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musik

Garbage basteln einen Song mit Rammstein, Beck und Peaches

2007-04-02 00:12:02

Garbage waren kürzlich zu Gast in Österreich und haben im Rahmen des Forestglade-Festivals in Wiesen ein großartiges Konzert gespielt. Vor ihrem Auftritt gewährten uns Produzent und Drummer Butch Vig und Gitarrist Duke Erikson ein Exklusivinterview.

Lasst uns zusammen folgendes Bild verinnerlichen: Duke Erikson malt ein Gemälde zusammen mit Captain Beefheart, während Butch Vig dazu einen Track mit Garbage, Rammstein, Peaches und Beck performt. Unsinn? Nun, lest selbst.
 
Vor ihrem Auftritt beim Forestglade-Festival gewährten uns Produzent und Drummer Butch Vig und Gitarrist Duke Erikson, sozusagen 50% der vor 10 Jahren gegründeten Band, einen Interviewtermin. Dazu begaben wir uns in den Wiesener Backstagebereich, wo wir im Abteil eines der dort thronenden und zu Aufenthaltsräumen für Künstler umfunktionierten Zugwaggons auf unsere zwei Interviewpartner trafen, deren Höflichkeit uns schwer beeindruckte.
 
Butch Vig & Duke Erikson
 
Auf ihrem aktuellen Album „Bleed Like Me“ schlagen Garbage eine etwas andere Stilrichtung ein als bisher, vor allem im Vergleich zum Vorgängeralbum. Die Musik ist gitarrenorientierter, härter, puristischer geworden, elektronische Spielereien und Samples wurden dagegen stark reduziert. Duke Erikson erklärt, dass sie nicht wirklich ihre musikalische Ausrichtung verändert hätten, sondern lediglich die Herangehensweise, wie sie ihre Platte aufnehmen und produzieren und wie die Songs arrangiert werden. Die Band hat bisher drei, bald vier Welttourneen absolviert und über 1000 Shows gespielt. Beim Versuch, ihre Platten, die viel auf Samples, Loops und Atmosphäre aufbauen, live umzusetzen, haben sie herausgefunden, dass das Wichtigste letztendlich die Gitarren und der Beat sind.
 
„Wir haben uns mehr und mehr zu einer Art `simpleren Rockband` entwickelt“ (Duke Erikson)
 
Duke Erikson: Wir versuchen immer noch gute, melodische Songs, Rocksongs, wie auch immer man es nennen will, zu schreiben, aber wir haben uns mehr und mehr zu einer Art `simpleren Rockband` entwickelt, einer auf Schlagzeug, Bass und Gitarren basierenden Band. Das bedeutet nicht, dass, wenn wir eine neue Platte machen, diese nicht wieder mehr elektronisch wird, aber das war die richtige Platte für uns, die wir zu diesem Zeitpunkt machen wollten.
  
FM5: Auf „Bad Boyfriend“, dem Eröffnungstitel des neuen Albums ist der fantastische Dave Grohl an den Drums zu hören. Wie stehen Garbage generell zu Kollaborationen mit anderen Künstlern, und gibt es bestimmte Musiker, mit denen sie gerne zusammenarbeiten würden?
 
Duke Erikson: Ähm, ja. (Pause) Aber uns fällt gerade keiner ein. (lachen) Nun, wir hatten einen anderen Drummer namens Matt Walker, der uns live unterstützte, wenn Butch – wie bei der letzten Tour – nicht mit uns touren konnte. Er spielte auch auf dem neuen Album. Wir wagten auf dem Album sogar das Experiment, mit einem anderen Produzenten zu kollaborieren, John King, der mit uns an „Bad Boyfriend“ arbeitete. Doch das hat für uns nicht funktioniert. Wir hatten gerade herausgefunden, dass wir eine Methode entwickelt haben, wie wir vier zusammen arbeiten können. Nachdem wir alle viel an Meinungen einbringen, nachdem wir alle schreiben und produzieren und diesen Prozess selbst  kreiert haben, ist es sehr schwierig, eine fünfte Person daran teilnehmen zu lassen. Wir müssten also alle lange und angestrengt nachdenken, wer, welcher Künstler sich überhaupt dieser TORTUR, mit uns zu arbeiten, stellen will. (lacht) Denn das kann sehr schwierig sein.
 
„Ich würde gerne eine Kollaboration mit Garbage, Rammstein, Beck und Peaches machen.“ (Butch Vig)
 
 
 Duke Erikson: Mit wem würdest Du gerne arbeiten?
 Butch Vig (nach längerer Pause): Hmmm, Rammstein.
 
Duke Erikson: Wir sind große Rammstein-Fans. Ich liebe Captain Beefheart, aber ich glaube nicht, dass der noch Musik macht. Er malt nun. Es wäre lustig, ein Gemälde mit ihm zu malen, er auf der einen Seite, ich auf der anderen, einfach nur malen.
 
Butch Vig: Ich würde gerne eine Kollaboration mit Garbage, Rammstein, Beck und Peaches machen. Alle gleichgestellt, alle von uns arbeiten und schreiben an ein- und demselben Song, das wäre sehr interessant.
 
FM5: Wenn man sich das Line-up des Forestgalde-Festivals, aber auch das vieler anderer ansieht, stellt man fest, dass die Bands, die dort auftreten – zumindest im Rockbereich – zu etwa 80% männlich dominiert sind. Garbage sind hier eine der wenigen Bands, die zumindest eine weibliche Sängerin bzw. Frontfrau haben.
 
Butch Vig: Das ist traurig, es sollte 50:50 sein. Die Welt besteht zur Hälfte aus Männern und zur Hälfte aus Frauen. Ich denke, dass das Musikbusiness sehr tough und sehr männlich dominiert ist. Und es kommt mir so vor, dass, jedes Mal, wenn junge Frauen aufsteigen wollen, sie eine härtere Zeit durchzustehen haben, als Männer im Musikbusiness. So sollte es nicht sein, es ist nicht fair.
 
„Trotzdem gibt es einige wundervolle Künstlerinnen“, so Vig weiter und outet sich dabei als Fan von PJ Harvey, The Subways, M.I.A. und den Yeah Yeah Yeahs.
 
Butch Vig: Wir hoffen, nein, wir WISSEN, dass Shirley ein Vorbild für viele junge Frauen ist. Bei Konzerten sagt sie immer wieder, sie hoffe, dass junge Frauen eine Gitarre in die Hand nehmen, Texte schreiben und anfangen Musik zu machen. Darum hoffen wir, dass einige dieser Frauen, wenn sie zu Garbage-Konzerten kommen, die dafür nötige Inspiration bekommen und ermutigt werden, diesen Weg zu gehen.     
                
„Shirley Manson ist sehr komplex, aber im Endeffekt ist sie ein Mensch wie jeder andere.“ (Duke Erikson)
 
FM5: Die Musik von Garbage lebt viel durch Shirley Manson´s Texte, die mal sehr düster, mal provokant und lasziv, oft auch politisch sind. Doch wie sieht die wirkliche Shirley Manson aus bzw. wie sind die Protagonisten hinter den Texten? 
 
Duke Erikson: Songschreiber bzw. jede Art von Künstler wählen ihre eigene Art, um sich selbst oder die verschiedenen Seiten von sich auszudrücken. Aber ein spezieller Song oder Textauszug definiert nicht unbedingt die Person. Es definiert nur, was der Künstler in diesem Moment sagen wollte. Also, um zu beurteilen, wer Shirley Manson wirklich ist, nur aufgrund eines Songs oder Textes oder vielleicht sogar all ihrer Texte, ist ein Irrglaube. Menschen sind viel komplexer. Wir sind alle sehr komplex, alle von uns, Shirley ist… (Pause)
 
Butch Vig: Shirley ist noch komplexer. (beide lachen)
 
Duke Erikson: Sie ist vielleicht noch komplexer, sie ist… im Endeffekt ist sie wie jeder andere.
 

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