2007-04-02 00:11:57
Gene, eine Band, die es außerhalb der britischen Insel zu nur sehr dezenter Bekanntheit gebracht hat, spielte am 16. Dezember 2004 - pünktlich zum 10jährigen Bandjubiläum - in London ihr Abschiedskonzert.
Gene, eine Band, die es außerhalb der britischen Insel zu nur sehr dezenter Bekanntheit gebracht hat, spielte am 16. Dezember 2004 in London ihr Abschiedskonzert. Als langjähriger Hardcore-Fan der Band buchte ich flink Flug- und Konzertticket, und wurde Zeuge einer der besten Live-Shows ever.
Gene, 1993/94 gegründet und pünktlich zum rund 10-jährigen Jubiläum aufgelöst, wurden von Musikkritikern seit ihrem Bestehen stets als Klon der großen The Smiths degradiert. Nun, ich muss zugeben, dass der Vergleich nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, Einflüsse bestehen durchaus, ebenso wie bei 100en anderen Smiths-„Nachfolgebands“. Aber ich denke, es gibt schlimmeres, als einer der besten und – aha! - einflussreichsten britischen Popbands zu „ähneln“...
Nun aber zurück zum eigentlichen Thema: die „last-ever-show“ von Gene im ausverkauften Astoria, das voller & gedrängter war als so mancher Londoner U-Bahnzug in der Vorweihnachtszeit. Die Band, die seit Beginn in der gleichen Besetzung blieb, war in absoluter Topform. Von den ersten Akkorden des Openers „London, Can You Wait?“ bis zum finalen „For The Dead“ (die allererste Single, die Gene herausbrachte) war das Publikum hypnotisiert, tobte, schluchzte, jubelte, tanzte und sang – teils zum Leidwesen der benachbarten Konzertbesucher – aus vollem Hals mit. Gut, es war schließlich ein Abschiedskonzert und damit sicher nicht repräsentativ für einen Durchschnitts-Gene-Gig, aber man ist doch einigermaßen überwältigt, wenn zwischen einigen Nummern so heftig geklatscht- und jubelt wird, dass die Band sichtlich gerührt eine kleine Pause einlegen musste.
Nachdem Gene hierzulande kaum bekannt sind, seien die vier Akteure hier kurz vorgestellt: Steve Mason webt den Gene´schen Soundteppich aus filigranen Melodieläufen und knalligen Gitarrenriffs. Matt James an Drums & Backgroundgesang und Kevin Miles am Bass geben den Songs den nötigen Pfeffer. Und Martin Rossiter ist der perfekte Frontman, eine Mischung aus arrogantem Zyniker und hochsensiblem – vom Leben gebeutelten – jungen Mann. Um seine lyrischen Dramen auf der Bühne gesanglich und körperlich umsetzen zu können, überlässt er seine Pianoparts einem temporären 5. Bandmitglied an den Keyboards, getreu einem Zitat gegenüber BBC-Radio 1: „I don’t want to look like Tori Amos - so I like to stand up and sweat...“.
Die Songauswahl an dem Abend umfasste alle Gene-Alben, wobei Nummern der ersten beiden Alben, wie „Haunted By You“, „We Could Be Kings“ oder das wundervolle „Where Are They Now?” tanz- und jubeltechnisch mehr Euphorie locker werden ließen, als die neueren Schöpfungen - mit Ausnahme der allerletzten Gene-Single, stimmigerweise „Let Me Move On“ betitelt, die erst wenige Tage vor dem Konzert veröffentlicht wurde.
Berührende Highlights waren das hymnische “Olympian” und „Save Me, I´m Yours“, und als in der zweiten Zugabe Martin Rossiter alleine zu Klavierbegleitung „Is It Over?“ anstimmte, musste wohl so mancher im erstummten Saal eine Träne vergießen. Als symbolische Schlussgeste gestaltete Rossiter schließlich während des dritten und letzten Zugabeblocks den „Gene“-Schriftzug auf Matt James´ Bassdrum zu einem „Gone“ um...
Interview mit Matt James, Drummer der Band Gene
Text & Fotos: Stephan Brückler