2010-09-01 20:50:52
Die Brendan Adams Group macht Musik zwischen Südafrika und Europa, ohne dabei Weltmusik zu sein. Warmes Songwriting trifft hier auf afrikanische Elemente und europäische Ecken und Kanten. Und viel, viel Sonne.
Man tut sich definitiv leichter nun, da das größte Fußballspektakel der Welt vorüber ist, über Südafrika zu schreiben. Zu leicht kommen doch Randthemen unter die Räder des großen Informationsaufgebots, zu groß ist auch die Gefahr des Vorwurfs, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen und so billig Aufmerksamkeit heischen zu wollen.
Beides Umstände, die sich Brendan Adams einfach nicht verdient hätte. Denn der Südafrikaner hinterlässt nach vier intensiven Wochen nicht verbranntes Land und teils überdimensionierte Infrastruktur, sondern zeigt in seinen Songs, wie sehr er sein Land wirklich liebt. Dass er sein aktuelles Album Better Days just am Tag der WM-Eröffnung veröffentlichte mag Zufall sein, macht sich - augenzwinkernd verstanden - als Anspielung aber bedeutend besser.
Von den Cape Towns nach Zürich
Der erste Song teilt sich den Titel mit dem Album, den Inhalt mit einigen Millionen anderer Songs – intensive Zwischenmenschlichkeiten. Während aber die allermeisten Lovesongs daran scheitern, sich ein wenig zu wichtig zu nehmen, braucht man sich bei Brendan Adams und seinen Bandkollegen darüber keine Sorgen zu machen. Unglaublich entspannt und gelassen, ein wenig sogar über den Dingen stehend, klingen sie auf ihrem aktuellen Album. Etwas, dass die Brendan Adams Group aus der Ruhe bringt, lässt sich nicht so leicht finden. Vor allem der Kopf des Trios hat in seinem Leben schon vieles gesehen, von dem andere nicht einmal träumen wollen. „Wenn man dort aufwächst, blickt man auf eine ausgesprochen limitierte Zukunft”, erzählt Brendan Adams von seiner Heimat in den Cape Flats, „entweder du wirst Gangster oder Drogendealer. Oder, und das ist vielen meiner Freunde passiert: Du stirbst jung.“
Adams hat es in dem afrikanischen Küstenstaat, der bis heute unter deutlichen Narben der Apartheid-Zeit leidet, doppelt schwer: Als „Mischling“, dessen Eltern hell- und dunkelhäutig sind, gehört er nirgends wirklich dazu, wird von beiden Bevölkerungsgruppen angefeindet und bekommt das harte Leben der Ghettos in den Cape Flats am eigenen Leib zu spüren. Wunden sind nicht nur seelischer Natur, sondern rühren auch von Schuss- und Stichverletzungen.
Dass Adams auch andere Lebensentwürfe kennt, hat er seiner Verwandtschaft zu verdanken. Sein Vater, ein Lehrer und Tanten legten ihre Ersparnisse zusammen und schickten ihren Jungen samt Gitarre als Geschenk nach Europa.
In Zürich lernte er den Österreicher Alfred Vogel kennen. Dieser ist Produzent und Schlagzeuger und seit dem ersten Treffen im Club Kaufleuten auch sein treuester Begleiter im musikalischen Leben. Mit dem nunmehr dritten Alben und einigen EPs ist die Brendan Adams Group auch längst keine Unbekannte mehr. Auf der ganzen Welt wird sie für ihre sonnige Art, ihren Groove, ihre relevanten Lyrics geschätzt.
Relevant deshalb, weil Brendan Adams, auch wenn sich sein Lebensmittelpunkt nach Europa verlagert hat, noch immer seine Heimat im Herzen trägt und zur Sprache bringt, was falsch läuft. Adams singt über scheinbar hoffnungslose Zeiten, über das Aufgeben, um dann im nächsten Moment einen Lichtstreif am Horizont zu sichten.
Und am Ende geht doch wieder die Sonne auf
Lebensfreude und Zuversicht ziehen sich als roter Faden durch das Werk des Trios, es gebe doch allen Widrigkeiten zum Trotz doch immer „sunny days up ahead“. Auch nachdenkliche Songs wie "People With No Name" und "Life’s A Dream" verarbeiten ihre Nachdenklichkeit in einem subtil-unaufgeregten Groove. Dass vor lauter Gelassenheit und Wohlklang die Gefahr besteht als belanglos abgestempelt zu werden, ist klar. Wer sich aber die höchst angenehme Mühe macht und sich Better Days ein wenig intensiver zu Gemüte führt, wird anderer Meinung sein. Es ist große und wenig verbreitete Kunst etwas zu sagen zu haben und daraus kein Spektakel zu machen.
Es mag ja schon bessere Zeiten gegeben haben. Aber solange sie von derart charmanten Zeitgenossen wie Adams aufbereitet werden, kann man auch mit herausfordernden Epochen gut leben…
Wer ein Optimist ist, soll verzweifeln. Ich bin ein Melancholiker, mir kann nicht viel passieren.
- Erich Kästner -
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Brendan Adams spielt mit seiner Band am Freitag, 10.09. bei freiem Eintritt in der Kunsthalle Wien//project space!
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