2007-04-02 00:10:17
Wir kamen um 5:00 in die Redaktion, einer sehr hektischen Zeit bei Cafe Puls. Um diese Zeit werden gerade die Teile voraufgezeichnet, die sich wiederholen und später eben nicht live gemacht werden. Glück für uns, dass eben nicht alles live ist. So findet gegen 7:30 die Moderatorin Johanna Setzer die Zeit unsere Fragen zu beantworten - also zu einer Zeit wo Cafe Puls eigentlich die meisten Zuschauer hat.
FM5: Vor dem österreichweiten Sendestart gab es ein großes Moderatoren Casting. Warum wurdest du ausgesucht?
Also man hatte bereits ein Jahr lang die Erfahrung. Ich habe ein Jahr lang alternierend mit dem Thomas Mohr das Cafe Puls moderiert. Vielleicht auch deswegen, weil man wusste, diese Frau verschläft nicht und ist wahnsinnig genug um diese Uhrzeit aufzustehen. Es hat von Anfang an gut funktioniert und harmoniert mit dem Norbert. Es ist wahnsinnig schwierig zwei Leute zu finden, die einander nicht versuchen ins Wort zu fallen.
FM5: Warum glaubt ihr, dass Österreich mit euch aufstehen will?
Da gibt es ganz viele Gründe. Erstens: Der Durchschnittsösterreicher steht schon um halb sechs bis sechs Uhr morgens auf. Das ist genau die Zeit, zu der wir beginnen. Da die Österreicher und die Wiener im speziellen ziemliche "Grantler" sind, schadet es denen nicht mit ein wenig guter Laune in den Tag hinein zu starten. Zweitens, weil man wissen will wie das Wetter wird und drittens, weil Cafe Puls das einzige österreichische Medium im Fernsehbereich ist, das topaktuelle Nachrichten liefert. Man erfährt in der Früh das, was über Nacht passiert ist, ohne dass man was auch immer lesen muss.
FM5: Infotainment oder echte News. Wie schwer darf die Kost beim Frühstück sein?
Nicht zu schwer, das ist schon ganz klar. Nachrichten sind wichtig, jeder will informiert sein. Es muss sich die Waage halten. Infotainment ist natürlich wichtig. Frühstücksfernsehen ist eine Kombination und die macht es aus. Zu harte Kost sollte natürlich nicht sein. Es sind keine Abendnachrichten und Cafe Puls ist ja auch kein Politikmagazin oder sonst was. Infos sind gut und wichtig, Infotainment zwischendurch reingestreut, das macht in Summe Cafe Puls aus.
FM5: Es hat auch Proteste gegeben. Vor allem gegen die Durchschaltung von Cafe Puls auf zahlreichen Österreichfenstern. Sind die Proteste angebracht? Wie geht ihr mit dieser Kritik um?
Die Kritik habe ich in manchen Zeitungen gelesen. Persönlich an mich herangetragen wurden sie allerdings nicht. Es ist nicht so, dass jemand auf der Straße gesagt hätte, ich will euch nicht auf vier Sendern sehen. Überhaupt nicht. Es war vielleicht eine gewisse Umgewöhnung. Wir hatten vielleicht am Anfang Leute, denen das SAT1-Frühstücksfernsehen abgegangen ist. Das sind aber auch die Leute, die jetzt denken, dass es viel besser ist, jetzt auch mal zu wissen, wie das Wetter in Österreich wird und nicht wie in Deutschland. Wenn die Zeit im Bild auf ORF1 und ORF2 durchgeschalten wird regt sich auch keiner auf. Wir bekommen das eigentlich so gar nicht mit. Im Gegenteil. In Linz gab es mal einen Sendeausfall, wo eben das deutsche Programm statt dem österreichischen lief. Da hat es geheißen, wo ist mein Cafe Puls bitte!?
FM5: Seit Dezember gibt es ein neues Moderatorenpaar. Konkurrenz oder Entlastung?
Entlastung natürlich. Manu ist eine Kollegin aus dem Haus. In der Woche, in der die Manu Sendung macht, schauen der Norbert und ich natürlich auch. Nach acht, muss man ehrlicherweise dazusagen. Auf jedenfall Entlastung, in so einem jungen Team kann man das nicht als Konkurrenz sehen.
FM5: Wie bereitet ihr euch auf die Sendung vor? Wie veränderte die Sendung euren Tagesrhythmus?
Es ist so, dass wir um 10:00, wenn die Sendung bei Puls TV abgeschlossen ist, Sitzung haben und die Sendung dann reflektieren und besprechen. Die Kritik vom Team ist sehr wichtig, so lernst du einfach. Danach geht es im Prinzip schon los mit den Vorbereitungen für den nächsten Tag. Was kommt also morgen rein!? Es gibt dann um 18:00 eine kurze Konferenzschaltung wo noch die letzten Dinge abgeklärt werden. Um 4:00 in der Früh geht es dann los in der Redaktion.
FM5: Inwieweit hat die zusätzliche Ausstrahlung auf SAT1, PRO7 und Kabel 1 die Sendung verändert? Zum Beispiel punkto Vermarktung über Sevenonemedia.
Indem wir jetzt österreichweit sind, haben wir natürlich viel mehr Content. Früher waren wir halt doch sehr "ostlastig", sprich Wien und Umgebung. Jetzt sprechen wir den Vorarlberger genauso an wie den Wiener - und natürlich auch alles was dazwischen liegt.
Von den Themen kann man es schon noch vergleichen, aber sonst nicht. Wir haben ein größeres Studio, ein größeres Team und viel mehr Content. Wir sind gewachsen. Unser Baby hat laufen gelernt.
FM5: Wie gehst du mit der gesteigerten Aufmerksamkeit um? Man wird dich jetzt auch auf der Straße erkennen.
Ach, wenn die Schminke weg ist, dann erkennst auch du mich nicht mehr. Und wenn, dann kommt es manchmal vor, dass man um 18:00 von manchen Menschen angesprochen wird: "Na, sollten Sie nicht schon längst im Bett sein." Das sind alle nette Aufpasser. Und manchmal hört man um 20:00 schon ein nettes guten Morgen!
FM5: Ist Moderatorin trotzdem dein Traumjob, angesichts der frühen Zeit zu der du aufstehen musst?
Ich kenne auch den Bereich dahinter. Ich habe lange Zeit in einer Redaktion gearbeitet. Ich finde es gut, wenn man alle Bereiche kennt. die Uhrzeit ist gewöhnungsbedürftig. Aber du musst das positiv sehen, wenn die anderen gerade im Büro sitzen habe ich meine Arbeit schon hinter mir. Dann muss ich mich auch nicht in langen Einkaufsschlangen anstellen und kann im Sommer am Nachmittag in Bad liegen. Es hat auch seine Vorteile.
FM5: Wann kommst du zum Schlafen?
Unterschiedlichst. Im Winter versuche ich am Nachmittag ein Schläfchen zu machen. So eine bis einhalb Stunden. Im Sommer komme ich so mit fünf Stunden schlaf aus. Ich versuche spätestens um 22:00 im Bett zu liegen. Es gibt Abende da bin ich schon um halb neun im Bett. Furchtbar ist es, wenn du im Winter um halbfünf am Nachmittag aufwachst und du dir denkst, wenn es so dunkel ist, hoffentlich habe ich nicht verschlafen, weil du dir denkst, es ist halb fünf Uhr morgens.
FM5: Du hast ja bei Radio Max gearbeitet und machst auch noch immer was dafür. Inwieweit haben dir diese Erfahrungen geholfen?
Radioerfahrung ist eine sehr gute Schule. Erstens Moderationsschule und andererseits lernst du diese Bildersprache. Bilder im Kopf des Zuhörers zu erzeugen. Earcatcher helfen dir natürlich auch beim Fernsehen. Es ist eine gute Erfahrung gewesen, die mich ständig begleitet.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
Newsfeed von Martin Aschauer abonnieren