2008-09-28 15:24:50
Wann immer verlassen aussehende Landhäuser auf der Landkarte auftauchen, darf man sicher gehen, dass nicht alles mit rechten Dingen abläuft. Dass mit dieser Welt und ihren Bewohnern grundlegend etwas nicht stimmt, ist Voraussetzung.
Der junge Trevor lebt auf dem Land, welches auf den Namen Gristlewood Valley hört.
Hier wächst Trevor unter traumatisierenden Bedingungen auf. Familiäre Gewalt steht an der Tagesordnung. Der Vater ist aggressiv und Alkoholiker, die Mutter wird von ihrem Mann unterdrückt. Als wäre das alles nicht schon genug, lebt im Schuppen ein weiteres Familienmitglied: Ein geistig zurückgebliebenes, äußerlich entstelltes Etwas.
Trevors Bruder Will.
The Good, the Bad, and the Ugly
Wie Vieh wird er dort behandelt, am Alltag der Familie nimmt er nicht teil, über Jahre fristet er ein menschenunwürdiges Leben. Aber menschlich ist sowieso nichts an ihm, oder?
Als eines Tages Vater Henry den Beschluss fasst, das Leben seines hässlich deformierten Sohnes zu beenden, beschließt Trevor gleichzeitig ihn aus dem Schuppen zu befreien und mit ihm zu flüchten.
Sie wollen fliehen, um der Stadt sowie ihrer unglücklichen Vergangenheit zu entkommen.
Bevor der Plan in die Tat umgesetzt wird, stellt sich das Familienoberhaupt ihnen in den Weg. Mit tödlichen Folgen für den grausamen Vater.
Will ist nicht das einzige Geheimnis, das Gristlewood versteckt hält, den Trevor ist nicht das einzige Kind, welches abstoßend mutierte Geschwister hat.
Dienstleister des Bizarren
Freaks Of The Heartland ist eine Erzählung, die von tiefem Misstrauen gegenüber der Moderne und männlicher Autorität gezeichnet ist. Den Respektspersonen haften Doppelmoral und Sadismus an den Fersen. Dabei fordert Autor Steve Niles einiges von seinen Akteuren.
Mut, Selbstbehauptung, den Willen zur Veränderung, auch wenn es über den Tod hinausgeht.
Hier stolpern die Protagonisten nicht unvorbereitet in die Welt des Schreckens, weil sie entweder ihr ganzes Leben damit aufgewachsen sind, oder sie selbst den Grund für die schauderhafte Einstellung der Leute in Gristlewood liefern.
Was soll man noch fürchten, wenn man selbst die Quelle allen Übels sein soll?
Auf psychologische Implikationen verzichtet Freaks glücklicherweise nicht.
Es gibt keine riesigen Blutfontänen oder plakative Schaustellungen von abgetrennten Körperteilen. Gewalt ist nicht nur Mittel zum Zweck.
Zeichner Greg Ruth untermalt sublim mit seinen Zeichnungen die Szenerie, in dem er vieles andeutet und akzentuiert zu Werke geht. Schrecken, welche hinter verborgenen Türen lauern, werden nicht demonstrativ offenbart.
Ruth tritt Türen nicht mit viel Getöse ein, sondern hebt sie sorgsam aus den Angeln.
„Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes.“
(Literaturnobelpreisträger Elias Canetti)
Trevor und sein entstellter Bruder gehen nicht als strahlende Sieger aus dem Kampf gegen das Böse und die Tyrannei von Gristlewood Valley hervor, sie müssen sich ihrer boshaften Umgebung nähern, um schließlich überleben zu können.
Ein Sieg über die Bewohner des Örtchens hat jedoch nichts glorreiches, denn am Ende der Geschichte sind die 'Helden' zerschunden und seelisch noch immer aufgebracht.
Die neugierige Perspektive auf das Schreckliche macht den Reiz von Freaks Of The Heartland aus.
Vielleicht, weil die Angst nicht mystischer sondern menschlicher Natur ist.
Eine harsche Welt, in der man lieber ganz schnell erwachsen wird.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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