Die „Indie-Supergroup“ The Raconteurs spielte einen schweißtreibenden Livegig in der Arena Wien.
„Racon wer?“, haben mich einige Leute gefragt, als ich von dem Konzert erzählte. „Na weißt eh, die Zweitband von Jack White von den White Stripes und Singer/Songwriter Brendan Benson“. „The Raconteurs are a new band made up of old friends”, wie es so schön auf deren Homepage heißt - alte Freunde, die Geschichten erzählen, denn Raconteurs bedeutet soviel wie “Geschichtenerzähler“.
Brendan Benson und Jack White beim Gitarrenduell
Die Band entstand, als die beiden old friends Brendan Benson und Jack White eines Tages die Nummer „Steady, As She Goes“ schrieben. Eine Nummer, die sie derart von den Socken haute, dass sie beschlossen, ein Bandprojekt daraus zu machen. Mit zwei weiteren Freunden, dem Bassisten Jack Lawrence und dem Drummer Patrick Keeler, ihres Zeichen Rhythmusgespann der Greenhornes, war die „Indie-Supergroup“ komplett und ein ganzes Album schnell im Kasten.
Jack White in Black&White
Und schon sind alle Solo-, White Stripes- und Greenhornes-Aktivitäten beiseite gelegt, und man begibt sich auf große Tournee, im Rahmen derer die Band – welch Wunder – sogar einen Wienstopp einlegte, was ich mir natürlich nicht entgehen ließ. Die 34 Grad Tagestemperatur nahmen die Raconteurs mit in die knackevolle Halle der Arena Wien - richtig gelesen, trotz idealer Witterung leider keine Aktivierung der Open-Air-Bühne. Hier war die Stimmung wahrlich am Kochen, und das nicht nur der Temperaturen wegen. Die Raconteurs boten ein elektrisierendes und euphorisches Rock´n Roll-Spektakel, bei dem keine Schweißdrüse trocken blieb. Die Songs ihres ersten Longplayers gehen allesamt leicht ins Ohr und fahren direkt ins Tanzbein, der Hit „Steady, As She Goes“ ist also keine Ausnahmeerscheinung. Und wo das Album stellenweise zu wenig originell wirkt, knallt White live ein kreischendes Gitarrensolo rein, dass es einem schnell noch eine Schweißperle mehr auf die Stirn zaubert.
Benson, Keeler, White
Neben dem hageren wie sympathischen Brendan Benson war natürlich vor allem Jack White im Visier der Fans wie auch der Fotografen, die sich im Fotograben gegenseitig fast erdrückten, um ein zumindest halbwegs verwackelungsfreies Closeup des ständig herumtollenden White Stripes Masterminds zu erhaschen. Auf den Bandfotos hält sich White, vermutlich wegen seiner bereits vorhandenen Popularität, eher im Hintergrund, bei der Liveshow ganz und gar nicht. Benson und White teilen sich zwar Gitarre und Leadgesang brüderlich, dennoch ist es immer wieder White, der sich mit seiner ungestümen Energie und Gitarrenakrobatik in den Vordergrund spielt. Nicht unerwähnt darf auch die famose Rhythmuspartie bleiben, während Bassist Jack Lawrence in erster Linie durch sein nerdiges Äußeres auffällt (langes, strähniges Haar, Buddy Holly-Nickelbrille), begeistert Patrick Keeler mit seinem feurigen, nuancenreichen Schlagzeugspiel.
Jack Lawrence
Stilistisch kramen die Raconteurs tief in der Rock-Schublade von Led Zeppelin oder The Who – nicht nur wegen des kurz angespielten „Pinball Wizard“-Themas – und mit „Blue Vein“ zaubern sie im Zugabenblock noch eine wundervolle Zeitlupentempo-Bluesnummer hervor. Wie es Auftritten von Bands mit erst einem Album eigen ist, war auch dieser leider nur von kurzer Dauer. Nach 40 Minuten ist das Hauptset vorbei, inklusive Zugaben ist nach einer Stunde Sperrstunde. Was aber der Effektivität keinen Abbruch tut, denn in seiner Kürze und Intensität erinnerte dieser Gig an die ersten Liveshows der Strokes, was nicht gerade die schlechteste Referenz ist. Bleibt zum Schluss die spannende Frage: wie wird uns Jack White das nächste Mal konzerttechnisch beehren, in Form der White Stripes oder der Raconteurs? Ich könnte mich nicht entscheiden...
alle Fotos: (c) Stephan Brueckler