16. Dezember, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr

21. November bis 16. Dezember, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr

Theater SPIELRAUM
Kaiserstraße 46
A-1070 Wien

 

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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