2008-09-22 20:23:12
Eine neue Epoche in der deutschen Geschichtsaufarbeitung, eine neue Bernd Eichinger Produktion. Moritz Bleibtreu spielt Andreas Baader in Uli Edels Der Baader Meinhof Komplex.
Vor drei Jahren gab Bruno Ganz den fallenden Führer des Dritten Reichs in Der Untergang, dieses Jahr mimt Moritz Bleibtreu die Galionsfigur der RAF in Der Baader Meinhof Komplex. Rechtsextremes Verderben steht linksradikalem Terrorismus gegenüber. Beide Filme wurden von Kinomacher Bernd Eichinger produziert.
Als der Terror chic wurde
Zwischen dem Mord an dem Studenten Benno Ohnesorg durch einen Polizisten und der Niedermetzlung des Arbeitnehmerpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF vergingen zehn Jahre. In dieser Zeitspanne thematisiert Regisseur Uli Edel die Chronik rund um Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Konsorten. In der Bundesrepublik Deutschland regierten Mitte der 1960er Jahre Kapitalismus, Amerikanismus und vor allem die Polizei. Der studentische Protest war nicht unverständlich, die Auswüchse jedoch brutal.
Die linke Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) macht in der Zeitschrift konkret auf politische und ökonomische Missstände aufmerksam. Doch Worte helfen wenig. Als in zwei Berliner Kaufhäusern nachts Bomben hochgehen, werden in Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) schnell die Täter gefunden. Nach einer Flucht und neuerlicher Festnahme Baaders, gründen Meinhof, Baader und Ensslin die Rote Armee Fraktion. Die Abkürzung RAF erfreut sich schnell großer Popularität, der linksextreme Terrorismus ist geboren.
In einem palästinensischen Camp wird die Gruppe ausgebildet, zurück in Deutschland werden die Brutstätten des Kapitalismus überfallen. Auf Tote wird kaum Rücksicht genommen. Hier kommt Bruno Ganz als Chef des Bundeskriminalamts ins Spiel – dessen in Szene Setzung seiner Rolle in Der Untergang ähnelt –, der den bösen Buben und Mädchen der ersten Generation der RAF ein Ende setzt.
Keine neuen Fakten
Uli Edels Der Baader Meinhof Komplex hängt zwischen Geschichtsunterricht, Rotem Teppich und Portraitkino. Die Fakten rund um die RAF sind allseits bekannt, das Produktionsteam bemüht sich Vorfälle nicht zu beschönigen. Das Staraufgebot, das sich im Film tummelt, wirkt überladen. So darf sich Tom Schilling mit der Rolle des Dutschke-Attentäters Josef Bachmann zufrieden geben.
Die zweite und dritte Generation der RAF bleibt nur als Konglomerat auf der Leinwand. Namentlich unerwähnt, stehen ihnen aus dem Ruder geratene Rettungsversuche der ersten Generation zu. Mit der Wahl der Protagonisten scheint dem Produktionsteam ein Clou gelungen. Wer stellt sich nicht gerne Andreas Baader im Körper des coolen Rebellen Moritz Bleibtreu und eine erblondete Johanna Wokalek als sein "Honey Bunny" Gudrun Ensslin vor?
Hier bleibt auch noch Martina Gedeck zu erwähnen, der die Metamorphose der Ulrike Meinhof von der linken Starkolumnisten über die kaltblütige Terroristin bis hin zur labilen Strafgefangenen gekonnt gelingt.
150 Minuten Filmmaterial, das sind über 2 teilweise langatmige Schulstunden im Fach Geschichte. Der Baader Meinhof Komplex fasst zehn Jahre linksextremen Terrorismus in Westdeutschland zusammen, ein Thema das noch längst nicht ausgeschöpft ist. Freuen wir uns also schon auf die nächste Bernd Eichinger Produktion, über das Thema darf spekuliert, ein Staraufgebot jedoch erwartet werden.
Filmstart in Österreich: 26. September 2008
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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