2010-02-26 00:18:40
Von gefrorenem Wasser und gewärmten Herzen. Courtney Hunts gelungenes Sozialdrama Frozen River im Rahmen der Frauenfilmtage 2010.
Ein verblasstes Rosentattoo auf der großen Zehe, ein rosa Bademantel, die Kamara fährt weiter auf das Gesicht einer Frau Mitte Fünfzig. Mit zitternder Hand führt sie die Zigarette an den Mund, nimmt einen tiefen Zug. Eine Träne rollt über ihre Wange. Erst in der Totalen sieht man die Frau in der offenen Beifahrertür ihres Autos sitzen. Daneben ihr kleines Fertighaus. Es ist Winter.
Träume
Rays (Melissa Leo) spielsüchtiger Mann hat das Geld geklaut, womit das neue Haus bezahlt werden sollte, das soeben von einem Lastwagen geliefert wird. Er ist abgehauen, lässt die Teilzeitsupermarktangestellte mit ihren zwei Söhnen allein und wird das Haus nicht bis Weihnachten bezahlt, verfällt mit der geleisteten Anzahlung auch die Hoffnung auf ein neues Leben. Auf der heimlichen Suche nach ihrem Mann trifft Ray in einer Bingohalle auf die Mohawk-Indianerin Lila (Misty Upham), die ausgestoßen aus der Gemeinschaft mit Menschenschmuggel von Kanada in die USA ihr Geld verdient. Zwingt Lila Ray noch zur ersten Fahrt, entdeckt diese rasch den Weg zum schnellen Geld und somit eine Lösung für ihre Sorgen.
Übertritte
Die erste Grenzüberschreitung über einen zugefrorenen Fluss nach Kanada ist wegweisend für die kommenden gut 90 Minuten. Ray, deren Leben aus Supermarktkassa und Geld in Sofaritzen suchen bestand, bricht aus ihren Alltagsroutinen. Die Fahrten, die anfangs unter vorgehaltener Waffe passieren, werden zu Schritten Richtung neuem Leben. Die kühle Beziehung zwischen der verschlossenen Lila und Ray taut Stück für Stück auf und bindet die Frauen nicht nur aufgrund ihrer Schmuggelfahrten aneinander. Die zwei Welten des amerikanischen Kleinbürgertums und der Mohawks, der Weißen („You are white! They never stop whites!“) und der IndianerInnen in ihrem Reservat, in dem amerikanische Gesetze nicht gelten, nähern sich in den zwei Figuren aneinander an und bringen überraschend Wärme in die karge Winterlandschaft.
Feingefühl
Courtney Hunt gelingt mit ihrem Debüt Frozen River ein Stück fein gemachter Sozialkritik, das nüchtern und zugleich mit viel Gefühl zwei gegensätzlich scheinende Lebenswelten zu einer zusammenführt. Zugleich beleuchtet Hunt fast beiläufig das Problem der illegalen EinwandererInnen ohne dabei wertend den Finger zu erheben und überlässt den ZuschauerInnen selbst das Denken.
Die im Film großartige Hauptdarstellerin Melissa Leo wurde 2008 für einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert, Courtney Hunt für Bestes Drehbuch und beim Sundance Festival 2008 gewann Frozen River den Preis der Jury in der Kategorie Bestes Filmdrama.
Frozen River wird am 26. Februar im Rahmen der Frauenfilmtage 2010 gezeigt, die vom 25. Februar bis zum 4. März im Filmhauskino stattfinden. Ein Filmstart in Österreich ist derzeit nicht geplant.
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