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Gevatter Tod klopft an die Tür

2007-11-29 23:46:55

  • la Blanca Sol/Viva Muerte
  • 1 la Muerte Viva
  • 2 la Muerte Viva

Die Ausstellung ¡Viva la Muerte! in der Kunsthalle Wien beschäftigt sich mit dem Todeskult und seiner künstlerischen Verarbeitung in Lateinamerika.

Die Kelten feierten um den 31. Oktober das Fest Samhain. Dabei versuchten sie, die Begegnung mit den Toten, die der Legende nach nur zu diesem Anlass die Möglichkeit hatten, mit den Lebenden Kontakt aufzunehmen, zu vermeiden. Ausgewanderte Iren brachten das Fest mit nach Nordamerika, wo sich dann das heutige Halloweenfest entwickelte. Auch in Österreich gedenken wir an einem trüben Tag im Jahr den Verstorbenen. Fälschlicherweise pilgert die gesamte Familie zu Allerheiligen auf den Friedhof. Der eigentliche Gedenktag der Verstorbenen ist laut Kirchenkalender der 2. November, also Allerseelen.

Europa gegen Südamerika

Weniger trist und trüb sieht der lateinamerikanische Umgang mit den Verstorbenen aus. In den Tagen vom 31. Oktober bis zum 2. November wird der Dia de los Muertos gefeiert. Im Gegensatz zu Europa und Nordamerika wird hier der Tod nicht tabuisiert. Er wird als etwas ganz Alltägliches in das Leben aufgenommen. Es ist sogar erlaubt, ihm mit Ironie zu begegnen.

Der altmexikanische Glaube sieht vor, dass die Toten einmal im Jahr gegen Ende der Erntezeit zu Besuch aus dem Jenseits kommen. An diesen Tagen wird dann mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen gefeiert. Es gibt Tanz, Musik und natürlich gutes Essen. Daran konnten auch die spanischen Kolonialherrscher nichts ändern.

Aufarbeitung und Weiterführung

Neben dem Dia de los Muertos werden auch die negativen Seiten des Todes in Südamerika aufgearbeitet. Die an der Ausstellung ¡Viva la Muerte!  beteiligten Künstler zeigen auch grausame Tötungsrituale des kolumbianischen Drogenkartells, Auftragsmorde von südamerikanischen Diktatoren und setzen sich außerdem mit der Kolonialgeschichte auseinander.

Beim Betreten der Ausstellung lacht einem die Fotografie eines schwarz-weiß karierten Totenkopfs auf schwarzem Hintergrund entgegen. Gabriel Orozcos Foto begrüßt mit einem komplett fremden Umgang mit dem Ende des Lebens.

Die Installation von Teresa Margolles, die selbst als Pathologin gearbeitet hat, zeigt Seifenblasen, die aus Wasser, in dem Leichen gewaschen wurden, erzeugt werden. Eine Art Parallele zwischen den toten Körpern und dem Publikum soll damit hergestellt werden:

„Das Leichenschauhaus ist der Ort, der mich ermutigt, die verstörenden Bilder und die verrückte
Irrealität, die ich jeden Tag sehen kann, künstlerisch zu bearbeiten .Es gibt mir auch die
Kraft, die Rolle einer Mediatorin in Bezug auf die Gesellschaft einzunehmen. Die Machtlosigkeit und Bitterkeit, die ich mit den Familien der Opfer teile, findet in der Kunst ein Ventil und verwandelt sich in Zementblöcke, Luft und Seifenblasen.“

Auch der Unterschied zwischen Arm und Reich wird in der Ausstellung thematisiert. Weiße reiche Männer schießen aus einem Helikopter auf Indios, die durch den brasilianischen Urwald hetzen. Dieses Video zeigt der Mexikaner Ivan Edeza.

Durch die Kolonialisierung Südamerikas kamen die ursprünglichen Kulturrituale mit dem christlichen Glauben in Verbindung. Dies zeigt der Brasilianer Cildo Meireles in einer Installation, die die Dreifaltigkeit von Geld, Macht und Spiritualität atemberaubend darstellt.

Außerdem wartet die Ausstellung mit interessanten Fotografien auf. Der Künstler Dr. Lakra bearbeitet Bilder aus Zeitschriften und Groschenromanen und setzt einem Teil des Bildes einen grinsenden Totenkopf auf.

Beeindruckend ist die Videoinstallation von Francis Alijs. Der Künstler kaufte sich eine Waffe und schaffte es zwölf Minuten durch die Stadt zu gehen, ohne von jemandem aufgehalten zu werden. Niemanden schien die Pistole in seiner Hand zu interessieren.

Fazit

Obwohl die Ausstellung ein wenig knapp gehalten ist, birgt sie sehr viele interessante Fakten. Der Umgang mit dem Tod kann auch fröhlich sein - er muss nicht unbedingt einmal im Jahr während eines fröstelnden Marsches mit der gesamten Familie zum Grab des Großvaters geschehen.


Die Ausstellung ¡Viva la Muerte! ist noch bis zum 17. Februar 2008 in der Kunsthalle Wien zu sehen.

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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