2007-04-02 00:11:26
Dirk von Lowtzow und Thies Mynther sind wieder unter dem Namen Phantom Ghost aktiv. Mit „Three“ veröffentlichten sie dieser Tage ihr neues, bislang mystischstes und ruhigstes Album.
Lagerfeuer. Das Holz brennt und knistert vor sich hin. Dieses Geräusch suggeriert eine heimelige und gleichzeitig beruhigende Stimmung. Aufgebrachte Raben krächzen und fliegen in Richtung aufgehender Sonne davon. Stille. Danach hebt Dirk von Lowtzow (ja, der Tocotronic-Sänger) seinen rauen Bariton und haucht auf Englisch kaum Essentielles in die etwas drückende Umgebung. Wieder Stille. Eine Frauenstimme erfüllt den Raum. Gänsehaut! Begleitet werden diese Vocals von einem kaum zu vernehmenden und furchtbar laienhaften Gitarrengeschrammle und einem in Richtung ewige Ruhe schielenden Sound. Hinzu gesellen sich bettelnde, um Erlösung rufende Stimmen, die vom (himmlischen) Wind davongetragen werden. So oder so ähnlich könnte die bildhafte Darstellung des Einstiegssongs „Tannis Root“ des neuen Albums von Phantom Ghost aussehen.
Dieses Projekt betreiben der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow und Thies Mynther, welcher auch bei Stella oder Superpunk tätig ist. Phantom Ghost dient dabei als eine Art Ventil ihres überschüssigen kreativen Inputs, den sie bei ihren Hauptbands nicht oder nur schwer umsetzen können.
Lowtzow und Mynther versuchen auf „Three“ mit minimalistischen Mitteln mystische, märchenhafte Momente zu vermitteln, die zwischen Leben und Tod hin und her pendeln. Hexen kommen hier genauso vor wie geheimnisvolle Kreaturen, verschlüsselte Botschaften oder dunkle Orte. Anders formuliert: einmal Märchenbuch vor und zurück. Umgesetzt wird dies mit spartanischen Beats und zurückhaltenden, elektronischen Sounds, die meist flächenartig aufgetragen werden. Das zu hörende Klavier dient dabei zur Auflockerung der kaum vorhandenen Höhepunkte oder gar Ausbrüche der neun Songs.
Was Lowtzow schon bei der deutschen Hamburger-Schule-Band Tocotronic unzählige Male unter Beweis gestellt hat, kommt auch auf „Three“ wieder klar und deutlich zur Geltung: Er überfordert sich stimmlich des Öfteren und rettet sich mittels Hauchgesang vor dem völligen Absturz. So schlimm wie sich das jetzt anhört, ist es aber nicht. Denn Lowtzow besitzt die goldene Gabe, dass soeben komplett falsch gesungene so überzeugend zu interpretieren, dass es somit wieder sympathisch wirkt. Auch die beinahe ständig eingesetzte Stimmverdoppelung und Anreicherung mit Effekten festigt Lowtzows Stimme erheblich.
„Three“ ist ein Album wie eine knapp 40 Minuten andauernde Halluzination, welche tausend Bilder in einem auslöst, aber dabei darauf vergisst, zwingende Momente zu vermitteln. Zwingend im Sinne von fesselnd. Nichtsdestotrotz besticht das Werk durch seine etwas verwobene, mystische Atmosphäre. Ach ja, bevor ich es vergesse: Für alle, die sich vor bösen Geistern fürchten, haben Phantom Ghost einen guten Rat parat: "Relax It´s Only A Ghost".
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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