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Generation ohne Helden

2007-04-02 00:13:28

Ist es das Anrecht einer jeden Generation, Helden sein Eigen nennen zu können? In Anbetracht der derzeitigen Verweigerung öffentlicher Personen, sich diesem Anspruch zu stellen, scheint die Antwort: Nein!

„Unsere Krise ist eine spirituelle.“ Worte die in Chuck Palahniuks „Fight Club“ gesprochen werden. Die Krise unserer Generation lässt sich tatsächlich in spirituellen Sphären weiter spinnen. Ein gesellschaftliches Kollektiv ist immer auf der Suche nach seinen Leitfiguren und findet diese zumeist in der Kunst, Kultur oder Politik. Bereiche die sich nur graduell unterscheiden und deren Protagonisten in der nachträglichen Analyse, viele Gemeinsamkeiten in ihrem Auftreten erkennen lassen.

Nostalgische Vergangenheit
Wann war der große Bruch? Wo sind die Figuren, denen wir heute noch in tiefer Verehrung nachtrauern? Es scheint als ob die Fünfziger und Sechziger Jahre – mit Elvis Presley, John F. Kennedy, Martin Luther King, Hunter S. Thompson und Ché Guevara – die Blütezeit der Ikonen und öffentlichen Helden war. Wisst ihr wo die heute sind? Alle tot!

Was davor war, die Zeit von Clark Gable, James Stewart, Bette Davis und Mary Pickford, war alles nur Vorgeplänkel. Sowohl Hollywood als auch die Politiker wie Harry S. Truman gaben nur eine Richtung vor und ebneten die Wege für die zuvor genannten Protagonisten. Doch langsam ging alles vorbei. Der unabhängige Film ging im Blockbuster á la „Star Wars“ auf und mit Truman Capote starb 1984 der letzte schillernde Vertreter einer Reihe von Ikonen, die selbst in ihrem Scheitern noch Glamour zu verstrahlen vermochten.

Die Achtziger, Moment des Wechsels
Alles viel auf einmal. Eine willkürliche Vermengung von Literatur, Film und Politik? Womöglich, doch wenn in den USA ein recht erfolgloser Schauspieler wie Ronald Reagan Präsident in diesem Land wird, dann kann getrost von einer Zäsur gesprochen werden. Die noch verbliebenen Exponenten wie Hunter S. Thompson oder Tom Woolfe treiben recht kraftlos dahin, während der Erste genannte sich dem Freitod ergab, reaktiviert der Zweite sein Repertoire immer wieder und vollführt in nostalgischen Gefühlen, die Wiederbelebung eines verlorenen Geistes.

Wer bleibt dann heute? Die Zeiten eines Kennedy – oder für Österreich: eines Kreisky – sind schon lange vorbei. Parteien haben als Anziehungspunkte für charismatische Persönlichkeiten an Charme verloren und scheinen kein Gegenmittel zu finden um dem ständigen Schwund an Attraktivität Einhalt zu gebieten. Doch im populär-kulturellen Bereich sieht die Sache nicht viel besser aus. Wer kann sich noch mit den aktuellen „Figuren“ identifizieren, wo doch die Mehrheit, ein Revival seiner Selbst aufführt. …oder wie sonst kann Madonnas neuestes Album „Confessions of a Dance Floor“ gelesen werden, wenn nicht als hedonistischer Selbstzweck?

Das Hier und Jetzt – Ich will kein Held sein
Doch wieder zu gegenwärtig wirklich ausschlaggebenden Persönlichkeiten. Madonna lebt vom Ruhm vergangener Tage, den sie sich ausgerechnet in den Achtzigern erworben hat. Mittlerweile hat es die Popwelt mit Sängerinnen und Selbstdarstellerinnen zu tun, die zum einen Madonna zum Teil bis ins Detail kopieren und zum anderen, diesen Umstand bis aufs Äußerste bestreiten. Namentlich: Gwen Stefani und Britney Spears. Doch wie sehr taugen sie als Heldinnen, bei gleichzeitiger Verleugnung ihrer offensichtlichen Wurzeln? Dann doch lieber gestandene Männer. Eminem oder 50 Cent. Nein, die sind Karikaturen ihrer eigenen Kunstfiguren und nehmen sich selbst entweder gar nicht (Ersterer) oder viel zu ernst (Letzterer). Da will dann so mancher Rettungsanker nicht wirklich greifen, denn Pop-Darling Justin Timberlake arbeitet an der Demontage seines öffentlichen Bildes, indem er in seinem Hollywood-Auftritt in „Alpha Dog“ einen Mörder und Drogendealer darstellt.

Die Jugend zu leiten und Vorbild zu sein, ist scheinbar keine Aufgabe mehr. Die Eltern-Generation wüsste wohl auch nicht wirklich weshalb dies ein erstrebenswertes Ziel sein soll, schließlich wurden die „68er“ selbst von ihren Leithammeln wie Joschka Fischer in der Realität des Kapitalismus zutiefst enttäuscht.

Bleibt nur noch die Literatur
Was bleibt dann? Die Belletristik. Wirklich? In den Werken der US-Autoren Paul Auster („Die Geschichte meiner Schreibmaschine“) oder Jonathan Lethem („Menschen und Superhelden“) sowie der japanischen Popkultur-Autorin Banana Yoshimoto („Hard-boiled“) bevölkern gebrochene Figuren die Seiten und liefern ein Panoptikum der verlorenen Seelen. Was in den Erzählungen solch differenzierter Autoren noch wie ein üblicher Handgriff erscheint, wird spätestens in der Welt des US-Comic und Verschwörungs-Roman in andere Bahnen gelenkt.

So wie sich etwa Batman als psychotischer Rächer im Kino präsentiert, so wurde er von Zeichner Frank Miller in den letzten Jahren gedeutet und in dieses Bild gedrängt, ebenso wie Miller sein „Sin City“ als Universum der A-Moral anlegte.

Letzte Hoffnung – die katholische Kirche
Die letzte Bastion heldenhafter Verehrung ist somit der Papst. Benedikt der XVI. wusste am Katholikentag Tausende zu begeistern, doch ob diese Begeisterung einfach aus einem Bedürfnis der verlorenen Spiritualität oder wahrhaftem Christentum entsprang, wusste der Pontifex selbst nicht zu beantworten. Stattdessen warnt der heilige Stuhl lieber vor den Gefahren die von den Romanen „Sakrileg“ und „Harry Potter“ ausgehen. Beides die Geschichten von Helden wider Willen, im Kampf gegen böse und dunkle Mächte. Es ist wohl wirklich eine spirituelle Krise, derer sich unsere Generation – die Generation Y – bemächtigen muss.

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AutorInnen

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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