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kreatives

Geschichten der N. - Folge 2

Städtisch masturbieren ist fast wie ländlich Grüßen.

 

 

N. sagt, sie wohne jetzt schon beinahe 4 Jahre in Wien und sei schon eine richtige Städterin geworden. Dabei dachte sie lange, sie würde nach 3 Jahren mit dem Bakk in der Tasche zu ihrem damaligen F. nach NÖ zurückkehren. Und zwar, um hauptberuflich zu gebären und dazwischen – wenn es die Zeit erlaubt – für das ein oder andere Bezirksblatt zu schreiben. Wenn die Kinder dann groß geworden wären, sagt N., hätte sie immer noch für ein oder zwei Bücher Zeit gehabt. Aber jetzt, sagt N., gäbe es den F. schon lange nicht mehr und genauso wenig die damalige, recht ländliche N.

Übrigens wäre es ein weit verbreiteter Irrglaube zu denken, dass Städter sich alleinig durch ihre Affinität zum Brunch und Take-Away-Coffee auszeichnen würden, sagt N. Das ultimative Kennzeichen eines urban lebenden Menschen sei vielmehr dessen Einstellung, Unselbstverständliches für selbstverständlich zu befinden. Auf überdimensionalem, phallisch anmutenden Rohgemüse laut knackend in überfüllten U-Bahnen herum zu beißen beispielsweise, sagt N., damit hätte sie schon lange kein Problem mehr. Selbst wenn ihr jemand direkt vor die Füße kotzen würde, würde sie gegebenenfalls kurz die Nase rümpfen, dann aber ihren Weg - lediglich größeren Schrittes - fortsetzen. Am Land, sagt N., wäre das ganz anders. Ein Sonderling,  würde man dort denken, der im Regionalzug Peniskarotten verspeist, daraufhin sich eventuell übergibt und dabei lautstark „I’m going to murder you, bitch!“ in ein Mobiltelefon schreit.

N. sagt, am Land wäre sogar Selbstverständliches unselbstverständlich. Entgegen kommende Personen zu grüßen etwa, sei dort eine äußerst heikle Angelegenheit. Eine Hauptattraktion, auf die es sich bestmöglich vorzubereiten gelte, sagt N. Ganze Gespräche zu Fuß würden unterbrochen werden, um die richtigen Grußworte vor dem Aufeinandertreffen nochmals durchgehen zu können. Das wäre schon irgendwie charmant, sagt N. Jedoch nicht so charmant, um es jeden Tag erleben zu wollen. Deswegen sei sie froh, dass es die recht ländliche N. und vor allem auch den damaligen F. nicht mehr gäbe. Dann doch lieber täglich masturbierende Menschen in der U-Bahn, sagt N.



 

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AutorIn(nen)

Nadine Obermüller

Nadine Obermüller

kein gott, kein staat, keine arbeit, kein geld. mein zuhause ist die welt.

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Kommentare




 

08.07.2008
cpausch [info]

du sagst es.! :)

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09.07.2008
lukas

klappklappklapp

zwei hände bewegen sich aufeinander zu

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09.07.2008
Caroline.K [info]

lese

die geschichte der n bis jetzt sehr gene^^
weiter so! (bitte)

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03.08.2008
Teresa

Wirklich wunderbar wie immer, Frau Obermüller!

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Mali: eines der ärmsten Länder Afrikas

Alles ist wunderbar und Archive

Ein bisschen zerlumpt, aber mit ganzem Herzen


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