2008-10-09 12:52:36
„In Linz stinkt's“: Der Autor René Freund versucht mit seinem neuen Buch „Donau, Stahl und Wolkenklang – Linzer Augenblicke“ diesen Spruch zu widerlegen.
Was wurde nicht alles über Linz in den letzten Jahren und Jahrzehnten gesagt: Linz sei das „Liverpool Oberösterreichs“, ein „stinkender Industrie-Moloch“ und nicht zuletzt der „Arsch der Welt“, zugemüllt mit „Chemie, Langeweile und Drogen“, wie Der Spiegel mehr als spitz konstatierte. Sprüche wie „In Linz stinkt's“ entwickelten sich zu institutionalisierten Schenkelklopfern, mit denen Oberösterreichs Landeshauptstadt immerzu – wenngleich auch mit groß geschriebener Ironie – gebrandmarkt wurde. Gewiss, diese Stadt machte es sich selbst nie leicht, Stichworte wie Vöest oder „Führerstadt“ untermauern dies nur.
Doch eines muss man dieser, einst von Adolf Hitler ins Visier genommenen Stadt, deren Nibelungenbrücke noch heute daran erinnert, zugute halten: Den rasanten Aufstieg vom Bauerndörfchen zur in Europa bekannten Kleinstadt, die ihr Können jährlich mit Aktionen wie der Linzer Klangwolke, dem Ars Electronica-Festival oder dem Filmfestival Crossing Europe unter Beweis stellt. Diesem (sicherlich zu kurz kommenden) Befund stimmt auch der in Wien geborene, seit gut 20 Jahren in Oberösterreich lebende Autor (Wiener Theaterblut) und freudige Linz-Besucher René Freund in seinem neuen Buch Donau, Stahl und Wolkenklang – Linzer Augenblicke zu.
Linz außer Dienst
Die Frage „Warum ausgerechnet Linz?“ beantwortet Freund gleich im Vorwort: „Als überzeugter Wahl-Oberösterreicher mochte ich die Landeshauptstadt von Anfang an. Aus diesem „Mögen“ ist im Lauf hunderter Ausflüge nach Linz Zuneigung entstanden, und letztlich eine solide Beziehung.“ Später fügt er mit einem ironischen Unterton hinzu: „Linz reimt sich zwar auf Provinz und (wenn man die Sauberkeit des Reimes nicht zu genau nimmt) auf stinkt's, aber: Linz hat eine bessere Luftqualität als – zum Beispiel – Salzburg oder Innsbruck. Und: Mehr denn je gilt im Zeitalter der physischen und geistigen Mobilität, dass Provinz keine Kategorie der Geografie darstellt, sondern eine des Denkens.“
Hinzufügen könnte man dem wahlweise auch den Umstand, dass Linz im Jahre 2009 zur europäischen Kulturhauptstadt avancieren wird, was bereits im Vorfeld für Spannung, Neugierde und eine hohe Erwartungshaltung sorgt. Als Linz-Kenner meint der Autor dazu goldrichtig, dass das Projekt Linz 09 „wie jede Festivalidee, unsinnig und sinnvoll zugleich“ sei, „unsinnig, weil ein Scheinwerferlicht auf einen Ort fällt und wieder erlischt. Sinnvoll, weil in der Wärme des Lichtes Pflanzen gedeihen oder entstehen können oder weil man einiges ganz anders als gewohnt sehen kann.“
Alles Wurst
Linzer Augenblicke ist eine Reise durch ein altes und modernes Linz, sein geografisches Umfeld (Urfahr Umgebung, Traun, Enns) und diverse Kulturträger wie dem – Dank des „kleinen Mannes“ – nicht und nicht entstehen wollenden Opernhaus, mit kurzweiligen Besuchen in der freien Kulturszene (KAPU, Stadtwerkstatt usw.). Alles in allem ein faszinierender, herrlich aufbereiteter literarischer Spaziergang durch eine Stadt, die auch durch aktuelle kluge Pop-Musik (Texta, Shy, Valina) hervorsticht.
Freund schlendert gekonnt zwischen Moderne und Tradition – ein Gegensatz, der in Linz nicht a priori ausschließt, sondern eher verbindet –, berichtet vom jüdischen Linz (Synagoge in der Bethlehemstraße), unternimmt einen „heißen“ Spaziergang in das Vöest-Gelände, erzählt als glühender LASK-Anhänger von (ehemaligen) Linzer Fußballvereinen und lädt letztendlich noch zu den legendären Würstelbuden Warmer Hans und Leberkas Pepi.
Das macht hungrig (auf mehr).
Donau, Stahl und Wolkenklang – Linzer Augenblicke von René Freund ist im Picus Verlag erschienen.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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